Nach Raffael jetzt Ronny: Wie gerecht ist die Kritik des Trainers an Herthas Brasilianern?

(sto) – Sagen Sie mal, Herr Babbel, was ist denn eigentlich mit Ronny. . . Es gehört zu Pressegesprächen am Tag nach Spielen, dass auch weitere Personalien abgehandelt werden, etwa solche von Spielern, die ja gut und gern mal wieder für einen Einsatz infrage kommen könnten. Eben Ronny, der am Montag jedoch wieder mal nur abseits der großen Trainingsgruppen „Stammspieler“ und „Reservisten“ hat üben dürfen – mit den Rekonvaleszenten Nico Schulz, Marco Djuricin und Abu Bakarr Kargbo.

Auf Ronny angesprochen zu werden, war für Babbel wie das Signal, sich mal den gesamten Frust über diesen so hoch talentierten Brasilianer von der Seele zu reden. Nachdem er sich zunächst an Raffael mit Worten gerieben und den Spielmacher damit zu mehr Leistung angetrieben hatte, ist in der Öffentlichkeit nun dessen Bruder dran.

Der eine fordert Leistung, der andere eine Chance

Intern schwelt der Konflikt schon länger. Babbel kritisiert Ronny für mangelnde Einstellung: „Es liegt an ihm, sich aufzudrängen – und zwar nicht nur mal mit einem guten Training, sondern nachhaltig. Ich gehe nur nach dem Leistungsprinzip.“ Ronny fühlt sich ungerechtfertigt hart angegangen – und der fairen Chance beraubt, einmal über einen längeren Zeitraum hinweg spielen und somit seinen Rhythmus finden zu können.

Derzeit sieht es aber eher danach aus, als sollte Ronny vorerst überhaupt keine Rolle spielen. „Er ist etwas weiter weg vom Kader“, sagte Babbel süffisant. Ronny müsse verstehen, dass für einen Platz unter den 18 Auserwählten „mehr verlangt wird, als nur gut mit dem Ball umgehen zu können“, und für ihn, Babbel, sei es „sehr frustrierend zu sehen, dass mein bester Fußballer nicht in Bewegung kommt“. Es folgte der Satz mit dem größten Zündstoffanteil: „90 Minuten wird er nie schaffen! Aber 60 Minuten Tempo bei gleichzeitiger Verlässlichkeit in der Defensive werde ich doch verlangen können!“

Nur fünfmal über 90 Minuten – woran liegt es?

Wie seht ihr es: Von seinen bislang 22 Punktspieleinsätzen im Hertha-Trikot – alle in der Zweiten Liga – durfte Ronny nur fünf über die volle Distanz bestreiten. Neunmal wurde er ein-, achtmal ausgewechselt. Trotz reduzierter Einsatzzeit reichte es noch zu zwei Toren und fünf Vorlagen. In dieser Saison durfte Ronny lediglich die letzten 20 Minuten des Pokalspiels in Meuselwitz mitwirken. Einer guten Vorbereitung sei „wieder ein Bruch gefolgt“. Eine zwischenzeitlich hemmende Kniestauchung tat ein Übriges. Hat Ronny unter Babbel je eine faire Chance erhalten, oder wäre es – nach dem „Henne oder Ei“-Prinzip – zunächst an ihm gewesen, vollumfänglich und nachhaltig für sich zu werben?

Stichwort „mein bester Fußballer“: Welche Rolle, denkt ihr, könnte Ronny im Idealfall bei Hertha einnehmen: Leistungsträger, wertvolle Alternative oder nicht einmal das? Muss Babbel dem Spieler vielleicht sogar, nachdem interne Gespräche nicht fruchteten, einmal öffentlich derart vehement in den Hintern treten – war also auch dieser Ausbruch ein kontrollierter, nämlich der ultimative Versuch, Ronny ins Laufen zu bringen?