1:1 in Hannover - Lasogga rettet Herthas Auswärtsserie

(sto) – 1:1 in Hannover – zum zweiten Mal in Folge kehrt Hertha mit Zählbarem von einer Auswärtsreise zurück. Und wie schon in der Vorwoche beim 2:2 in Hamburg war der Punktgewinn ein Punkt für die Moral: In der 84. traf Pierre-Michel Lasogga zum Ausgleich. Für den 19-Jährigen war es das erste Bundesliga-Tor seiner Karriere. Und Hertha bleibt auswärts so im Kalenderjahr 2011 unbesiegt.

Weil eure Blogpappies absolut ruhelos sind und auch an freien Tagen noch Hertha live im Stadion gucken, kommt die Einzelkritik diesmal aus Block W12 der Hannover-Arena. Das ist nahe des Gästeblocks auf der Gegentribüne – und damit mehr denn je ohne Netz und doppelten Boden, Zeitlupen oder sonstige Hilfsmittel. Kollege Bremer betreut derweil die diversen Printerzeugnisse.

Thomas Kraft: Der Keeper verhinderte gegen Hagguis Kopfball früh einen Rückstand (12.). Ob der Gegentreffer haltbar war? Aus meiner Perspektive eher nicht. Ein Riesenbock wäre Kraft indes zu attestieren gewesen, wenn Panders weite Freistoßflanke, die urplötzlich im Netz einschlug (89.) als Tor Anerkennung gefunden hätte. Abseits war es nicht, das Schiedsrichtergespann monierte eine Kollision von Ya Konan [sorry, korrigiert; sto] und Franz. „Das muss man nicht zwingend pfeifen“, gestand Trainer Markus Babbel ehrlich ein. Glück für Kraft! Note 4

Christian Lell: Defensiv tat der Rechtsverteidiger solide seinen Dienst gegen den nur anfangs überlegenen Rausch. Offensiv geschah zwar auch wenig, dafür war Lell es, der energisch das 1:1 vorbereitete: Doppelpass mit Ebert, dann suchte und fand er in der Mitte Lasoggas Fußspitze. Und schon zuvor verfehlte sein Versuch eines präzisen Abschlusses nur knapp das rechte Toreck. Note 3

Maik Franz: Der Innenverteidiger musste wieder mal für Hertha bluten, ließ sich von dieser frühen Kollision mit Rausch nicht beeindrucken. Hatte zwar dann und wann Probleme mit Abdellaoue, aber keine allzu gravierenden. Schon gar nicht war so ein Bock dabei wie noch in Hamburg. Note 3

Andre Mijatovic: Auch der Kapitän meisterte 90 patzerfreie Minuten. Von Schlaudraff, der sich zumeist der liebevollen Betreuung des Kroaten erfreuen durfte, war erst nichts und dann zunehmend immer weniger zu sehen. Vor dem 96-Tor tauchte Mijatovic einmal gefährlich auf, schoss Zieler an. Note 3

Levan Kobiashvili: Wie Lell auf der rechten Seite ließ auch der Georgier links wenig zu, dabei war sein Gegenspieler mit Stindl gewiss kein ganz Schlechter. Schade nur, dass nicht auch Kobiashvili einen so genialen Offensivmoment hatte wie Lell. Noch am nächsten kam einem solchen die Flanke auf Raffael, die der kurz vor der Pause aufs Tornetz setzte. Note 4

Andreas Ottl: Der Ex-Bayer fand längst nicht so gut in die Partie wie noch in Hamburg. Seine Bälle in die Offensive fanden kaum einmal einen Abnehmer. Was die Mittelfeldpräsenz angeht, stand er leicht im Schatten seines Nebenmannes. Note 4

Peter Niemeyer: Das Kind des Nordens gefiel in seiner niedersächsischen Heimat durch Präsenz im Mittelfeld, sowohl am Boden als auch in der Luft. Machte nach 75 Minuten Platz für Rukavytsya. Note 3

Patrick Ebert: Es ist eine Streitfrage: Wie viel ist ein gelungener Doppelpass binnen 90 Minuten wert – auch, wenn er immerhin mit zur Entstehung des 1:1 beitrug? Ich meine, das war wieder mal zu wenig von einem, der den Anspruch erhebt, ein Anführer sein zu wollen. Aber okay, da war noch ein Kopfball nach Raffael-Ecke (64.) und ein halbwegs ordentlicher Freistoß in der Schlussminute. Note 4

Raffael: Nach dem groß gewachsenen, eher hüftsteifen Westermann gegen den HSV bekam Herthas Mann in der Zentrale es diesmal mit Sergio Pinto zu tun. Was in etwa so attraktiv ist wie ein Duell mit einem Pitbull im Park. Aber Raffael stellte sich der Herausforderung, steigerte sich nach schüchtern zugebrachter erster Halbzeit. Unentschuldbar sein Verlassen der Mauer beim Gegentreffer, zeigte aber wie gesagt nach der Pause eine Reaktion. Note 4

Tunay Torun: Aus dem imaginären Duell mit Ebert auf der Gegenseite ging der Deutsch-Türke bis zum Zeitpunkt seiner Auswechslung (61.) als hauchzarter Sieger hervor. Er reichte aber um Längen nicht heran an seine couragierte Vorstellung gegen den großen HSV eine Woche zuvor. Note 4

Adrian Ramos: Ähnlich wie Raffael brauchte auch der Kolumbianer wenigstens 45 Minuten, um in dieses Auswärtsspiel hineinzufinden. Fleißig war er schon vorher, aber ohne Wirkung in der Offensive. Nach 64 Minuten stocherte er den Ball drüber, steigerte sich in Folge dieser Szene – aber zu einer wirklichen Torchance kam er nicht mehr. Note 4

Pierre-Michel Lasogga: In die einsetzende Müdigkeit der Hannoveraner hinein antwortete Babbel nach 61 Minuten mit der Hereinnahme eines zweiten Stürmers. Und Lasogga brachte sich sogleich prächtig ein, mit der Hacke legte er auf für Ramos. Sehr viel wichtiger freilich sein Tor zum 1:1-Ausgleich und –Endstand. Mit der Fußspitze kam er im Stile eines Torjägers dem erfahrenen 96-Innenverteidiger Haggui zuvor. „Er hat seine Aufgabe erfüllt, es hat mich für ihn gefreut“, lobte Babbel seinen Edeljoker. Note 2

Nikita Rukavytsya: Mit seiner Hereinnahme nach 75 Minuten und der Umstellung auf 4-1-4-1 gab Babbel das Signal für die Schlussoffensive. Der schnelle Australier stieß auch prompt mit Tempo in sich bietende Räume – etwas, das die Kollegen vorher oft hatten vermissen lassen.