Ohne Hubnik nach Hannover: Luxussorgen wohin das Trainerauge blickt

(sto) – In Dortmund und München, in Bremen und Augsburg und Stuttgart wurde gerade Bundesliga gespielt, als sich Hertha BSC am Samstagnachmittag auf die Reise begeben hat – der Spieltermin am Sonntag macht’s möglich und beschert den Spielern und uns Zuschauern am vierten Spieltag die vierte verschiedene Anstoßzeit. Aber über die Absonderlichkeit zerfledderter Spieltage können wir ein andermal diskutieren. Unser Thema heute soll ein anderes sein. Vor der Abfahrt bat Markus Babbel die Seinen zum traditionellen Abschlusstraining auf den Schenckendorffplatz. Mit dabei: Roman Hubnik.

Wie schon am Freitag hat der tschechische Nationalspieler das – wenngleich an einem solchen Tag vor dem Spiel immer höchst überschaubare – komplette Programm mitgemacht. Danach fiel die Entscheidung: Hubnik ist trotzdem nicht im 18er-Kader für Hannover. Möglich, dass er stattdessen im Heimspiel der U23 am Sonntag (13.30 Uhr) gegen Plauen zum Einsatz kommt. Oder der geprellte Mittelfuß erhält noch einmal Schonung.

Mijatovic und Franz spielen auf Bewährung

Nichtsdestotrotz steht Hubnik ante portas, wie wir alten Griechen sagen. Umgekehrt heißt das: In Hannover hat das Innenverteidiger-Duo Mijatovic/Franz zum letzten Mal eine Startelf-Garantie. Und dann? „Wir sprechen nicht über irgendjemanden, sondern über einen tschechischen Nationalspieler. Wenn Roman in Topform ist, hilft er uns weiter“, sagt Babbel über Hubnik. Franz hält dem 181 Bundesligaspiele entgegen, die mit Abstand meisten unter Herthas Innenverteidigern. In erster Linie symbolhaft ist dagegen das Argument des Dritten im Bunde, Mijatovic. Seit vergangener Saison ist er Kapitän, und überraschend früh, nämlich noch vor dem ersten Training der neuen Spielzeit bestätigte Babbel den Kroaten in diesem Amt. Fröhlich pfeifend wird sich keiner der drei auf Dauer auf die Bank setzen. Doch ist zentral vor dem Tor nun mal nur Platz für zwei. Eine luxuriöse Situation für Babbel, gleichwohl eine, die Potenzial für Unzufriedenheit birgt.

Im Mittelfeld verhält es sich ganz ähnlich. Wenn Babbel nicht etwa mit dem Tannenbaum flirtet – für mich mit Abstand die Formulierung der Woche, Kollege Kleinemas! -, muss ein weiteres Mal einer aus dem Trio Ottl/Niemeyer/Lustenberger auf die Bank. Ja, es hat Aufsteiger schon schlimmer erwischt, als entweder einen Deutschen Meister, einen Pokalsieger oder einen Schweizer Nationalspieler nicht berücksichtigen zu können…!

Oder im Angriff. Mag das Personaltableau ganz vorn quantitativ auch dünn sein, so tummeln sich in Adrian Ramos und (noch) Rob Friend dort noch immer ein kolumbianischer und ein kanadischer Nationalspieler sowie in Pierre-Michel Lasogga einer, der zu Deutschlands Besten im Alter unter 21 Jahren zählt. Aber nur einer kann spielen. Das vor einer Offensivreihe, für deren maximal drei Plätze sich mindestens das Doppelte an Personal bewirbt: Raffael, Ronny, Torun, Ebert, Rukavytsya, Schulz, Djuricin. Und nicht zu vergessen Ramos, der links wie rechts und bevorzugt auch zentral hinter einer Spitze spielen kann.

Aerts auf der Bank, Burchert zur U23

Bleibt das Tor. Hier ist es gekommen, wie ihr es hier schon am vergangenen Wochenende lesen konntet: Maikel Aerts nimmt in Hannover hinter Thomas Kraft auf der Bank Platz. Alles andere, hatte er unter der Woche durchklingen lassen, hätte ihn auch stark verwundert. . . Sascha Burchert hingegen freut sich sicher schon riesig auf Plauen. Oder?

Niemand hat zu jammern, Härten gehören zum Profigeschäft dazu. Aufgabe des Trainers ist es, die persönlichen Befindlichkeiten zu kanalisieren – das Beispiel Ronny hat in dieser Woche gezeigt, wie fulminant Frust in einem talentierten Bankdrücker gären kann. Von diesem Ausbruch einmal abgesehen: Wie gut, meint ihr, lösen Babbel und sein Stab diese psychologische Seite des „ja, du spielst nicht, aber bist trotzdem ein dufte Typ!“? Und wem droht in dieser Saison auf Dauer eine „Banklehre“?