Hertha hautnah auf dem Schenckendorffplatz

(mkl) – Der Schenckendorffplatz mit all seinen Möglichkeiten ist nun nicht gerade klein, und so ärgern sich Fans wie Journalisten ab und an schon einmal darüber, wenn sich die Mannschaft von Hertha BSC in den letzten Winkel zurückzieht, wo sie ganz bestimmt niemand mehr so recht erkennen mag. Heute morgen nun, so berichtete mir der Kollege Bremer, der zeitgleich an der Printausgabe bastelt, war das ganz anders. Hertha zum Anfassen war die Devise, zumindest am Sprinthügel (Fotos: ub).

Dort ließ Trainer Markus Babbel die Seinen erst 15 Meter bergan sprinten, bevor es dann (für die Muskulatur nicht weniger belastend) etwa 25 Meter die Rampe hinunter und noch weiter ging, eng an den staundenden Fans vorbei. So eng, dass der Sicherheitsservice ein kleines Mädchen vorsorglich anwies, sich bitte nicht auf den Absperrzaun zu setzen – sie hätte sonst bei einer unbedachten Aktion leicht den sprintenden Profis vor die Füße fallen können.

Fast zwei Stunden ließ Babbel die Mannschaft schwitzen. Aber auch vor den Hügelläufen lohnte sich das Zuschauen: Anfangs waren die Spieler mit rund zehn Zentimeter breiten Gummibändern um die Hüften an die großen Fangzäune gekettet. Dann ging es gegen den Widerstand, und bevor die Spieler durch den Widerstand zurückgerissen wurden, stiegen sie zum Kopfball hoch. Weniger gut klappte eine bereits aus den Trainingslagern bekannte Übung: In zweier Pärchen und mit einer trennbaren Klett-Leine verbunden standen Schatten-Sprints um Stangen an. Leider nur riss, so berichtete es mein Kollege, die Leine so ziemlich immer, was Co-Trainer Rainer Widmayer dazu veranlasste, immer wieder zu rufen: „Trotzdem weiterlaufen!!“

Mit dem Ball ließ Babbel dann auch noch trainieren: Jeweils vier Offensivkräfte bekamen die Aufgabe, von der Mittellinie aus gegen zwei Abwehrspieler zum Torabschluss zu kommen. Innerhalb von zehn Sekunden, wohlgemerkt. Hier sieht man nun, dass Babbel die Qualität anzieht: Im zweiten Trainingslager in Bad Waltersdorf hatte er den Angreifern noch zwei Sekunden mehr zugestanden.

Babbel schließt schnelles Hubnik-Comeback aus

Dieses Programm konnten übrigens John Anthony Brooks und Roman Hubnik nicht mitmachen, sie absolvierten ein Aufbautraining. Bei Hubnik zeigte sich Babbel heute skeptisch, nachdem der Verteidiger selbst gestern strahlend wissen ließ: „Alles ist gut“. Babbel sagte nun: „Das dauert sicher noch. Er soll sich jetzt Spielpraxis in der U23 holen“, und schloss einen Einsatz gegen Hannover 96 am Sonntag kategorisch aus.

Damit ist klar, dass vorerst weiter Maik Franz spielen wird. Mich interessiert: Wie seht ihr den Zugang bisher? Als er verpflichtet wurde, war das aus verschiedenen Gründen ja ein heikles Thema. Ich muss sagen, dass er mir bislang ordentlich gefällt, wenngleich er in beiden Bundesliga-Partien entscheidende Fehler machte. Aber: Mir imponiert, wie offen und artig er damit umging, und vergessen wir nicht, dass er an sich nicht für die Startelf vorgesehen war, da er ja mit einer nicht ausgeheilten Verletzung nach Berlin kam.

Eure Meinung ist gefragt

Jetzt seid ihr dran: Ist Franz die erhoffte Verstärkung? Wie gefällt auch sein Auftreten, das ja teils kritisch gesehen wird? Oder sollte Babbel angesichtes der beiden Böcke über eine Änderung nachdenken – und vielleicht sogar noch einmal Christoph Janker eine Chance geben? Der Trainer lobt seine Trainingsleistung seit Wochen über den grünen Klee und lässt ihn schon länger exakt auf der Position des rechten Innenverteidigers trainieren.