2:2 in Hamburg: Torun und Mijatovic treffen

(ub) – Um den Kollegen Stolpe in Hamburg zu entlasten – er arbeitet an der Printausgabe für die Morgenpost – kommt die Einzelkritik zum 2:2 von Hertha BSC beim Hamburger SV aus dem W. in Moabit. Für alle Berliner gilt, weshalb ich es in der Einzelkritik nicht elf Mal aufführen werde, dass sie sich deutlich gesteigert haben gegenüber dem 0:1 beim Bundesliga-Saisonstart gegen Nürnberg in der Vorwoche.

Thomas Kraft Ein schwieriges Spiel für den Torwart. 75 Minuten lang bekam er nix zu tun. Die beiden Bälle, die auf sein Tor kamen, waren drin, der Elfmeter von Petric und der 20-m-Schuß von Son. Kraft hielt seine Mannschaft in der Schlußviertelstunde beim 1:2-Zwischenstand mit zwei wichtigen Paraden im Spiel Note 3

Christian Lell Engagierte Leistung. Anders als in der Vorwoche war der Vizekapitän auch beim Rückstand in den letzten 25 Minuten zu sehen. Er hatte Pech, dass sein Heber über Torwart Drobny hinweg an die Latte klatschte (24.). Und hatte ein zweites Mal Pech, dass kurz vor Ende das Foul an ihm im HSV-Strafraum nicht mit einem Elfmeter geahndet wurde. Note 2

Maik Franz Ähnlich wie gegen Nürnberg. Eigentlich eine solider Vorstellung des Manndeckers (78 % gewonnene Zweikämpfe), der den HSV-Sturm kaum stattfinden ließ. Aber wie beim Gegentor gegen den Club leitete Franz auch in Hamburg mit einem schlechten Pass auf Peter Niemeyer, den der nicht unter Kontrolle bekam, das 1:2 ein. Kämpfte aber bis zur letzten Minute unverdrossen Note 4

Andre Mijatovic Die Geschichte des Spiels. Schenkte dem bis dahin nicht stattfindendem HSV mit seinem ebenso überflüssigen wie nicht übersehbaren Trikotzupfer gegen Petric einen Elfmeter, der prompt zum 0:1 führte. Mijativic wirkte angeknockt, fing sich aber wieder. Seine Zweikampf-Bilanz (56 % gewonnen) war erneut schlechter als die von Franz. Dass ausgerechnet dem Kapitän der fulminante Kopfballtreffer zum 2:2-Endstand gelang, spricht für seine vorbildliche Einstellung – Note 4

Levan Kobiashvili Wie schon gegen Nürnberg einer der besseren Herthaner. Sein Gegenspieler, der schnelle und hochgewettete Elia, wurde als schlechtester Hamburger auf dem Platz bald nach der Pause ausgewechselt. Kobiashvili marschierte auch in der Endphase noch die Linie herunter Note 3

Peter Niemeyer Die beiden Sechsen standen diesmal gestaffelt (und nicht auf gleicher Höhe wie gegen Nürnberg), was dem Hertha-Spiel gut tat. Niemeyer war fleißig, stellte viele Räume zu, kam aber auf nur 38 Ballkontakte. War am Gegentor zum 1:2 mitbeteiligt (siehe Franz). Note 4

Andreas Ottl Mit mehr Schwung als bei seiner lahmen Auftaktvorstellung. Diesmal brachte er wesentlich mehr Bälle in die eigene Offensive (78 % seiner Pässe erreichten die Mitspieler). Bereitete den 1:1-Ausgleich mit einem wuchtigen 23-m-Schuß vor Note 3

Patrick Ebert Spielte nach seiner Nasenhöhlen-Entzündung gemeinsam mit Lell und Ottl ordentlich auf der rechten Seite. Engagiert und laufstark. Die gelbe Karte gegen ihn war eine Fehlentscheidung des Schiedsrichter. Als ihn die Kräfte verließen, machte er Platz für Morales Note 3

Raffael Mit Ramos bester Mann auf dem Platz. Der Brasilianer rechtfertigte seine Aufstellung mit vielen Ballpassagen nach vorn. Entgegen dem Klischee, er würde so viele Bälle verdribbeln, bracht er 89 % der Pässe zum Mitspieler. Konnte sich immer wieder der Hamburger Doppelbewachung entziehen. Spielte unmittelbar nach der Pause Ramos mit einem sensationellen Pass im Hamburger Strafraum frei. Brachte sich selbst um die Krönung seines Nachmittages, indem er freistehend den Abpraller nach dem Lell-Lattenschuß (im verein mit Drobnys Fingerspitzen) nur an den HSV-Pfosten setzte. In dieser Form wird es keine Diskussionen geben, ob Raffael der Mannschaft helfen kann Note 2

Tunay Torun Machte den größten Sprung gegenüber der Vorwoche. Kam gut ins Spiel, hatte die Führung auf dem Fuß (8.). Vollendete technisch sauber den schwierigen Ball aus spitzem Winkel vorbei am großen Torwart Drobny zum 1:1. Schien im Moment danach selbst ein wenig erschrocken, dass er als Ex-HSVer ein Tor geschossen hatte. Nach einer Stunde verliessen ihn die Kräfte Note 3

Adrian Ramos Rechtfertigt das Lob, das Trainer Markus Babbel häufig genug für den Kolumbianer parat hat. Der Stürmer zeigte, dass er als einzelne, schnelle Spitze eine gesamte Verteidigung vor Probleme stellen kann. Ob per Kopfball (8. / 24. Minute), ob mit dem Fuß, als er HSV-Verteidiger Burma ins Leere schickte, den Ball aber an die Latte Schoß (46.) – wo Ramos war, war es gefährlich. Hatte mit 76 Ballkontakten die meisten aller Herthaner (zum Vergleich: HSV-Stürmer Petric: 22 Ballkontakte) Note 2

Alfredo Morales Ein neuer Junger, den Trainer Babbel aus dem Hut zauberte. Der Deutsch-Peruaner fügte sich nahtlos ein in das schnelle, technisch saubere Kombinationsspiel der Kollegen. Hatten keine Scheu vor großen Name, etwa als Jarolim wiedermal eine seiner Schauspiel-Einlagen vorführen wollte. Wieder eine Alternative mehr für Hertha.

Pierre-Michel Lasogga Musste erstmals seit langem auf der Bank Platz nehmen, obwohl er fit war. Kämpfte nach seiner Einwechslung nimmermüde um den Anschlusstreffer, setzte die wacklige HSV-Defensive wiederholt unter Druck.

Nikita Rukavytsya Der gelernte Stürmer arbeitete sogar nach hinten mit. Hatte nur noch vier Ballkontakte

Trainer Markus Babbel Gab eine Reihe von Antworten auf die Enttäuschung der Vorwoche: Hatte sich für ein 4-2-3-1-System entschieden (gegen Nürnberg begann Hertha im 4-4-2). Und für Ramos anstelle von Lasogga als Stoßstürmer. Torun, den wohl kaum jemand aufgestellt hätte, rechtfertigte das Vertrauen des Trainers mit dem 1:1-Ausgleich. Sowohl die Doppel-Sechs als auch die Dreier-Reihe davor stand gestaffelt und kombinierte fließend. Hatte Mut zum überraschenden Wechsel (Morales für Ebert). Wurde entgegen seiner sonstigen Art wiederholt beim aktiven Coaching an der Seitenlinie gesehen Note 2

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Erklärung:

1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = befriedigend, 4 = ausreichend, 5 = mangelhaft, 6 = ungenügend

Bewertet wird, wer mindestens 30 Minuten gespielt hat.

P.S. Wer die eigenen Eindrücke vergleiche möchte, hier geht’s zum Spielbericht im Blog Matz ab vom Hamburger Abendblatt