Plädoyer der Führungsspieler: Hilfe, wir brauchen Raffael - von Anfang an!

(sto) – Wer hat hier eigentlich auf den Herbst-Knopf gedrückt? Temperaturen um 15 Grad, vereinzelte Regentropfen und dazu ein Wind, der fast schon orkanartig über den Schenckendorffplatz bläst – nein, dieser Sommer macht keinen Spaß, und wie soll das erst in den folgenden Wochen und Monaten werden?! Erst recht, wenn. . . – doch halt, nein, wir wollen ja nicht negativ sein.

Ich habe es an anderer Stelle in den Kommentaren schon geschrieben: Was mich am Mittwochmorgen wirklich beeindruckt hat, war, dass die drei U21-Nationalspieler Lasogga, Neumann und Perdedaj samt und sonders schon wieder auf dem Trainingsplatz standen. Wobei Lasogga es nach 72 Einsatzminuten am Abend zuvor gegen Zypern bei einer Viertelstunde Auslaufen beließ (Fotos: sto).

Wesentlich forscher war Herthas Stoßstürmer hernach im Pressegespräch. Nachdem das Spiel der Berliner gegen Nürnberg noch „mehr nach dem Zufallsprinzip“ verlaufen sei, wünscht Lasogga sich in dieser Hinsicht für den Samstag in Hamburg „eine deutliche Steigerung“. Nach 13 Zweitliga-Toren brennt er darauf, auch in der höchsten Liga zu treffen. O-Ton Lasogga: „Ich bin schon echt geil darauf, das erste Tor für mich verzeichnen zu können.“

Vor Lasogga hatten wir mit Andre Mijatovic und Christian Lell gesprochen. Beide Führungsspieler teilten unmissverständlich mit, dass sie in Hamburg für einen Einsatz von Raffael von Anfang an plädieren. Mijatovic: „Er kann uns immer helfen. Raffael ist ein Ausnahmespieler, der immer einen Unterschied ausmacht, wenn er für uns auf dem Platz steht.“ Und Lell: „Raffael bringt Kreativität mit, die in unserem Kader schwer zu ersetzen ist.“ Gleichlautend sind die Führungsspieler auch bei Markus Babbel vorstellig geworden und haben ihr Unverständnis darüber zum Ausdruck gebracht, dass der Trainer solche Zweifel an Raffaels Potenzial und folglich auch Wert für das Team hegt.

Spätestens an diesem Punkt der Debatte, an dem Spieler öffentlich so klar Stellung beziehen, kommt Babbel kaum noch umhin, Raffael das Vertrauen zu schenken – oder?

Spielaufbau im Fokus

Die heutige Vormittagseinheit war – anders als am Vortag – gewiss nicht vergnügungssteuerpflichtig. Nach 45 Minuten Athletik- und Konditionstraining in allen Farben des Regenbogens stand in der folgenden Stunde der Spielaufbau im Fokus. Der Übungsauftrag lautete, schnell über die Flügel nach vorn zu gelangen. Mal um Mal sollte von den zentralen Mittelfeldspielern Peter Niemeyer und Andreas Ottl die Initiative ausgehen, sollten die Außenbahnspieler Flanken in die gefährliche Zone schlagen. Weder das eine, noch das andere hatte gegen Nürnberg funktioniert.

Kraft trotzt den Schmerzen, Ronny sieht gut aus

Thomas Kraft hat heute wieder regulär trainiert. Die Schmerzen im lädierten Sprunggelenk sind zwar keineswegs abgeklungen, aber dem Vernehmen nach immerhin erträglich geworden. Und Kraft protzt, äh strotzt vor Ehrgeiz, will keinesfalls durch eine zu lange Trainingspause einem der Rivalen einen Vorteil verschaffen. Ronny (Knie verdreht) ist zum ersten Mal wieder gelaufen, und ich fand, das sah bei kurzen Sprints und der individuellen Arbeit mit dem Ball schon wieder ganz gut aus.

Patrick Ebert hat erst am Nachmittag wieder draußen trainiert, und wie zu hören ist, hat er die knapp einstündige Einheit – vor gut 200 meist jugendlichen Zuschauern – problemlos verkraftet. Nichts Neues, und das sind keine guten Nachrichten, von Roman Hubnik. Der Tscheche (Fußprellung) trägt nach wie vor einen Spezialschuh; an einen Einsatz in Hamburg ist überhaupt nicht zu denken.

Zur Klickshow: Heute geht es um euer Gefühl, nicht um das, was ihr euch wünscht. Was also meint ihr, lässt Babbel gemäß dem Wunsch der Spieler Raffael in Hamburg spielen? Und erzielt Lasogga gegen den HSV sein erstes Bundesliga-Tor?