Warum der wendige Lustenberger an sich nicht auf die Bank darf - aber wohl muss

(mkl) – An einem trainingsfreien Tag poppte eine schlechte Nachricht auf: Herthas ehemaliger Nachwuchs-Chefscout Wolfgang Damm hat eine Klage auf Feststellung eines unbefristeten Arbeitsverhältnisses angestrengt. Sein Vertrag war am 30. Juni ausgelaufen, er wollte nach eigenen Angaben nur die Gewissheit haben, über dieses Datum hinaus weiterarbeiten zu dürfen. Ob es nun in einem Zusammenhang steht oder nicht: Am Freitag stellte Hertha den 56-Jährigen frei und kündigte ihm zum 31. August. Neben der Klage soll auch eine Rolle gespielt haben, dass Damms Sohn Alexander als Berater arbeitet, Hertha soll diesen Interessenkonflikt mehrfach beanstandet haben.

Aber wenden wir uns lieber erfreulichen Dingen zu: Dem Weiterkommen im DFB-Pokal zu Beispiel, oder besser: Den Folgen. Denn eines ist ein bisschen untergangen nach dem Spiel in Meuselweitz: Die Vorentscheidung auf der Sechs dürfte gefallen sein. Hatte Markus Babbel im Test gegen Real Madrid noch auf Fabian Lustenberger neben Andreas Ottl gesetzt, durfte in Meuselwitz Peter Niemeyer neben dem gesetzten Ottl auflaufen.

Ist Lustenberger in Gedanken noch beim Aufstieg?

An sich hätte die Aufstellung für sich genommen nur eine beschränkte Aussagekraft. Was Babbel aber am nächsten Tag so über Lustenberger sagte, riecht nach einer Entscheidung, zumindest für die ersten Spiele. Lustenberger habe „noch Defizite“ wegen seines Urlaubs nach der EM, ein Eindruck, den ich aus dem Real-Spiel nicht bestätigt sehe. Gleichwohl stimmt es, dass der Schweizer einen Großteil der Vorbereitung wegen der U21-EM verpasste. Dabei beließ es Babbel aber nicht, er meinte, Lustenberger müsste „erst einmal wieder runterkommen“, weil er mit dem Aufstieg und der Finalteilnahme bei der EM zwei emotionale Höhepunkte gehabt habe, die er jetzt erst einmal verdauen müsse.

Hm. Der Aufstieg und selbst die EM sind jetzt Wochen und einge gefühlte Ewigkeit her. Irgendwie klang das alles so, alls wolle Babbel den Boden bereiten, Lustenberger erst einmal auf die Bank zu setzen – entscheiden muss er sich ja, und die Sache mit der EM und dem Defizit stößt wenigstens niemanden vor den Kopf.

Vier Spieler sind größer als 1,90 Meter

So werden, ich lehne mich da mal aus dem Fenster, gegen Nürnberg Ottl und Niemeyer die Doppel-Sechs geben. Einzig: Die Vorbereitung hat gezeigt, dass die zentrale Defensive häufig dann übefordert war, wenn wuselige Gegenspieler gegen Herthas lange Jungs aufliefen. Roman Hubnik (1,92 Meter), Maik Franz (1,90), Andre Mijatovic (1,91), Peter Niemyer (1,91) sind allesamt Mitglieder im Klub „1,90+x“, Andreas Ottl bringt es immerhin auf 1,86 Meter. Versteht mich nicht falsch: Größe ist sicher eine Waffe, kann gegen flinke Gegner aber auch behindern.

So gesehen weiß ich gerade noch nicht, ob ich Lustenberger, der mit 1,80 Meter auch nicht gerade klein, aber eben doch kleiner und von der Statur her wendiger ist, wirklich auf die Bank sehen möchte.

Wie seht ihr das? Läuft Hertha Gefahr, zwar jedes Kofpballduell zu gewinnen, am Ende aber durch die Beine ausgespielt zu werden? Oder braucht Lustenberger wirklich noch etwas Zeit?