Nachlese Olmütz: Hertha dreht früh auf, verliert aber den Faden

(mkl) – So, während ihr alle wahrscheinlich das Derby schaut, noch ein paar Worte zu dem 2:2 vorhin gegen Sigma Olmütz.

Zur Partie selbst: Hertha hatte in der Anfangsphase eine Reihe guter Chancen, Ronny an den Pfosten (4.), Raffael traf nur das Außennetz (12.), und Rob Friend knallte einen Ball vom rechten Strafraumeck an die Latte (19.). Babbel bezeichnete diese Phase nach dem Spiel als „hervorragend“ – das habe ich anders gesehen, aber es ist richtig, dass es Herthas beste Zeit in diesem Spiel war. Aber: Die ersten 20 Minuten gegen Tel Aviv habe ich trotztem als deutlich stärker angesehn, es war mehr Zug im Spiel, es war präziser.

(Das Video wurde von Bobby Burkhardt er- und bereitgestellt, Herthas Internet-Experten. Muchas gracias)

Mit dem Gegentor war das dann ohnehin alles Makulatur, danach – wenn nicht schon ein paar Minuten zuvor – verlor das Team die Ornung, wie Babbel wörtlich und offen eingestand. Beim 0:1 erlaubte sich Alfredo Morales einen fiesen Fehlpass, im Anschluss macht Burchert aus ganz spitzem Winkel keine gute Figur. Durch die Beine – irgendwie immer schwierig. Zum Thema Burchert gleich mehr. Der Ausgleich durch Friend war meiner Ansicht nach der Lohn für gute Trainingsarbeit (sieht man von seiner Trefferquote ab, aber er hat gerackert ohne Ende) und ein engagiertes Spiel. Er köpfte eine Flanke von – ich wage es ja fast nicht mehr zu schreiben – Torun ein. Schöner Lauf über links. Über die Reaktionen wurde ja schon berichtet.

Die zweite Hälfte war – abgesehen von den letzten zehn Minuten – eine Katastrophe, von beiden Mannschaften. Die beiden Tore fielen aus dem nichts. Ronny verschuldet einen Elfmeter – in dem Fall keine Chance für Burchert, 1:2. Ich muss gestehen, dass ich nicht mehr dran geglaubt hatte, aber ein guter Angriff mit einem klugen Querpass von Friend brachte schließlich das 2:2, Lasogga musste nur noch einschieben. Babbel sagte: „Den Ausgleich haben sich die Jungs erkämpft“, und an der Stelle gebe ich ihm Recht.

Kraft war müde, Niemeyer gibt den Innenverteidiger

Thema Torwart: Ich hatte ja bereits geschrieben, dass Babbel angekündigt hatte, Kraft spielen zu lassen, wenn die erste Reihe spielt. Das war nun heute nicht so. Logisch ist das, und da widerspreche ich jetzt gern meiner eigenen Aussage von vor einigen Stunden, trotzdem nicht. Kraft war nicht verletzt, fühlte sich laut Babbel nur ein bisschen müde…na gut.

Die Sache ist aber doch: Der Trainer betont, dass es keine B-Elf gibt, bzw. dass die Truppe eine Gesamtheit ist und so auch trainiert wird. Heißt: Für den Fall einer Verletzung muss einer parat stehen, der zu 100 Prozent im Thema ist. Was soll das jetzt aber für einen Torwart bedeuten, wenn sich z.B. die IVs verletzen, und plötzlich spielt Kraft hinter Janker und Franz (so wie Burchert heute) – was er dann nicht kennt. Und wie läuft das für die Verteidiger? An dieser Entscheidung heute stoße ich mich inzwischen sehr (es sei denn, Kraft war mehr als nur müde). Es wäre eine gute Gelegenheit gewesen, Kraft mit der zweiten Abwehreihe vertrauter zu machen.

Zu Burchert: Er hatte nicht nur die Szene beim Gegentor. Einmal kam er herausgeeilt, verlor dann aber den Ball wieder, obwohl er ihn schon hatte. Einen Rückpass beförderte er ins Nirvana – das war kein guter Auftritt.

Was war sonst auffällig? Ebert und Ronny inszenierten einige gelungene Seitenwechsel. Niemeyer kam recht spät noch ins Spiel – als IV.

Morgen reist die Mannschaft ab – Babbel fährt direkt nach München. Das riecht nach trainingsfrei am Montag. Ich finde, das hat sich die Mannschaft auch verdient. Hier war ein Team am Werk, das Spaß hatte, das mitgezogen hat. Jetzt müssen nur noch die Ergebnisse stimmen.