Trainingslager III: Der Kampf im Sturm

(ub) – Nachdem das böse U-Wort auf die Liste gekommen ist, will ich mal nix weiter berichten. Nix davon, dass ich froh bin, dass mir die Dame des Herzens die Sonnencreme, Lichtschutzfaktor 20, bei der Abfahrt in Berlin zugesteckt hat. Nix davon, dass im Allgäu sonnige 25 Grad herrschen. Nachher schwappen nur Assoziationen wie „er ist dann mal weg“ oder „Sonnendeck“ durch Eure Gedanken.

Mehr interessieren dürfte: Arbeiten die da eigentlich, die Profis von Hertha im Schrothkurort Oberstaufen?

Antwort: Jep.

Der Ball wurde von links nach rechts gespielt. Wie oben von Abu Bakarr Karbo zu Rob Friend. Oder von rechts nach links, wie unten von Andre Mijatovic zu Maik Franz (Fotos: ub). Später wurden die Passwege auf fünf Stationen erhöht. Jeweils direkt mit einem Kontakt, nur im Notfall mit zweien. Los ging’s. Keine drei Sekunden später schneidet die Stimme von Cotrainer Rainer Widmayer in die Übung: „Stop, stop. So geht das nicht, das ist doch Scheisse.“ Grund: Alle Spieler standen neben einem Plastikkameraden, der den Gegenspieler symbolsieren soll. „Wenn ihr passt,müsst ihr den Ball auf die Gegnerabgewandte Seite spielen und nicht auf die dem Gegner zugewandte Seite.“

Morgen testet Hertha beim TSV Kottern

Während ich noch so überlegen, ‚zwei neue Worte gelernt: Gegnerabgewandte Seite und Gegnerzugewandt‘ und mich frage, ob Ronny diese Anweisungen wohl verstanden hat, erfolgt die Antwort. Ronny, der Journalisten gegenüber immer behauptet kein Deutsch zu können („non verstando, non verstando“), deutet dem ballführenden Carsten Janker mit der Hand auf seinen linken Fuß und ruft ihm zu: „Links, links“. Janker passt. Auf den rechten Fuß von Ronny. Ronny: „Links, hat der Trainer gesagt.“ Womit er Recht hat, in dem Moment ist sein linker Fuß die Gegnerabgewandte Seite.

Merke: Unterschätze mir die Brasilianer nicht.

Auch die beiden Rekonvaleszenten der vergangenen Tage sind im Kommen. Patrick Ebert (Muskelverhärtung) und John Anthony Brooks (Blase an der Achillessehne) absolvierten mit Physiotherapeut Jörg Blüthmann eine Aufbaueinheit.

Ich denke, dass beide morgen/Dienstag im Spiel gegen Landesligist TSV Kottern im Einsatz sein werden. Der Trainer wurde am meisten befragt zur Lage der Stürmer. Bekanntlich haben beim 13:0 gegen den SV Amtzell alle ordentlich getroffen. Pierre-Michel Lasogga, Tunay Torun und Marco Djuricin jeweils im Doppelpack. Abu Kargbo, der als einziger Spieler 90 Minuten spielte, gar vierfach. „Es ist wichtig für die Stürmer, unter Wettkampfbedingungen Tore zu schießen. Das ist gut für Sicherheit und Selbstbewusstsein.“ Gleichzeitig mahnte Babbel, bei Kargbo jetzt nicht gleich mit „der neue Lasogga“-Vergleichen um die Ecke zu kommen.

Friend kämpft und flucht

O.k., am Ende des Tages hatten nicht alle Stürmer getroffen. Rob Friend ging trotz guter Chancen in Amtzell leer aus. Gestern beendete der kanadische Nationalspieler, der auch beim Spiel Sechs-gegen-Sechs auf ein kleines Feld kein Tor erzielt hatte, das Training mit einem lauten „F . . . “

Eure Meinung: Vom welchem Stürmer erwartet Ihr was in der Offensive? Ich weiß, das hängt auch davon ab, ob Hertha mit nur einem Stoßstürmer spielt und zwei hängenden Spitzen dahinter (wer sollte das sein?). Oder im 4-4-2-System. Wer ist gesetzt: Ramos? Lasogga? Ebert? Torun? Was ist von Djuricin zu erwarten, was von Kargbo? Und Friend? Spielt Raffael vorn eine Rolle? Immerhin ist er einst als „Neuneinhalber“ von Lucien Favre geholte (und nein, heute keine Diskussion über Schweizer Trainer).

P.S. Adrian Ramos hat vor der Copa America drei Wochen Urlaub gehabt. Manager Michael Preetz sagt: „Dann hat er ein kurze, aber intensive Vorbereitung mit Kolumbien und Wettkampfspiele auf hohem Niveau. Danach wird er zu uns kommen.“ Meine Lesart : kein weiterer Urlaub für Ramos.

P.S.2 Preetz, seit 1997 im Verein, auf die Frage, wer ihn am meisten beeindruckt hat: „Marcelinho war der beste Spieler, der das Hertha-Trikot getragen hat.“