@calla denkt über Stars, Söldner und die bunte Fußballrepublik Deutschland nach

(ub) – Die aktuelle Hertha-Nachrichtenlage gibt heute noch nix her. Das wird sich ändern, wenn die DFL morgen den Saison-Spielplan veröffentlicht. Zu der Frage Rob Friend zurück nach Kanada, höre ich von Hertha: „blühende Phantasie“. Und kann bisher auch „kanadischer Medien“ als Quellen nicht finden. Bevor uns die Aktualität wieder im Griff haben wird, noch ein grundsätzliches Thema, dessen sich @calla angenommen hat: des Legionärs. Man kann das Thema aus vielen Blickwinkeln anschauen. Wie wird der Legionär angesehen? Wann wird er zum Star ernannt? Wann zum Fußball-Söldner? Das schwankt. In welche Rubrik fällt etwa jemand wie Friend?

Zur Defintion: Im Sport wird unter einem Legionär jemand verstanden, der außerhalb seines Heimatlandes seinem Beruf nachgeht (so ist es im Folgenden gemeint. Wohl wissend, dass die Begrifflichkeit nicht in jedem Fall die Realität abbildet: Podolski/Klose sind geborene Polen, aber deutsche Nationalspieler/Yildiray Bastürk ist in Deutschland geboren und aufgewachsen, aber türkischer Nationalspieler). @calla hat das Wort:

Segen oder Verhängnis

(ca) – Buenos días señores, y bienvenidos! Welcome in good old Germany! Kommt zu uns, verzaubert und bereichert uns mit Eurer Magie und werdet unsere Helden!

Diesen oder ähnlichen Lockrufen folgten in den letzten Jahren tausende von Fußballlegionären aus ihren fernen Heimatländern in die europäischen Ligen. Seit Bosman bedient man sich dieser Wettbewerbsmittel, um konkurrenzfähig zu bleiben oder zu werden.

Seit Bosman 1995 ist alles anders

In ganz Europa verdienen mittlerweile ausländische Profis ihr Geld in den zumeist Top-Ligen der Mannschaftssportarten, wie Fußball, Handball, Eishockey etc. Da der Fußball international sehr hohes Ansehen genießt, ist der Stellenwert des Fußballlegionärs und sein Sold entsprechend hoch.

Mit dem Bosman-Urteil 1995 wurde der europäische Transfermarkt praktisch revolutioniert. Es legte fest, dass seither Fußballer dieselben Rechte genießen wie alle anderen Arbeitnehmer in Europa. Seit 1995 durften also die Vereine beliebig viele Uefa-Ausländer einsetzen. Ab 2001 konnten 5 Spieler aus dem Nicht-EU-Ausland auflaufen. Seit 2006 dürfen in der Liga beliebig viele Ausländer spielen – die Liga ist praktisch überschwemmt worden mit ausländischen Kickern. Folge: Auch mittelmäßige Fußballer wurden angeheuert in der Hoffnung auf schnellen Erfolg und die Nationalmannschaft beklagte ausbleibende Erfolge. 2007/08 betrug der Ausländeranteil in der Bundesliga noch 50%. Doch nimmt deren Anzahl ständig ab, heute sind es ca. 47%

Eine Einschränkung gibt die Liga nämlich seitdem vor: mindestens 8 Nachwuchskräfte aus der Region müssen beim Verein unter Vertrag stehen. Diese sogenannte Local-Player-Regelung wurde zusammen mit der Aufhebung der Ausländerbegrenzung eingeführt.

Wer bei Hertha erinnert sich später noch an Bastürk?

Fußballlegionären wird oft nachgesagt, dass sie sich nicht mit ihrem Verein identifizieren. Sie würden nicht alles geben – vllt. Yildiray Bastürk? Kaum jemand wird sich in ein paar Jahren noch an ihn erinnern. Die Hoffnungen, die auf ihnen ruhen, sind oft ungleich höher als beim eigenen Nachwuchs, sie wirken überfordert und ziehen weiter. Oder sie brauchen eine sehr lange Eingewöhnungszeit. Anders betrachtet: die Fußballer, die jahrelang beim selben Verein unter Vertrag stehen, will oft kein anderer Verein haben oder sind ihnen zu teuer – vllt. Arne Friedrich? Er beschäftigt die Fans heute immer noch.

Was ist der Unterschied, wie Spieler von außen von den heimischen Fans wahrgenommen werden? Was macht den Legionäraus? Kann man z.B. einen Pal Dardai oder Giovane Elber Legionär nennen?

Mehr Geduld mit eigenen Talenten als mit Legionären?

Nicht nur Hertha, auch die Nationalmannschaft fängt nun langsam an, die Früchte zu ernten, die da einst gesät wurden. Beide werden sich zwangsläufig weiter entwickeln. Auch weil Entwicklung immer was mit Jugend zu tun hat. Die diesjährige U21-EM zieht, finde ich, ein gesteigertes Interesse auf sich. Wenn auch leider ohne Beteiligung des Noch-Titelträgers Deutschland. Die allermeisten Spieler, die in Dänemark vorspielen, stehen bereits in Vereinen der höchsten europäischen Ligen unter Vertrag – wie Fabian Lustenberger .

Eine sehr gute Entwicklung. All die zauberhaften Dinge, die bisher fast ausschließlich von Legionären quasi in copyright zur Schau gestellt wurden und die wir alle so lieben, entstehen gerade wie von selbst in den eigenen Reihen, vor der eigenen Haustür. Die Akzeptanz der Khediras, Özils und Boatengs ist gestiegen. Die Müllers und Götzes stoßen dazu. Oder umgekehrt. Sie bereichern ihre Vereine und unsere Bunte Republik Deutschland. Das ist gelebte Integration.

Jetzt Ihr: Was macht für Euch einen Legionär aus? Wer war Eurer Meinung nach in den letzten Jahren ein Legionär in Herthas Kader? Wer nicht? Sollten mehr Jungstars, die in Deutschland ausgebildet wurden, auch für die deutsche Nationalmannschaft spielen – z.B. Nuri Sahin? Wie seht Ihr die Gesamtentwicklung?

P.S.1 Zu den Clickshows: Jeweils eine Stimme, bis auf die dritte Umfrage: Dort sind bis zu drei gestattet.

P.S.2 Im Spielplan für für die Bundesliga-Saison 2011/12, der Dienstag veröffentlicht wird, wird Hertha mutmaßlich mit einem Auswärtsspiel beginnen. Wer wäre der ideale Auftaktgegner?