Herthas Zukunft gehört den Jungen - oder doch nicht?

(ub) – Das Thema beschäftigt: Bei der Diskussion im Blog über das Thema ‚Wieviel Berater/Anwalt braucht ein 14-, 15-Jähriger‘ hat sich die Diskussion hin zu den Jungen in HerthasProfikader verlagert. @apollinaris Aufforderung wird beim Wort genommen: Nachdem der neue Kader für 2011/12 sich deutlich abzeichnet, könne man bei dem Thema tiefer bohren.

Also tun wir das. Um uns verständigen zu können, was gemeint ist: Als Junge verstehe ich im folgenden Spieler die maximal 21 Jahre sind. Zudem beschränke ich mich auf den Faktor Alter: Ob ein Lasogga, Torun oder Schulz aus Herthas Nachwuchs kommen oder nicht – der Trainer muss jeweils den Mut haben, auf die Youngster zu setzen

Zweitliga-Saison 2010/11 haben die Jungen bei Hertha wie folgt gespielt:

Lasogga (19 Jahre) – 25 Einsätze
Schulz (18) – 21
Perdedaj (19) – 16
Neumann (20) – 11
Djuricin (18) – 9
Burchert (21) – 3
Morales (21 ) – 3
Knoll (20) – 2
Bigalke – 0
Hartmann – 0
Radjabali-Fardi – 0.

Nach dem Bundesliga-Aufstieg gibt es für 2011/12 folgende Veränderungen:

Zugänge: Torwart Thomas Kraft (22), Mittelfeldspieler Andreas Ottl (27/beide vom FC Bayern), Tunay Torun (21/vom HSV). So gut wie sicher: Maik Franz (29/Eintracht Frankfurt), John Brooks (18/aus eigener Jugend).

Abgänge: Valeri Domovchiyski (zum MSV Duisburg), Pal Dardai (Karriereende), Lennart Hartmann (Alemannia Aachen), Bigalke (unbekanntes Ziel), Daniel Beichler (ausgeliehen an MSV Duisburg).

noch offen: Marvin Knoll (soll ausgeliehen werden), Kaka (soll verkauft werden).

Wir wissen, dass sich vielleicht im Sturm noch etwas tut, irgendwie mäandert der Name Malik Fathi noch herum – aber diese Seitenzweigen lassen wir beiseite.

These 1: Es wird für die Jungen in der Bundesliga schwerer Spielzeit zu bekommen als in Liga zwei.

@sunny ist der Meinung, dass die Einsatzzeiten der Jungen im Unterhaus erschreckend waren. Ich denke, dass in absehbarer Zeit die Hertha-Youngster nicht mehr so regelmäßig auf so verschiedenen Positionen die Chancen bekommen werden wie in der Zweiten Liga. @HerrThaner hat beschrieben, dass der Weg auf den Platz für die Jungen schwieriger geworden ist durch die Zugänge. Sebastian Neuammn ist nach der mutmaßlichen Franz-Verpflichtung Innenverteidiger Nr. 4 (statt Nr. 3). Brooks ist der Perspektivspieler auf dieser Position. Perdedaj wird sich im defensiven Mittelfeld hinter Niemeyer, Lustenberger und Ottl anstellen. Aus diesem Grund macht eine Ausleihe von Marvin Knoll Sinn.

Im Sturm hat Lasogga nach seinem überragenden ersten Jahr ein Plus. Gleichzeitig wissen alle, dass er null Bundesliga-Spiel hat. Wie schnell er dort ankommt, bleibt abzuwarten. Vielleicht klappt es auf Anhieb. Vielleicht braucht er etwas Eingewöhnungszeit. Djuricin steht in der Offensive ebenfalls hinter den Bundesliga-Erfahrenen Friend, Ramos, Raffael und Torun. Verleihen oder nicht? Es gibt Argumente für beide Wege. Was ist Eure Meinung?

These 2: Die Bundesliga setzt auf Jugend, die Talente müssen ihren Chance ergreifen

Die Rangfolgen, die wir im Moment erstellen, existieren nur auf dem Papier (oder wie dieser Computerschirm heißt). In der Bundesliga wird schneller und direkter gespielt. Das erfordert eine gute Technik. Und viel Energie. Fußball als Seriensprint-Sportart. Da haben die Jungen natürgemäß Vorteile. Etwa ein Nico Schulz gegenüber einem Kobiashvili. Gleichzeitg wird ein Perdedaj zu beweisen haben, dass seine Technik und Spielübersicht auch für die Bundesliga reichen.

Thomas Tuchel hat im Vorjahr erklärt, warum er relativ häufig wechselt: „Weil es extrem anstrengend ist, beim FSV Mainz zu spielen.“

These 3: Es wird weniger Stammspieler geben

Der Trend zum direkten, schnellen Spiel verschärft sich gerade. Siehe Champions League. Siehe Nationalmannschaft. Siehe Bundesliga. Die Folge ist, dass die Übergänge von Stammspielern und Reservisten fließender sein werden. Der Stamm wird weniger spielen, die Ersatzspieler mehr. Deshalb haben auch Profis, die im Kader als Nr. 19 oder 23 angesiedelt sind, Chancen auf den Sprung in den Kader oder gar zu Einsatzzeiten.

Zudem wird Hertha nicht hoffen dürfen, so wenig mit Verletzungen/Kartensperren zu tun haben, wie in der vergangenen Rückrunde. In einer normalen Saison drohen mehr Verletzungssorgen und mehr Formschwankungen. Damit wird es wichtiger, dass auch die hinteren Reihen im Kader Bundesliga-Qualität aufweisen. Gute Gründe für die Herren Neuman, Perdedaj, Schulz oder Djuricin anzugreifen.

These 4: Das Financial Fairplay spielt den Jungen in die Karten

Die Diskussionen um die Gehälter von Franz, Fathi, Kaka oder Domovchiyski belegen ein latentes Unwohlsein bei Fans und Medien: Weil jahrelang sehr hohe Gehälter gezahlt wurden, sind die jeweiligen Kandidaten auch heute ihr Geld wert? Bekanntlich müssen alle Bundesligisten zum Jahresende ihr negatives Eigenkapital um zehn Prozent reduzieren. Eine DFL-Auflage, die voll auf die Personalkosten durchschlägt. Ob Schalke, Bremen, Stuttgart oder der HSV – alle reduzieren den Spieler-Etat. Hertha plant mit 22 Millionen für 2011/12. Zum Vergleich: In der letzten Bundesliga-Saison 2009/10 betrug der Personal-Etat 28 Millionen.

Folge: Gestandene Spieler bekommen nicht mehr automatisch Mond-Gehälter. Und die Klubs sind vermehrt interessiert, eigenen Nachwuchs nach oben zu bringen. Damit er sportlich hilft. Wenn das passiert, steigert der Nachwuchs seinen Marktwert. Aber natürlich muss er die Voraussetzungen haben, in der Bundesliga zu bestehen.

Jetzt Ihr: Habe einseitig vorgelegt, was für die Zukunft der Talente spricht. Was sind die Einwände? Was kann Hertha besser machen? Wo muss man realistisch sein? Wie schätzt Ihr den Trainer ein, der letzten Endes – Jugendförderung hin oder her – nur am sportlichen Erfolg gemessen wird.

P.S. Bei der mittleren Clickshow sind bis zu drei Antworten möglich, ansonsten eine