Was Markus Babbel und Alex Ferguson verbindet: Das Streben nach besserer Fitness

(ub) – Pfingstmontag. Die meisten von uns sind noch im Entspannungsmodus. In Kreuzberg hat es 23 Grad. Sonne, Jogger im Tiergarten, wenig Verkehr, belebte Straßencafés. Wer Glück hat, hat noch ein paar Tage Urlaub (auf Föhr oder Sylt wie @Petra und @Freddie). Oder in Andalusien und auf Ibiza wie Michael Preetz und Markus Babbel. Die Profis von Hertha (so sie nicht gerade ein Turnier spielen wie die Herren Lustenberger, Friend und Ramos) entspannen in Ihrer Heimat. Kapitän Andre Mijatovic in Kroatien, die Brüder Raffael und Ronny in Brasilien, Nikita Rukavytsya in Australien (wo ist die Heimat, wenn man aus der Ukraine kommt und mit 14 Jahren mit der Familie nach Australien auswandert?).

Seit 17 Tagen haben die Spieler vom Bundesliga-Aufsteiger Urlaub. Bis zum Trainingsstart am 25. Juni sind es noch zwölf Tage. Es war genau diese Phase, die im Vorjahr schief gelaufen ist. Wir erinnern uns: Trainer Babbel, damals neu im Amt, sagte mit Blick auf die Laktatwerte seiner Mannschaft: „So schlechte Resultate habe ich noch nie gesehen.“

Was hat Hertha aus dem „Fitnessgate“ gelernt?

Rund die Hälfte der Spieler hat im vergangenen Sommer das Stichwort Urlaub übersetzt mit ‚gar nix tun‘. Die körperliche Verfassung der Mannschaft wuchs sich aus zum „Fitnessgate“. Der damals dafür zuständige Fitnesstrainer Carsten Schünemann musste seinen Job an Henrik Kuchno abtreten (allerdings auch aus anderen Gründen). Die Mannschaft musste in der ohnehin anstrengenden Saisonvorbereitung drei Wochen lang in der Früh eine zusätzliche Laufeinheit absolvieren.

Was erwartet Ihr in diesem Sommer? Vor allem Ronny, Raffael und Pierre-Michel Lasogga taten sich im Vorjahr schwer. Wobei Lasogga, damals gerade aus der A-Jugend entwachsen, einen Sonderfall darstellte. Wieviel Verantwortung kann man erwarten von Profis? Sind die fürstlichen Gehälter (irgendwo zwischen 200.000 und 1,5 Mio Euro) ein ausreichendes Argument, dass ein Fußballspieler seinen Beruf nicht nur in der Trainingszeit ausübt, sondern rund um die Uhr und letzten Endes rund ums Jahr?

Dortmunds junge Wilde machen es vor

Wieviel Freiraum dürfen Profis beanspruchen, die häufig junge Kerle sind mit Vorlieben für Ausgehen, Spaß mit Freunden haben, mal was Trinken – wie die meisten Altersgenossen auch? Und überhaupt: Wer Topleistungen bringen soll, braucht eine vernünftige, ausreichende Erholung.

Andrerseits wissen alle, Spieler wie Verantwortliche, wo der Trend im Fußball hingeht. Ein Schlüssel für die Deutsche Meisterschaft von Borussia Dortmund war deren überragende Fitness und Laufbereitschaft. Alex Ferguson will den Abstand zum FC Barcelona wettmachen. Seine Lehre aus der quasi chancenlosen Vorstellung von Manchester United im Champions League-Finale (1:3): ManU braucht mehr Energie. Sprich vor allem junge Spieler, die bereit sind, wieder und wieder weite Wege in Höchstgeschwindigkeit zu gehen.

Babbel kündigt härteste Vorbereitung aller Zeiten an

In abgespeckter Form war das eine der Erkenntnisse der vergangenen Bundesliga-Saison: Neben Dortmund haben auch Hannover, Mainz, Nürnberg und Freiburg die Mischung aus Kompakt stehen und blitzschnell Umschalten in neue Dimensionen befördert. Hertha-Trainer Markus Babbel hat das genau beobachtet. Und sagt über die anstehende Vorbereitung: „Meine Jungs tun mir ein bisschen leid. Fitness ist dermaßen wichtig geworden, wir werden so hart trainieren wie nie.“

Was erwartet Ihr: Werden alle Profis ihre Urlaubspläne einhalten? Findet Ihr die Pulsuhren sinnvoll, die jeder Hertha-Profi mitbekommen hat und die jeden im Urlaub gelaufenen Meter samt der Geschwindigkeit (für den Trainer in Berlin) archivieren? Oder ist das ein Misstrauensbeweis gegen die Spieler? Was bedeuten die neuen Anforderugen für die Spieler: Normalerweise geben die Älteren im Kader den Ton. Aber was heißt es für Kobiashvili (33), Mijatovic (31), Franz (wenn die Saison begint, wird er 30 sein) oder Friend (30), wenn die Jüngeren die Belastung der Seriensprint-Sportart Fußball altersbedingt besser wegstecken können?

Aus meiner Erfahrung der Vorjahre sage ich vorher: Patrick Ebert wird seinen Dienst am 25. Juni topfit antreten. Er wird auch diesmal in der Gruppe der Schnellsten vornweg laufen.

P.S.1 Der Kollege Stolpe und ich bedanken uns bei den mittlerweile 1000 Leuten, die via Facebook ihre Sympathie für immerhertha.de bekundet haben. Merci.

P.S.2 Kann mir jemand einen grünen Eistee auf das Redaktions-Sonnendeck bringen?