Beichler, Duisburg und Hertha - ein Leihgeschäft mit drei Gewinnern?

(sto)An den Bäumen, Blatt für Blatt, hängt Urlaub. Schön, dass man ihn hat.

Ein Heinz-Erhardt-Reim von dadaistischer Schönheit und gerade auf Michael Preetz zutreffend. Doch das schönste Urlaubsfeeling ist nur die Hälfte wert, wenn man sich ihm nicht auch hemmungslos hingeben kann – neben seiner Lebensgefährtin und Söhnchen Emil haben den Manager von Hertha BSC auch Smartphone, iPad und die übrigen Exponate der modernen Kommunikation mit nach Andalusien begleitet. Der Job und die Begleitumstände eines geöffneten Transferfensters machen es nötig. Könnte ja sein, dass Spieler A ausgerechnet jetzt . . . oder Verein X auf die Idee kommt, dass . . .

Abschluss der Personalie am Montag

Vor solchen theoretischen Überlegungen steht die Praxis – und da konkret eine Personalie, die Montag zum Abschluss gebracht werden soll: die Ausleihe von Daniel Beichler (22, Vertrag bis 2014) zum MSV Duisburg. Nur der faktische Vollzug steht noch aus, die sportmedizinische Untersuchung hat der österreichische Offensivspieler schon zum Abschluss gebracht.

Preetz hat mehrfach betont, sie hätten Beichler „nicht umsonst einen Vierjahresvertrag gegeben“; heißt: Man glaubt an das Potenzial des Spielers, vielleicht auch erst in einem oder zwei Jahren. Ich habe es neulich ja schon an anderer Stelle hinterlassen: Als überstürzt hat Beichlers Ex-Trainer Franco Foda dessen Weggang aus Österreich bewertet. Fehlt es dem Fußballspieler Beichler also noch an Reife? Zumindest gibt der fünfmalige A-Nationalspieler so manches Rätsel auf. Privat scheint er ein netter, geerdeter Kerl mit typisch österreichischem Humor zu sein. Gleichzeitig lehnt er sich verbal manchesmal etwas weit aus dem Fenster; wir alle erinnern den Zwischenfall von Ende vergangenen Jahres, und nun hat Beichler jüngst in Österreich wohl ein an manchen Stellen wenigstens merkwürdiges Interview gegeben.

St. Gallen war Beichler keine Hilfe

Ganz entscheidend aber: Auf dem Rasen kriegt er es in dieser Phase seiner Karriere scheinbar einfach nicht hin. Beim FC St. Gallen, dem Absteiger aus der ersten Schweizer Liga, der alle offensive Hilfe demnach bestens hätte brauchen können, brachte Beichler es in der Rückrunde 2010/11 auf sieben Einsätze, davon keinen einzigen über 90 Minuten (vier Ein-, drei Auswechslungen), sowie null Tore und eine Torvorlage.

Nun also Duisburg – welchen Nutzen kann, welchen Nutzen wird dieses neuerliche Leihgeschäft für den Spieler, für seinen Arbeitgeber auf Zeit, aber natürlich auch für Hertha haben? Die Zweite Liga hatte Trainer Markus Babbel Beichler vergangene Saison im Bereich der obersten Spitze offensichtlich noch nicht zugetraut. Nun machen sie beim MSV zwar kräftig einen auf Understatement, sehen sich mit ihrem Etat „im mittleren bis unteren Bereich“ des Rankings – haben dafür aber meiner Meinung nach gerade in der Offensive keinen schlechten Kader beisammen. Die Herren Jula und Shao wurden aus Cottbus abgeworben, vom FSV Frankfurt kommt Gjasula. Hinter diesen drei potenziellen Stammspielern im vorderen Bereich bewerben sich die Talente Wolze, Pliatsikas und Pamic um Einsatzzeiten.

Inklusive derer, die dem MSV in der Abteilung Attacke aus der vergangenen, ja gar nicht so schlechten Saison erhalten bleiben, hat Beichler also einiges an Konkurrenz zu verdrängen.

Was meint ihr?

Für Duisburg ist die Konstellation ideal – sie sind vorne auch dank des Sturmtalents Beichler einigermaßen breit aufgestellt; erst recht, wenn sie auch noch einen Weg finden, Trainer Milan Sasic seinen erklärten „Wunschspieler“ Valeri D. zu finanzieren. . . (aber das ist ein anderes Thema)

Für Beichler kann die Konstellation ideal sein – er kann sich an anderer Stelle als Berlin im deutschen Fußball durchsetzen und davon entsprechend gestärkt zu Hertha zurückkehren.

Für Hertha wäre die Konstellation in diesem Fall auch ideal – doch was glaubt ihr: Wird es so kommen? Oder befürchtet ihr eher, dass die Saison 2011/12 nur das zweite Kapitel des Missverständnisses um Daniel Beichler formulieren wird?