Drei Sterne sorgen bei Hertha für ein Halleluja! Nur: Wofür gibt es die eigentlich?

(sto) – Sommerpause? Von wegen, kaum ein Tag, an dem nichts los ist bei Hertha BSC. Ehe Manager Michael Preetz sich Ende der Woche für zehn Tage in den Urlaub verabschiedet, hat er am Dienstag eine weitere Zukunftspersonalie perfekt gemacht: Nach Abwehrspieler John Brooks hat Preetz mit Abu Bakarr Kargbo ein weiteres Talent langfristig an den Verein gebunden. Der noch bis 2012 laufende Vertrag mit dem Stürmer wurde um zwei weitere Jahre bis 2014 verlängert.“Wir glauben an das Entwicklungspotenzial dieses sehr talentierten Angreifers“, sagt Preetz. Vom Potenzial des damals erst 16-Jährigen schwärmte übrigens schon Ex-Trainer Lucien Favre.

Dem nächsten Eigengewächs also wird der Weg ins Profigeschäft geebnet – die perfekte Überleitung zum heutigen Thema. Mit dem kurzfristig erkrankten Sebastian Neumann und Fanol Perdedaj (nach 88 Minuten eingewechselt) standen zwei echte Eigengewächse im Aufgebot der U21, die am Dienstagabend im schönen Portimao gegen Portugal getestet und 2:4 verloren hat – und mit Pierre-Michel Lasogga, der als einziger Herthaner auch in der Startelf stand, kam ein von außen hinzugeholtes Talent noch dazu.

Sieben aus 36

Kollege Martin Kleinemas hat sich in der Print-Ausgabe von Mittwoch (und des Feiertages wegen auch Donnerstag) mit der Zertifizierung der Nachwuchszentren durch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) beschäftigt. Bei dieser hat Hertha jüngst zum wiederholten Male die höchstmögliche Bewertung von drei Sternen erhalten – als einer von nur sieben der insgesamt 36 Profiklubs überhaupt. „Es ist schön, dass die DFL damit nicht inflationär um sich wirft“, sagt Preetz.

Recht viel mehr ist ihm und allen weiteren Beteiligten zu diesem an sich rühmlichen Thema nicht zu entlocken. Hertha fährt eine klare Informationslinie im Bezug auf die Akademie: Wer nachfragt, bekommt eine Antwort, aber nur für das Gesamtergebnis. Der Verein nennt keine Details zu den insgesamt acht Bewertungskategorien – wegen des Konkurrenzdrucks, heißt es. Das ist zum einen irgendwie verständlich, schließlich ist die Nachwuchsarbeit in vielen Klubs der Schlüssel zum Erfolg – auch und gerade bei finanziell klammen Klubs wie Hertha. Insiderwissen ist kostbar.

Versteckspiel um die Daten

Und doch bleibt die Frage: Warum dieses Versteckspiel? Denn das gesamte Verfahren der DFL wirft Fragen auf. Hintergrund: 2006 willigten die Profiklubs ein, sich einer externen Kontrolle ihrer Leistungszentren zu unterziehen. Als unabhängiger Dienstleister wurde von der DFL das belgische Unternehmen „Double Pass“ ausgewählt. Eine geschlagene Woche lang wird durch deren Mitarbeiter geprüft, werden Gespräche geführt: Mit dem zuständigen Geschäftsführer – im Fall von Hertha Michael Preetz -, mit dem gesamten Trainerstab, mit Medizinern, Pädagogen uswusf. Am Ende steht ein umfangreiches Bild – und das Urteil der Prüfer: Je mehr Sterne ein Verein für sein Leistungszentrum bekommt, desto mehr Geld erhält er auch aus dem Solidaritätsfonds der Champions League.

Die Klubs willigten nur unter der Maßgabe ein, Herr ihrer eigenen Daten zu bleiben. Heißt: Weder die DFL noch „Double Pass“ sind befugt, Informationen über die einzelnen Beurteilungen öffentlich zu machen. Wer nach Informationen sucht, ist komplett auf das Wohlwollen der einzelnen Vereine angewiesen. Wie etwa 1860 München, ebenfalls mit drei Sternen ausgezeichnet: Der Verein versandte eine einseitige Pressemitteilung zum Thema mit Statements und Erklärungen.

Andreas Rettig, der die DFL-Kommission Leistungszentren leitet, betont, man habe „Double Pass“ ins Boot geholt, um jeden Anschein der Kumpanei zu vermeiden. Aber ist ein Verfahren, bei dem Prüfergebnisse im schlimmsten Fall komplett unter den Tisch gekehrt werden können, wirklich transparent? Letztlich bleibt es ein gutes Tool, intern Vorgänge zu steuern – mehr aber auch nicht.

Nun könnte man einen einfachen Vergleich ziehen: Zur Stiftung Warentest, denn letztlich ist das genau dasselbe. Angenommen, die Stiftung (oder ein anderes Institut, wir wollen ja keine Schleichwerbung machen), testet Fahrradhelme und stellt dabei fest, dass einige Modelle zu früh brechen. Dann wird die Stiftung dies haarklein und in allen Details veröffentlichen – alleine schon deshalb, um potenzielle Kunden zu schützen.

Wie ist eure Meinung?

Jetzt seid ihr dran: Ist es sinnvoll, dass jeder Verein selbst entscheiden kann, welche Informationen er über sein Leistungszentrum preisgibt? Oder wäre es besser, die Vereine würden dazu gezwungen, ihre Bewertungen offen zu legen, damit Sponsoren, Spieler, Fans etc. die ganze Wahrheit kennen?