Barca und United streiten um Europas Krone, Hertha macht für einen Tag mal Pause

(sto) – Samstag, 28. Mai 2011 – heute also geht (auf Vereinsebene) das Fußballjahr zu Ende. Es endet in maximaler Würde, vor 90000 Zuschauern in Wembley, mit einem Duell FC Barcelona gegen Manchester United um Europas Krone in der Champions League. Lasst uns deshalb für einen Tag alle blau-weißen Gedanken hinten an- und ein paar Fragen zum ganz großen Fußball stellen.

Die anderen machen es ja genauso. Seit Tagen überschlagen sich britische Zeitungen aller Couleur in Analysen, Voreinschätzungen und Gastkommentaren. Das Meinungsbild ist eindeutig: eindeutig unentschieden nämlich.

Spektakel von Messi und Kollegen?

Kann sein, meinen die einen, dass es ein Spektakel wird, und MessiXaviIniesta nach Belieben hinwegstürmt über ein in die Jahre gekommenes United, das nun auch noch mit einem Sexskandal seines elder statesman Ryan Giggs zu tun hat. 3:0, 4:1 – alles nicht ausgeschlossen. Kann aber auch sein, erwarten andere, dass Sir Alex diesmal wieder den einen entscheidenden taktischen Kniff findet, den er 2009 in Rom nicht gefunden hat. 1:0 also?

Unter der auch noch sehr schönen Überschrift „Chamäleons gegen Pass-Terroristen“ ist die Süddeutsche Zeitung den unterschiedlichen Philosophien beider Klubs nachgegangen. Tatsächlich beherrscht wohl keine Elf weltweit das eine ihr meist von Kindesbeinen an gelehrte System so vollumfänglich, wie das auf schnellste Ballzirkulation getrimmte Barca. Erfolg als Konstante eint die Finalgegner; Sir Alex coacht mit United aber „eine wandlungsfähige Ergebnismaschine“, hat die SZ festgestellt. Das ist keine sonderlich schmeichelhafte Beschreibung – doch heiligt der Erfolg nicht (fast) alle Mittel?

Barca und das Erbe der Ajax-Schule

Barcas 4-3-3 ist legendär und das Ergebnis des Exports vor nun schon rund 40 Jahren durch Rinus Michels und Johan Cruyff. Der eine war der Schüler des anderen und gab diese Lehre später weiter an ein Team, dem unter anderem ein gewisser Pep Guardiola angehörte – nun und der ist inzwischen . . . – genau!

Der Sport-Blog des britischen Guardian beschäftigt sich heute logischerweise mit der einen entscheidenden Frage: Wie, zum Teufel, soll man dieses Barca nur bekämpfen, im idealen Fall sogar erfolgreich? Der Statistik-Dienstleister „Opta“, der auch Spiele in deutschen Ligen in eine Hunderschaft von Zahlen zerlegt, hat dies errechnet: Beginnend mit der Saison 2006/07 hat der Ballbesitz von Barca in Champions-League-Spielen von 61,1% über 63,2 auf 65,6 auf 70,6 und in dieser Saison nun sogar 73,3(!) Prozent zugenommen. Das bedeutet für United zweierlei: Permanente Konzentration in der Arbeit gegen den Ball. Und: Die ganz wenigen Balleroberungen wollen obendrein gut genutzt sein.

Welche Taktik wählt Sir Alex?

Im Weiteren diskutiert der Blog also die verschiedenen Taktikvarianten, die wir hier in Bezug auf Hertha so oder so ähnlich auch alle schon mal am Wickel hatten: 4-2-3-1? So haben gegen Barca in dieser Saison immerhin drei gewonnen – aber auch 20 verloren. Was immerhin noch eine bessere Erfolgsaussicht ist als 4-4-2: siebenmal versucht, siebenmal gescheitert. Also 3-3-3-1, wobei die erste Dreierkette weit auseinandergezogen steht, die mittlere stark verdichtet die Räume zustellt und die letzte wieder weit auseinandergezogen steht, oder 4-4-1-1?

Die auf Fußballtaktiken und deren Analyse spezialisierte Website zonalmarking.com beschäftigt sich in ihrer fiebrigen Vorfreude mit zweierlei, zum einen den „Lessons from the 2009 final“ (Teil eins und Teil zwei) sowie einer Vorschau auf die 2011er-Finalversion des Klassikers. In ganz kurzen Worten war United vor zwei Jahren zu Anfang das deutlich bessere Team. Aber dann traf nach 10 Minuten Eto’o zum 1:0 für Barca, und der Rest war solide Ballverwaltung der Spanier. Messis 2:0 (per Kopf!) war schon der Niederschlag für hilflose Engländer.

Und diesmal? Ich bin gespannt! Ihr auch?