@Schuss.Tor.Hinein! fragt: "Fahne pur"? Warum nicht gleich zurück an die Plumpe?

(sto) – Nach Frauen und Jugendlichen geht es im dritten Teil unserer Sommer-Serie „Fans an die Front – ihr seid Immerhertha“ endlich um richtigen Fußball. Und was gehört zu richtigem Fußball? Richtig: eine Fahne. Okay, genug gekalauert. Die Freunde von „Schuss. Tor. Hinein!“, die sich neuerdings auch an einem Blog rund um Hertha BSC versuchen, beschäftigen sich in ihrem Gastbeitrag zum Reizthema „Fahne pur“: Heißt es nun „Hertha BSC“ oder „Hertha BSC Berlin“? Und warum?

Ihr Blog moderieren sie selbst übrigens auf diese sympathische Weise an: „Konzept? Wir dachten, wir bloggen einfach mal drauf los. Ausprobieren ist Trumpf. Ohne Zwang und überhaupt auch nur, wenn wir Lust verspüren. Vielleicht, dass uns die „Alte Dame“ hierzu gute Steilvorlagen liefert? Wir sind selbst gespannt.“ Wir auch.

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(AK) – Meine erste Assoziation als ich „Fahne pur“ hörte, war unzweifelhaft mein Sitznachbar im Olympiastadion. Hackevoll, bereits vor dem Spiel und trotzdem immer noch koordiniert genug, um kurz vor der Halbzeitpause katzengleich zum Sprung an die Nachschubstation anzusetzen. Ein blau-weißer Tiger! Oder, böse formuliert und den Worten einer deutschen HipHop-Band folgend: „Lehrer, Kellner, Gärtner, Bänker, Broker, Richter – sehnen sich nach Druckbetankung durch den Trichter…“ (aus „Arbeit nervt“ von Deichkind). Aber nein, nach eingehender Recherche, musste ich feststellen, verbirgt sich hinter „Fahne pur“ nicht etwa der erhöhte Alkohol-Dunstkreis eines durchschnittlichen Herthafans im Stadion. Sondern eine rührige Faninitiative von Hertha BSC mit dem Ziel der Rückbesinnung auf alte Vereinstraditionen. Wie sie selbst sagen: „Zurück zu den Wurzeln!“

Worum geht es genau?

Vereinfacht gesprochen möchte die Initiative die alte Traditions-Herthafahne als Vereinssymbol zurück haben – und zwar pur und ohne Schnick-Schnack: Oben blau, unten weiß und darin der Schriftzug „Hertha BSC“. Den Ring, den die vom Verein beauftragten Logo-Designer einst im Jahre 2000 um das Fahnensymbol herum konstruierten, findet die Initiative einengend und auch weniger hübsch. Die Fahne würde dadurch unverhältnismäßig verkleinert und in den Hintergrund gedrängt. Außerdem enthielte dieser Ring mit dem Schriftzug „Hertha BSC Berlin“ eine Art tautologische Formel. Die freigestellte Fahne wäre zudem das Alleinstellungsmerkmal schlechthin, weil man sich damit von tausenden kreisrunder Vereinslogos unterscheiden könne.

Berlin und die Tabelle in der Tagesschau

Und wer dabei ganz genau hinschaut, trifft auch eine gute alte Bekannte von Hertha- Mitgliederversammlungen wieder, nämlich die Frage: „Kann der Verein nicht mehr Einfluss auf die Tagesschau nehmen, dass in der Tabelle nicht immer ‚Hertha BSC Berlin’, sondern immer nur der korrekte Name aus der Vereinssatzung ‚Hertha BSC’ angezeigt wird?“

Nun könnte man spöttisch schlussfolgern: Schön, dass es dem Verein so gut geht, wenn es sonst keine Probleme gibt.

Aber so leicht wollen wir es uns hier natürlich nicht machen. Vor allem, wenn eine Anschlussfrage doch nahezu auf der Hand liegt: Ist die Forderung „Fahne pur“ eigentlich konsequent genug? Fehlen da nicht wichtige ergänzende Aspekte wie z.B. „Spieler pur“? Jaaa, künftig alle Fußballer nur noch nackt aufs Spielfeld! Ah nein, dass wollen wir nicht! Auch einer Bibiana Steinhaus gegenüber nicht, von der man wohl annehmen darf, dass sie uns in die erste Liga folgen wird. Gut. Wie wäre es dann mit „Rasen pur“ – oder wie wir in Deutschland eher sagen würden: „Rasen betreten, verboten!“ Das Gute daran, Hertha würde keine Gegentore mehr kassieren. Dumm allerdings, dass wohl nur noch Natur- und Umweltschützer ihre Freude am Stadionbesuch hätten. Hm. Oder vielleicht einfach nur „Fußball pur“? Quasi ein „Schuss. Tor. Hinein!“ als fest zementierte, neue Vereinsleitlinie. Das wäre doch prima!

Bliebe am Schluss nur noch eine Forderung, nämlich die nach „Stadion pur“, was dann, um wieder den Bogen zur Tradition zu spannen, die Rückbesinnung auf das alte Hertha-Stadion „anner Plumpe“ bedeuten würde. Nun ja, warum nicht. Äh, aber warum?

Wie ist eure Meinung?

Liebe Faninitiative, nicht böse sein. Dass ich mit Eurer Forderung nichts anzufangen weiß, dürfte wohl klar rüber gekommen sein. Aber ich bin nur einer. Darum also: Ring frei, Diskussion! Was haltet Ihr von „Fahne pur“? Zurück zu den Wurzeln oder auf zu neuen Ufern? Schadet es dem Verein imagemäßig, wenn er sich und seine Insignien modernisiert? Ist „Fahne pur“ vielleicht ein Generationenproblem? Soll Hertha BSC ein gesamtberliner Verein sein (Stichwort „Hertha BSC Berlin“) oder tendenziell eher wieder die Berliner Nische (Stichwort „Hertha BSC“ only) bedienen? Empfindet Ihr es als schlimmen Bruch, mit einer nicht satzungskonformen Wortmarke „Hertha BSC Berlin“ in die Welt zu kommunizieren? Schreibt Eure Meinung.