@Dan will wissen: Jugend fordern, auf Teufel komm raus - was ist die Alternative?

(sto) – Hello and good evening from Craven Cottage, ladies and gentlemen. Fürwahr, ein fantastisches Stadion! Ab 20 Uhr Ortszeit werden dort Olympique Lyon und Turbine Potsdam um Europas Krone im Frauenfußball streiten – und damit zurück ins blau-weiße Universum.

Im zweiten Teil unserer Sommer-Serie „Fans an die Front – ihr seid Immerhertha“ meldet sich good old @Dan zu Wort – mit seinem Lieblingsthema. Nein, nicht den einzelnen Blöcken im Olympiastadion. Sondern dem Thema Jugend und Hertha. Bühne frei!

Und wenn ihr auch mitmachen wollt: Eine Email an daniel.stolpe(at) morgenpost.de, in der ihr „euer“ Thema kurz vorstellt, genügt. Wir melden uns dann bei euch – und geben in aller Regel grünes Licht!

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(@dan) – Mit Nico Schulz, Marco Djuricin, Sebastian Neumann, Fanol Perdedaj, Alfredo Morales, Marvin Knoll und Pierre-Michel Lasogga hat Hertha BSC im Aufstiegsjahr 2010/11 seit gefühlten Jahrzehnten wieder viele Jugendspieler eingesetzt. Vor allem Eigengewächse.

Jahrzehnte? Schnell vergisst mancher die Saison 2006/07. Ja, es ist erst vier Spielzeiten her, dass sieben 17-19 Jahre alte Spieler wie K evin und Jerome Boateng, Patrick Ebert, Chinedu Ede, Solomon Okoronkwo, Christopher Schorch und Robert Müller immerhin auf zusammen genommen 74 Bundesliga–Spiele kamen. Nimmt man noch den damals 20-jährigen Ashkan Dejagah dazu, sind es sogar fast 100 Spiele.

2007: Goldene Generation flüchtete Hals über Kopf

Hertha, so schien es damals, stand vor einer goldenen Zukunft, wenigstens aber vor einer goldenen Generation. Doch der Hype war schnell vorüber. Aus unterschiedlichen Gründen erfolgte die Trennung von fast allen Talenten, noch ehe die dem Talentestatus entwachsen waren. Immerhin spülten sie ihrem Ausbildungsklub Millionen in die Kassen, die für Favres Neubeginn aber auch dringend notwendig waren.

Jetzt kehrt Hertha in die Bundesliga zurück – und hat eine Menge Talente im Gepäck, die in Liga zwei ihr erstes Profijahr verlebt haben. Wenn die Qualität stimmt, kann man auch in der Bundesliga mit zwei oder drei jungen Stammkräften die Klasse halten. Doch haben die in der Zweiten Liga eingesetzten Spieler schon diese Klasse? Kann Trainer Markus Babbel weiter auf die Jugend setzen?

Oder muss er es sogar? Stichwort: Marktwertsteigerung.

Klassenerhalt vs. Transfererlöse: Hertha im Teufelskreis?

Hertha befindet sich meines Erachtens zurzeit in einem Teufelskreislauf. Wenige Spieler im Kader von Hertha BSC werden in der nahen Zukunft hohe benötigte Transfereinnahmen garantieren. Gleichzeitig muss der Klub den Balanceakt des Klassenerhalts hinbekommen. Könnte man Verkäufe von Raffael und/oder Ramos 2012/2013 kompensieren? Musste Hertha wie einst Dortmund (Beispiel Sahin) aus finanziellen Gründen feste Ablösesummen als Ausstiegsklauseln schlucken? Etwa im Fall Lasogga? Bei Thomas Kraft und dessen Vierjahres-Vertrag, was eine ungewöhnlich lange Dauer ist.

Mit dem Blick auf eine mögliche derartige Zukunft kann und muss sich der Verein fragen, wie er die Themen Jugendarbeit, Jugend-Scouting sowie Einsatzzeiten von jungen Spielern behandelt. Wen haltet Ihr von Herthas jungen Garde für bundesligatauglich und warum? Wem täte eine Ausleihe gut – und wohin? Mal ganz ketzerisch gefragt (jetzt, da sie wieder eine Liga tiefer spielen als Hertha): Knoll zu Union???

Was meint Ihr?

Nicht ausgeschlossen immerhin, dass Hertha zum Zwecke einer finanziellen Gesundung auf Jahre hinaus eine auf zwei Säulen fußende Personalpolitik betreiben muss: Transferschnäppchen mit Wiederverkaufswert. Wie Kraft. Und Jugend. Siehe Tunay Torun. Würdet ihr langfristig eine solche Politik akzeptieren, wenn sie dem Verein hilft – auch wenn es zur Folge hätte, dass es gegebenenfalls auf absehbare Zeit um nicht mehr als die so genannte Goldene Ananas geht?