Friend bewirbt sich für den Platz neben Lasogga, Lell freut sich auf "ehemalige Kollegen"

(sto) – Christian Lell geht es wohl so wie allen hier. Nein, sagte der Abwehrspieler am Donnerstag nach dem Training und lachte dabei, Wehmut verspüre er bestimmt keine beim Abschied von Liga zwei. Schönen Dank auch für die Meisterfelge – aber dann nichts wie ab zurück in die Bundesliga!

Am Tag der letzten öffentlich zugänglichen Trainingseinheit der Saison hatte eine Fangruppierung den Weg hinauf zum Trainingsgelände am Ende der Hanns-Braun-Straße mit einem meterlangen Dankeschön an Pal Dardai verziert („Eine Legende nimmt Abschied. Danke für 14 Jahre Treue“; Foto: sto).

Und in der Pressekonferenz ließ Trainer Markus Babbel auch noch einmal keinen Zweifel daran, „dass Pal seinen verdienten Abschied bekommen wird“. Er sagte es von sich aus – was schade war, denn es versaute mir den Gag zu fragen: „Sagen Sie mal, Herr Babbel, Pal Dardai hat heute wieder nicht mit der Mannschaft trainiert – wird eng für Sonntag.“ Ich wette, Babbel hätte den Spaß mitgemacht. . .

Ohne heute schon zu viel über die Herangehensweise an dieses sicherlich außergewöhnliche Spiel schreiben (und diskutieren; wir brauchen schließlich auch Freitag und Samstag noch Themen) zu wollen – die Personalie Dardai allein beweist, dass es spektakuläre (und zwischendurch für den einen oder anderen sicher auch tränenreiche) 90 Minuten werden könnten.

Gesangskünstler im Olympiastadion

Doch über allen Pathos hinaus wollten sie es doch vor allem „krachen lassen“, sagt Manager Michael Preetz: auf dem Rasen, aber vor allem auch außerhalb. Frank Zander wird mal wieder „Nur nach Hause. . .“ intonieren, aber auch „Culcha Candela“ werden einen Auftritt haben – und dann noch zwei, von denen ich ahne, dass ihr sagen werdet: Sehr, sehr cool. Zum einen wird Herthas italienischer Teammanager Nello di Martino und mit einer Gesangseinlage beglücken – und ich kann euch sagen: Der Mann hätte auch Operntenor werden können! Und in der Halbzeitpause wird Schulle uns von Hertha, Berlin und der Spree vorsingen.

Vor dem Spiel treffen wir alle uns im Preußischen Landwirtshaus – und nachher zur Party auf der Südostwiese, dann mit allen Spielern, die sicher auch die Meisterfelge dabei haben werden.

Vielleicht wird sogar Rob Friend das Objekt der Begierde gen Himmel stemmen. Der Kanadier scheint nach seinem Tor in Aue zumindest teilweise doch noch seinen Frieden mit dieser für ihn „extrem unbefriedigenden Saison“ geschlossen zu haben. Er tröstet sich damit, dass „die schlimmste Zeit“ nun hinter ihm liegen möge und einem miserablen ja wohl kein zweites ähnlich schlechtes Jahr folgen könne. Derart neu motiviert, wirft er sogleich seinen Hut in den Ring für die Besetzung der einen oder zwei Stellen im Angriff.

„Pierre und ich – eine interessante Variante“

Er und der wohl gesetzte Pierre-Michel Lasogga, „das wäre eine interessante Variante“, sagt Friend: „Und das kann auch funktionieren, wir sind zwei unterschiedliche Stürmertypen. Ich bin mehr der Stoßstürmer, und Pierre derjenige, der sich auch mal fallen lässt oder auf die Seiten ausweicht. Ich habe es jedenfalls gern, wenn ich ganz vorn Räume schaffe und hinter mir jemand ist, der diese Lücken auszunutzen versucht.“

Was meint ihr: Ist es der Beginn einer wundervollen Partnerschaft zweier vermeintlicher Rivalen? Oder ist es nur der verzweifelte Wink des baumlangen Kanadiers in Richtung seines Trainers: Huhu, hier bin ich, Chef! Babbel sagte zu dem Thema im Übrigen nur, dass selbstverständlich auch diese eine vorstellbare Variante sei, er aber mal schauen müsse, wer denn alles verfügbar sei. Tendenz: Wir werden das Sturmduo Friend/Lasogga eher auch gegen Augsburg nicht erleben – es sei denn natürlich, das Votum der immerhertha-Gemeinde fällt derart eindeutig aus, dass Babbel sich ihm nicht widersetzen kann. . .

P.S.: Einen habe ich dann noch für euch zum Feierabend, und damit kehren wir zum Anfang und zu Christian Lell zurück. Der leistete sich einen auch von ihm selbst sofort bemerkten Freud’schen Versprecher, indem er auf die Frage eines Journalisten, ob er sich denn schon auf Thomas Kraft freue, antwortete: „Natürlich! Ich werde ihn demnächst mal kontaktieren. Ich freue mich immer, ehemalige Kollegen wieder zu treffen.“ Was denn der Plural in dem Satz zu suchen habe, fragte ich. Da lachte Lell wieder und sagte: „Verdammt, das ist mir auch gerade aufgefallen. . .“

Also, herzlich willkommen Andi Ottl! Der dritte Ex-Bayer im Bunde ist noch nicht fix, aber „schön“ fände es auch Babbel, wenn seine Verpflichtung „noch vor dem Urlaub perfekt gemacht werden könnte“. Ich bin mir sicher, er meinte den am Dienstag beginnenden Fünftages-Trip der Aufsteiger nach Mallorca