UPDATE "Immer Hertha. Gestern. Heute. Morgen." Und Aufstiegsheld Niemeyer liegt im Krankenhaus

(sto) -Haben wir euch schon mal vom Kollegen Simon Pausch erzählt? Das ist jener Sportskamerad, der die vergangenen Wochen und Monate seines Lebens in einer Intensität mit Hertha BSC zugebracht hat, wie er es sich wohl lange nicht hatte träumen lassen. Er war in unserer Redaktion der „man in charge“ für das, was anlässlich der Bundesliga-Rückkehr des Hauptstadt-Klubs Ende Mai erscheinen wird: Ein Buch mit dem, wie ich finde, wunderschönen Titel „Immer Hertha. Gestern. Heute. Morgen.“ Ehrlich: Ich finde es äußerst cool, dass das erste je erscheinende Hertha-Buch der Berliner Morgenpost den Namen unseres Babys hier tragen darf. Es ist damit gewissermaßen unser aller Buch, die wir hier Tag für Tag schreiben, diskutieren und miteinander lachen oder streiten. . .

Am 5. Januar, das Datum wird unser lieber Simon so schnell nicht vergessen, fand die erste Konferenz zu dem Thema statt, das Derby gegen den 1.FC Union war sein erster Außentermin. Seine Aufgabe war es, alle Texte und Themen zu koordinieren – und ganz nebenbei auch den einen oder anderen Text selbst zu verfassen. So wie diesen hier, den er mir dankenswerter Weise zur Verfügung gestellt hat – womit mein Arbeitsaufwand in Sachen Blog sich heute in erfreulichen Grenzen hält

Die Fans in die Provinz begleitet

Ladies and Gentlemen, begrüßen Sie nun mit mir ein großes schreiberisches Talent auf der Hauptstadt-Bühne, clap your hands for Simon Pausch:

„Erst Hertha, dann Sex“. Dieser Satz hat Potenzial, besser gesagt: das Plakat, auf dem er steht. Bei jedem Spiel wehte das Banner mit dieser Botschaft, auf deren Inhalt an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden soll. Egal ob in Paderborn, Fürth, Oberhausen, Aue: Immer flatterte die Fahne durch die Zweitliga-Luft, geschwenkt von Herthas treuen Fans. Wir haben sie in die Provinz begleitet und ihre Geschichten in einem Buch festgehalten: „Immer Hertha. Gestern. Heute. Morgen.“

Kennengelernt haben wir dabei zum Beispiel Günter Melde und seinen Sohn Steven. Der arbeitet in Günters Schmuckhandel in Tegel und muss sich um freie Tage für Stadionbesuche nicht sorgen. „Mein Vater gibt mir Hertha-frei“, sagte er mit einem Grinsen, das jeden Haifisch neidisch machen würde. Was sonst noch alles passiert ist während der Fahrt und warum man zu Recht vom „Abenteuer Auswärtsspiel“ sprechen kann, kann ebenso im Buch nachgelesen werden wie Interviews mit prominenten Anhängern wie Miriam Pielhau oder Frank Zander.

Nicht fehlen dürfen natürlich auch die Gedanken der beiden Hausherren Uwe Bremer und Daniel Stolpe. Das Buch trägt nicht umsonst den Titel ihres Blogs, denn die Herangehensweise ist die gleiche: nah dran sein, Hintergründe liefern, aber immer auch einen Blick für das Absonderliche haben. Nur das Medium ist ein anderes: Statt des schnellsten der Welt ist es eines der ältesten der Welt. Und das „.de“ am Ende fehlt natürlich.

Der Geist der großen Spiele

Im Buch finden die größten Spiele der Vereinsgeschichte noch einmal statt – angereichert mit aktuellen Gesprächen mit Zeitzeugen wie Wolfgang Gayer, der bei Herthas höchstem Bundesliga-Sieg im Jahr 1970 vier Treffer erzielte. „Mein fünftes Tor wurde mir geklaut“, echauffiert sich der gebürtige Mannheimer noch 41 Jahre nach dem 9:1 gegen Borussia Dortmund.

Und wer wusste, dass es zwei Herthaner waren, die die Abseitsfalle erfunden haben? Dass Vereins-Legende Hanne Sobek und Sturmhoffnung Pierre-Michel Lasogga durch eine Ungenauigkeit in ihren Ausweisen auf ewig miteinander verbunden sind? „Immer Hertha. Gestern. Heute. Morgen.“ liefert auf 288 Seiten die Antworten auf diese Fragen und 97 weitere kuriose und verblüffende Fakten, die fortan Grundwissen über den Erstligisten Hertha BSC sein sollten. Den Abschluss markiert ein umfassender Rückblick auf alle 34 Spiele der Aufstiegssaison.

Das Buch kostet 26,90 Euro und kann ab sofort vorbestellt werden. Per Telefon: Tel. 0800/198 2000 (kostenlos aus dem deutschen Festnetz) oder im Internet (http://www.morgenpost.de/herthabuch). Die Versandkosten von 3,90 Euro entfallen für Abonnenten der Berliner Morgenpost.

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Schreck in der Notaufnahme

Wie erst am Mittwochabend bekannt geworden ist, liegt Peter Niemeyer schon seit Samstag in einem Berliner Krankenhaus. An jenem Tag war er wie immer zum Training gefahren; die leichte Rötung und auch die Schwellung seiner linken Gesichtshälfte ignorierte er. Nicht aber die Klubärzte, sie schickten ihn umgehend ins Krankenhaus. Dort ereilte den 27-Jährigen in der Notaufnahme prompt der nächste Schock. „Ich hatte nicht damit gerechnet, dass sie mir dort sagen, dass ich sofort hierbleiben muss. Da bekam ich tatsächlich etwas Angst“, sagte Niemeyer mir am Mittwochabend am Telefon.

Bakterieninfektion, das Immunsystem am Boden – so lautete die Diagnose. Wegen der Entzündung im Gesicht durfte er bis gestern nicht sprechen, aber das machte wenig bis nichts, denn so matt wie er körperlich und auch mental war, stand Niemeyer der Sinn ohnehin nicht nach plaudern. „Ein bisschen viel auf einmal“, sei da wohl für ihn jüngst zusammengekommen, seufzt er: Erst eine nur langsam heilende Risswunde an der Wade, erlitten im Heimspiel Mitte April gegen Osnabrück, dann ein Magen-Darm-Infekt, dann die Bakterien, die sich in seinem Körper ungehindert einnisteten – „alles voneinander logelöste Dinge, aber dann doch auch wieder nicht“, sagt Niemeyer.

Gerne wäre Niemeyer Sonntag im Stadion

Intravenös wird der Patient mit Antibiotika vollgepumpt; ein kleiner Schnitt im Gesicht half, den durch die Entzündung entstandenen Druck zu lindern. „Körperlich bin ich auf dem Weg der Besserung“, sagt Niemeyer, dem eines aber arg zu schaffen macht: „Die Meisterschaft am Liveticker verfolgen zu müssen, war schon grenzwertig. Überhaupt sind jetzt, nachdem wir das ganze Jahr über so hart geackert haben, die Feierwochen, aber ich kann nicht mitmischen. Das ist schon bitter.“

Gern wäre er deshalb Sonntag im Stadion, aber eine Garantie dafür gibt es nicht. Auch auf Mallorca, wohin die Mannschaft am Dienstag kommender Woche zu einem viertägigen Gemeinschaftstrip aufbricht, „will ich gern dabei sein“, sagt Niemeyer, weiß aber auch: „Die Gesundheit steht erst mal im Vordergrund.“