Olympiastadion statt Shopping-Mall: Woher rührt Herthas Zuschauer-Rekord?

(ub) – Ihr Lieben, jetzt müsst Ihr mal helfen. Erklärungen sind gesucht. Hertha BSC hat heute bekannt gegeben, dass das Saisonfinale gegen den FC Augsburg am 15. Mai ausverkauft ist – 75.744 Plätze (74.244 + 1500 auf der Zusatztribüne am Marathontor). Für das vorletzte Heimspiel gegen 1860 München sind bereits 40.000 Tickets abgesetzt. Addiert man diese Zahlen mit den bereits gespielten 15 Heimbegegnungen, ergibt sich folgendes Bild: 649.276 + Augsburg + Löwen = 765.020.

Das ist mal eben ein schlapper Zuschauer-Rekord in der Zweiten Liga. Locker vor der bisherigen Marke des 1. FC Köln (743.971 aus der Saison 2007/08). Will sagen: Herthas Schnitt pro Heimspiel läuft derzeit auf ziemlich exakt 45.000 Besucher hinaus (Köln: 43.763).

Event-Oase Olympiastadion

Bleibt die Frage nach dem Warum? Der blau-weiße Kader 2009/10 hat die Zuschauer im Olympiastadion mit einer Bilanz von einem Sieg, sechs Unentschieden bei zehn Niederlagen gequält. Die bleierne Saison endete folgerichtig mit dem Bundesliga-Abstieg. Die Gegner seither heißen FSV Frankfurt, VfL Osnabrück, FC Ingolstadt, Greuther Fürth, Arminia Bielefeld oder SC Padeborn. Wie erklärt Ihr den phänomenalen Zuspruch der Fans?

O.k., bei diesen Gegner gibt es mehr zu Feiern. Hertha hat die beste Heimbilanz in der Zweiten Liga: 11 Siege, 2 Unentschieden, 2 Niederlagen. Aber es waren ja schon zum Saisonstart, dem spektakulären 3:2 gegen Rot-Weiß Oberhausen, unglaubliche 48.300 Zuschauer im Olympiastadion – im vergangenen August wusste aber noch niemand, wo die Reise hingehen wird.

Haben die Berliner ihre Zuneigung zu Hertha ausgelebt? Ist der Berliner seinem Gespür gefolgt ‚Hier passiert was‘? War es die Aufbruchstimmung, die der neue Trainer, Markus Babbel, erzeugen konnte (Foto: ub/der Trainer nach dem 4:0 gegen Osnabrück) ? Sein Auftritt etwa auf der Mitgliederversammlung im vergangenen Mai, wo er mit seiner Rede die Depri-Stimmung im Verein in eine wohlige Erwartung gewendet hat? Neugier auf eine neue Mannschaft mit jungen Gesichtern?

Vielleicht fallen Euch ganz andere Erklärungen ein, wo der Run aufs Olympiastadion herrührt: Das Gemeinschaftserlebnis Fußball als Rezept gegen Großstadt-Einsamkeit. Familienfreundliche Anstoßzeiten. Ein Nachmittag beim Fußball als Event statt Shoppen in der Mall . . .

Von heute nach vorne geschaut: Was erwartet Ihr für die Bundesliga-Saison? In diesem Spieljahr war die Unterstützung ausschließlich positiv. Dabei hat die Mannschaft nicht nur gezaubert, sondern sich auch mal schwer getan. In der Bundesliga wird Hertha es mit größeren Widerständen zu tun bekommen. Wie wird das geneigte Publikum mit Rückschlägen umgehen?