Reine Nervensache oder Wie managt Hertha den Saison-Endspurt?

(ub) – Hertha ist durch. Eigentlich. Diesen Eindruck vermittelt ein oberflächliches Medien-Studium dieser Tage. „Hertha lacht von oben: Ehrenrunde mit sechs Endspielen“ (Morgenpost). Die BZ schreibt in der Mittwoch-Ausgabe: „76.000 fußballbegeisterte Anhänger wollen Hertha am letzten Spieltag zurück in die Bundesliga brüllen, wollen dabei sein, wenn Trainer Markus Babbel mit seiner Truppe die Aufstiegs-Shirts überstreift und der Schampus in Strömen fließt.“ Der Kurier weiß: „Der Aufstieg funkelt schon.“

Auch bei der zahlungskräftigen Kundschaft ist der Optimismus groß: „Da sind einige sehr euphorisch“, schilderte mir ein Besucher seine Eindrücke aus den VIP-Logen und auf der Ehrentribüne. Auch wenn die Partie am Sonntag gegen Paderborn (2:0) dafür keinen großen Anlaß bot, reicht die Begeisterung für die kommende Bundesliga-Saison hinein bis ins Umfeld des Präsidiums sowie bis zu einigen Präsidiumsvertretern. „Hey, was für ein Lauf, die Hertha steigt wieder auf“, stand auf den T-Shirts zu lesen, mit denen einige Spieler vor den Fans der Ostkurve auf- und abhüpften.

Kühler Kopf vs Euphorie

Wie geht man mit einer Euphorie um? Oder ist das schon ein Widerspruch in sich, weil man Emotionen kaum steuern kann?

Ich sehe deutliche Unterschiede. Das Umfeld beschäftigt sich mit den Zusatztribünen für 1600 zusätzliche Zuschauer, die Hertha für den 34. und letzten Spieltag im Olympiastadion aufstellen läßt. Da fabulieren die VIPs über mögliche und unmögliche Verstärkungen für die erste Liga.

Diejenigen, die es vollbringen sollen, stimmen in diese Tonlage bei weitem nicht ein. So wiederholte Trainer Markus Babbel nach dem 18. Saisonsieg zum 18. Mal sein Mantra: „Ein kleiner, aber wichtiger Schritt auf dem Weg zum großen Ziel.“ Manager Michael Preetz neigt ohnehin nicht zum emotionalen Überschwang. Auch Präsident Werner Gegenbauer weiß: So schön die Siege sind – derzeit fahren alle drei Topteams der Zweiten Liga auf der Überholspur. Hertha, der FC Augsburg und der VfL Bochum.

Schreckgespenst namens Relegation

Die Mannschaft und die Verantwortlichen vermitteln mir den Eindruck: Sie wissen, dass sie Spitzenreiter sind. Aber weiter ist volle Konzentration gefragt. Schon eine klitzekleine Niederlage in Bochum führt dazu, dass der Dritte bis auf einen Punkt an Hertha heranrücken würde. Das gilt aber auch etwa für den FC Augsburg. So eindrucksvoll die Bayern unterwegs sind: Patzen sie in den letzten beiden Auswärtsspielen in Cottbus und/oder Berlin – schon droht die undankbare Relegation. Die hat der FCA erst im Vorjahr gegen den 1. FC Nürnberg verloren. Für die Schwarzseher unter uns: Das Relegations-Hisnspiel wird am Donnerstag, dem 19. Mai, 20.30 Uhr gespielt: 16. Bundesliga-3. Zweite Liga. Das Rückspiel findet am 25. Mai statt.

Bundesliga-Aufstieg (samt Planungssicherheit) oder das Vabanque-Spiel gegen den Drittletzten aus dem Oberhaus – für Hertha ist alles im Bereich des Möglichen. Patrick Ebert hat gesagt: „Wir können uns nur noch selbst im Weg stehen.“ Meint: Wenn Hertha sich auf seine Stärken besinnt, wird es für den Aufstieg reichen.

Wie findet Ihr, gehen Trainer und Manager, aber auch die Vereinsführung mit dem Trubel um? Wie stabil schätzt Ihr die Mannschaft ein – es ist ja nicht gänzlich auszuschließen, dass Hertha bei den ausstehenden sechs Partien auch mal einen Rückschlag verkraften muss ? Welchen Eindruck vermittelt Euch das Team, was die nervliche Belastung angeht?