Wie hoch kann Höhenflieger Lasogga fliegen?

(sto) – Es wird übersichtlich zugehen, wenn Markus Babbel am Dienstag ab 15 Uhr zur Arbeit bittet. Neun Herthaner sind oder gehen noch auf Länderspielreisen. Die Zurückgebliebenen überbrücken die Zeit mit Trainingsarbeit in kleiner Runde – und einem Freundschaftsspiel unter Ausschluss der Öffentlichkeit am Freitag ab 14.30 Uhr im Amateurstadion gegen Drittliga-Primus Eintracht Braunschweig.

Wer für Hertha dann die Tore schießen soll, ist schwer zu sagen. Immerhin fehlt dann mit Adrian Ramos (elf Saisontore; mit Kolumbien auf Europatournee) und Pierre-Michel Lasogga (neun; mit der U21 gegen Niederlande und Italien) der komplette erste Sturm. Und auch aus der Reihe dahinter sind mit Rob Friend (Kanada) und Marco Djuricin (U20 Österreich) zwei Stürmer auf Reisen, mit Nikita Rukavytsya (Australien) fehlt bis dahin voraussichtlich noch ein weiterer gelernter Angreifer.

Leverkusen hat ein Talent verschenkt

Während all die Genannten eine mehr oder minder lange Historie in den Nationalteams ihres jeweiligen Heimatlandes vorzuweisen haben, ist die Reise zur U21 für Lasogga eine Premiere. Tore geschossen hat der 19-Jährige in jeder Altersklasse, doch jetzt ereilte ihn zum ersten Mal der Ruf des DFB. Es ist der vorläufige Höhepunkt einer Entwicklung, die so nicht wirklich vorherzusehen war. Zur Erinnerung: Ablösefrei wechselte Lasogga im Sommer vergangenen Jahres von Bayer Leverkusen zu Hertha BSC, und das obwohl sein Vertrag beim Werksklub noch ein Jahr Gültigkeit hatte. Im Gegenzug sicherte sich Bayer eine Rückkaufoption, die jedoch frühestens im Sommer 2012 greift und auch nur, wenn Lasogga zurück an den Rhein will. Und wir sprechen hier von Bayer Leverkusen, jenem Klub, der die gefühlt drei Dutzend seiner Talente lieber einmal zu viel als zu wenig ausleiht, nur um ja keines Potenzials verlustig zu gehen.

Für Leverkusener Verhältnisse also wurde Lasogga verschenkt, und man mag darüber spekulieren, ob der Werksklub Lasogga einen solchen Durchbruch wie nun geschehen schlicht nicht zugetraut hat. Doch wie gesagt: Wer, bitteschön, hat Lasogga diese Entwicklung schon zugetraut? Noch im Sommer im Lauftrainingslager quälte sich der der A-Jugend entsprungene Jungprofi Lasogga bei 35 Grad in der Gruppe „Ronny“. Auch jetzt noch vergeht kaum ein Trainingstag, an dem Lasogga nicht an Defiziten arbeiten würde. Längst ist die harte Arbeit belohnt worden; neun Tore stehen auf dem Konto des 19-Jährigen in seiner ersten Saison als Profi.

Eure Meinung ist gefragt

Was meint ihr: Welche Rolle kann und wird Lasogga mittel- und langfristig spielen? Hat Hertha mit ihm einen Stürmer, dem die Bundesliga bedenkenlos zuzutrauen ist? Oder ist ein über den Erwartungen gespieltes Zweitliga-Jahr noch keine ausreichende Bemessungsgrundlage? Und international: Stößt Lasogga mit seiner erstmaligen Berufung in die höchste U-Nationalmannschaft des Landes in dieser Hinsicht an seine Grenzen, oder ist auch hier der Himmel das Limit und ein Anruf von Bundestrainer Jogi Löw nur noch eine Frage der Zeit? Immerhin sagt U21-Trainer Rainer Adrion von Lasogga: „Er ist ein Stürmertyp, wie es ihn selten gibt.“ Weil Lasogga humorlos abschließt und für ihn der pure Torerfolg wichtiger ist als jede Verkünsteltheit auf dem Weg dorthin.

Und noch eine Frage treibt mich bei der Personalie Lasogga um: Weil er zu Saisonbeginn verletzt war, saß beim Ligaauftakt gegen Oberhausen ein gewisser Marco Djuricin auf der Bank, dessen Dienste alsbald auch gefragt waren. Weil Lasogga nun aber schon einige Zeit lang in der Konstanz seiner Leistungen keine Luft an seinen Status als Stammspieler ranlässt, ist ein Djuricin derzeit ebenso dauerhaft außen vor, wie auch ein vormaliger Stammspieler und „Königstransfer“ wie Rob Friend.

Was wird aus Djuricin?

Sind das, auf Djuricin bezogen, die ganz normalen Härten des Profigeschäftes? Muss der Österreicher sich nun einfach hinten anstellen und auf seine Chance warten? Oder sind die Verhältnisse einfach kurzfristig auf den Kopf gestellt, denn ein exzellenter Kenner der bundesweiten Nachwuchsszene sagte uns gegenüber einmal: Langfristig traue er Djuricin viel mehr zu als Lasogga. Einfach, weil der Österreicher so wahnsinnig explosiv und schnell ist, und keineswegs mit einem schlechteren Torriecher ausgestattet als Lasogga. Was meint ihr?