Grundsätzliche Gedanken zum Status quo von Hertha BSC, part II

(sto) – Als unser fleißiger Mit-Blogger @fg am Mittwochabend diese bange Frage zu den Perspektiven im Aufstiegsrennen an mich formulierte, da konnte er nicht ahnen, wie viel Grundsätzliches anderntags in der Pressekonferenz stecken würde. Denn die begann mitnichten wie sonst üblich mit ein paar inhaltslosen Aussagen über die zu erwartende Aufstellung oder ein paar netten Floskeln zum kommenden Spiel und dem kommenden Gegner.

Es waren stattdessen erst Mediendirektor Peter Bohmbach und anschließend auch Manager Michael Preetz, die anhoben zu einer Schelte der Berliner Medien für deren Berichterstattung in den Tagen nach dem 2:2 gegen Cottbus. Preetz sprach von „Kampagnen gegen einzelne Spieler“, im konkreten Fall gegen Maikel Aerts, und dass Hertha und er solche „nicht zulassen“ würden.

Überragend – oder abgestiegen

Der bekennende Nicht-Zeitungsleser Babbel schwieg zu diesem Themenkomplex (obwohl er stets auffallend gut unterrichtet ist, welcher Journalist gerade gut und welcher böse ist), aber lenkte den Monolog der Protagonisten stattdessen auf sein Lieblingsthema: das Internet und die Anonymität, die es euch Jungs und Mädels da draußen unstrittig bietet. „Ich bin nicht bei Facebook“, sagte Babbel, und in Zeiten von Felix Magaths diesbezüglicher Charme-Offensive ist das ja schon eine Erwähnung wert. „Ich habe einen Computer, aber den benutze ich sehr selten“, und so wüsste er erst recht nicht, wie Volkes Meinung in den diversen Foren oder hier bei uns gerade sei. Doch gibt es ja „eh nur zweierlei: Alles ist überragend – oder wir sind abgestiegen.“ In der Anonymität des Internets lasse sich „ja problemlos so richtig losledern“, ätzte Babbel, der außerdem feststellte, dass von diesen markigen Sprüchen „nichts mehr komme, wenn ich dann mal jemand begegne“.

Ich schreibe das hier, weil mich – ehe ich dann noch auf @fg’s Frage antworten werde, versprochen! – natürlich eure Meinung zu diesen harschen Worten der Protagonisten interessiert: Wie ist eure Wahrnehmung der Berichterstattung der diversen Zeitungen in den vergangenen Tagen – zu hart? Oder angemessen? Und ist Babbel gut beraten, solche Aussagen in Richtung der Fans wie die obigen in aller Öffentlichkeit und bei einem offiziellen Termin zu tätigen?

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Der Umgangston in unserem Blog ist und bleibt einwandfrei, das Niveau der Diskussion hoch. Aber wie auch einigen von euch zuletzt aufgefallen ist: Es kann einfach nicht sein, dass der Trainer Babbel von einigen hier pausenlos als unfähig etc. hingestellt wird; dass ein Leistungsträger wie Peter Niemeyer nach einem schwachen Spiel in Frage gestellt wird und nur noch ein Kandidat für die Reservebank sein soll. Ich bin weder der Pressesprecher des einen, noch des anderen. Doch es gilt nun einmal, was Babbel noch mit diesem einen Satz aussprach: „Wir sind nichtsdestotrotz“, und mit dieser Einschränkung ist die zweite schwache Leistung in einem Derby gemeint, nichtsdestotrotz also „immer noch Tabellenführer“. Noch, „noch“, mögen die Unken unken. Aber im Moment ist die Mission auf Kurs.

Ich bleibe dabei: 20-6-8

Und damit bin ich bei @fg und seiner Frage, von der ich regelrecht vor mir sehe, wie er sie mit sorgenvoller Miene in seine Tastatur gehämmert haben muss. 20-6-8 – das sind nicht meine ersten drei Festlegungen für die Lottozahlen vom Freitag und ist auch nicht mein Wunsch-Mittelfeld für Samstag (Ebert-Janker-Dardai), sondern meine an früherer Stelle in diesem Blog kundgetane Prognose für Herthas Saisonergebnis. Um es deutlich zu sage: Ja, ich bin und bleibe weiter optimistisch. Lasst mich erklären…

Zur Winterpause hatte die Mannschaft meine Prognose mit 10-3-4 punktgenau zur Hälfte erfüllt. Jetzt sind sechs Spiele der Rückrunde absolviert (4-1-1) und gegenüber den ersten sechs Partien der Hinrunde (5-1-0) fehlen zwar drei Punkte. Muss uns das beunruhigen? Jein.

Aachen: Wegweiser, kein Wahrsager

Ich finde, Herthas Start in die Rückrunde war ordentlich, andererseits hat es zuletzt (Union, Cotte) ein stückweit geknirscht. Aus der Perspektive betrachtet, wird Aachen am Samstag ein sehr interessantes Spiel: Ist die Alemannia wie im Hinspiel (0:0) wieder nicht zu knacken? Oder liefert die Mannschaft abermals eine überzeugende Antwort – zuzutrauen ist es ihr, auch ohne Raffael, so der denn ausfallen sollte (dazu Babbel: „Ich gehe vom Negativergebnis aus, damit ich mich umso mehr freuen kann, wenn er dann doch spielen kann“).

Nun wird so oder so auch das Spiel in Aachen nicht zum ultimativen Wahrsager darüber, wie Herthas Saison enden wird. Was mich an den Aufstieg glauben lässt: Von den beiden Derbys einmal abgesehen, hat Hertha in dieser Saison zu Hause nur ein wirklich schlechtes Spiel abgeliefert: gegen Duisburg. Ich traue Hertha bei den noch ausstehenden Hausaufgaben gegen Frankfurt, Paderborn, Osnabrück, 1860 und zum Schluss Augsburg durchaus volle 15 Punkte zu, meinetwegen auch nur 13. Bei derzeit 46 Punkten würde das zu 59 bis 61 Punkten reichen.

Und die dann zu meiner Prognose noch fehlenden fünf Zähler sollten auswärts (in erster Linie drei in Ingolstadt) bei aller Liebe zum düsteren Denken auch noch drin sein.