Schwarzer Tag für Aerts beim 2:2 gegen Cottbus

(st0) – 2:2 im Berlin-Brandenburg-Derby – und jetzt? Hat Hertha BSC gegen Cottbus im Gefrierschrank Olympiastadion einen Punkt gewonnen? Oder zwei Punkte verloren? Mich lässt das Ergebnis ebenso ratlos zurück wie die Leistung der Heim-Mannschaft, die zum x-ten Mal in dieser Saison nach einem Gegentor völlig den Faden verloren hat. Ich kann das nicht verstehen – aber stehe mit dieser Haltung zum Glück nicht allein. Bevor ich mich in Rage rede… – die Einzelkritik.

Maikel Aerts: Es war ein Spiel zum Vergessen für den Niederländer. Diesen Anfangssatz übernehme ich aus dem KSC-Spiel – und noch viel mehr als vor einer Woche besitzt er heute Gültigkeit. Beim 1:1 machte er wenigstens einen unglücklichen Eindruck, das 1:2 ging auf seine Kappe, denn der Fünfmeterraum ist nun mal das Revier des Torwarts. Und schon den zur vorangegangenen Ecke führenden Ball hatte er zwar prima pariert, ihn aber zuvor auch völlig willenlos in die Füße von Jula gespielt. Über beide Gegentore hinaus viele unglückliche Szenen (mit jener in der 70. als Höhepunkt, als er Shao den Ball fast vor die Füße rollte), aber kaum eine gelungene Parade. Note 5

Christian Lell: Spielte wie immer mit, aber ragte wie immer nicht heraus – nicht einmal an diesem schlechten Abend des Kollektivs. Seine beste, weil einzig gelungene Offensivaktion – eine resolute Balleroberung gegen Ziebig – entwertete er, indem er den Ball in die Füße des erstbesten Verteidigers spielte. Er war es auch, der Aerts erst in jene Bredouille brachte, die dem 1:2 vorausging – weil er einen irrlichternden Ball erst völlig falsch einschätzte und dann panisch wurde. Note 5

Roman Hubnik: Der Tscheche hatte bei seiner Rückkehr in die Startelf eine Aktie am 1:1, aber erzielte auch das so wichtige 2:2, sein zweites Saisontor (und wieder in einem Derby!). Dazu mit ein bisschen Licht hier und Schatten da – ergibt in Summe Note 4

Andre Mijatovic: Der Kapitän bot an sich eine wohltuend strukturierte Leistung, verlor jedoch auch das Kopfballduell gegen Jula, dem das 1:2 folgte. Note 4

Levan Kobiashvili: Der Linksverteidiger gefiel mir einmal mehr besser als rechts Lell. Ja, Kobiashvili ist langsam. Aber er spielt noch immer mit mehr Ruhe – und er rettete im konkreten Fall, als Shao das Aerts-Geschenk in Minute 70 nicht selbst annehmen, sondern noch einmal querlegen wollte. Allein dafür: Note 4

Peter Niemeyer: Dass der Cottbusser Druck mit fortschreitender Spieldauer immer mehr zunahm, lag sicher auch daran, dass das zentrale Mittelfeld keine entsprechende Gegenwehr leistete – und damit auch der sonst so starke Niemeyer. Erst die Hereinnahme von Lustenberger sorgte für zusätzliche Stabilität. In der Schlussminute setzte Niemeyer noch eine nicht mal so schlechte Schussgelegenheit hoch über das Cottbusser Tor. Note 5

Raffael: Dass der Brasilianer nicht in jedem Spiel eine so tolle Leistung wie in Karlsruhe abrufen kann, ist selbstverständlich. Aber nach noch ordentlichem Beginn tauchte er mehr und mehr ab – dabei wären gerade seine Impulse wichtig gewesen, um für Entlastung zu sorgen. So blieb nur die eher zufällige Freistoß-Vorlage zum 2:2 – auch (oder: erst recht?) dann, als er nach Lustenbergers Einwechslung weiter nach vorn rückte. Note 4

Nikita Rukavytsya: War physisch anwesend, das kann ich bestätigen. Aber wer immer dem Ukraino-Australier eine ausreichende Leistung (oder sogar noch besser) attestieren will, der war entweder bei einem anderen Spiel – oder er möge mir Eindrücke liefern, die meinen Eindruck korrigieren. Schwach, ganz schwach. Note 5

Ronny: Hatte seinen genialen Moment, als er Lasoggas Handzeichen folgend jenen sensationellen 35-Meter-Ball spielte, der zum 1:0 führte. Oder um Energie-Trainer Wollitz zu zitieren: „Timing, Druck, Gefühl – da stimmte einfach alles. Riesenkompliment diesem Mann.“ Mehr kam an diesem Abend vom Brasilianer indes nicht. Note 4

Adrian Ramos: Das Bemühen war dem Kolumbianer ja nicht abzusprechen. Aber er hatte wohl eines jener Spiele erwischt, in denen du als Fußballer was-auch-immer tun kannst – es wird zuverlässig die falsche Entscheidung gewesen sein. Irgendwann tat Ramos dann aber gar nichts mehr – und auch das war nicht gut. Note: 5

Pierre-Michel Lasogga: Der 19-Jährige erzielte auf unnachahmliche Weise sein siebtes Saisontor – und wurde in der Folge das Opfer der Plan- und Hilflosigkeit der Kollegen hinter ihm. Wo kein Ball, da keine Wirkung – so einfach ist das. Vorzuwerfen ist Lasogga das nicht. Note 4

Patrick Ebert: Der 23-Jährige kam feierte nach Kreuzbandriss sein Olympiastadion-Comeback. Nach 59 Minuten löste er Rukavytsya ab, zeigte zwar Einsatzwillen, aber hatte nicht eine gelungene Aktion. Note 5

Fabian Lustenberger: Der Schweizer sorgte nach seiner Einwechslung (71., für Ronny) spät, aber nicht zu spät für mehr defensive Stabilität. Mit ihm spielte Hertha statt 4-4-2 nun im 4-2-3-1 – was im Spiel nach vorne indes keinerlei Wirkung zeitigte.

Rob Friend: Der Kanadier durfte die letzten sieben Minuten mal wieder mitmachen, haute sich kräftig rein, aber bekam nicht auch mal wirklich einen Ball vor die Füße.

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Erklärung:

1 = sehr gut, 2 = gut, 3 = befriedigend, 4 = ausreichend, 5 = mangelhaft, 6 = ungenügend

Bewertet wird, wer mindestens 30 Minuten gespielt hat.

Eure Meinung ist gefragt

Die sonst nach Spielen übliche Three-Stars-Wahl verkneife ich mir heute aus gegebenem Anlass – und verweise stattdessen auf meine obigen Eingangsfragen. Außerdem interessiert mich weiter eure Meinung zu Aerts – und der Frage: Was nun, Herr Babbel? In der Pressekonferenz hat er Aerts ein weiteres Stück angezählt („Maikel hat nicht sicher gewirkt“), ihn aber auch ein stückweit aus der Schusslinie genommen: „Wir haben ihn mit zu vielen Rückpässen zum Teil auch unnötig in die Bredouille gebracht. Es fehlte das Gespür bei seinen Vorderleuten, ihm zu helfen.“ Also, wechseln oder nicht? „Das ist eine Phase, durch die Maikel nun durch muss – und aus der er gestärkt wieder herauskommen kann. Er hat schon etliche Gegentore verhindert, da war er für uns da. Jetzt sind wir für ihn da.“

Was meint ihr: Richtig oder falsch diese Worte? Was sonst kann, was muss der Trainer tun, um seinen Herren Profis endlich einmal deren Verunsicherung nach Gegentoren auszutreiben?