Babbel, Wollitz, Guardiola, Hitzfeld, Röber, Wenger - wir basteln uns einen prima Hauptstadt-Trainer

(ub) – Markus Babbel gegen Claus-Dieter Wollitz – viel unterschiedlicher können zwei Menschen den gleichen Beruf wahrscheinlich nicht interpretieren. Am Montag stehen sie sich im Olympiastadion gegenüber, der Cheftrainer von Hertha BSC und der vom FC Energie. Hier in diesem Blog ist Babbel für sein Coaching während des Derbys, genauer gesagt die Abwesenheit des Coachings, heftig gerügt worden. Wollitz ist einer, der im Gegenteil unterwegs ist: Ob er Wasserflaschen durch die Gegend tritt, Brüllattacken startet – Rumpelstillzchen hätte nix auszusetzen.

Der Kollege Martin Kleinemas hat für die Sonntagsausgabe der Berliner Morgenpost Wollitz in Cottbus besucht. Und konzentrierte 75 Minuten mit dem Energie-Trainer gesprochen. Es ging auch um einen Aufreger der Hinrunde. Da hatte Wollitz Richtung Berlin gepöbelt: Mit der Mannschaft Tabellenerster zu sein, sei kein Kunststück. Aber wenn er Trainer wäre, hätte Hertha mehr Tore geschossen.

Babbel. Wollitz. Trainer. In Berlin – da kann man ins Nachdenken kommen. Oder getreu der Devise des längst im Ruhestand befindlichen Jean Pütz vom WDR sagen: Wir basteln uns einen prima Hauptstadt-Trainer.

Wer nicht in Berlin auftreten kann, scheidet ohnehin aus. Ciao an die Herren Stevens, Büskens . . .

Wie sieht der ideale Hertha-Trainer aus?

So viel Kredit bei den Fans im Olympiastadion wie Jürgen Röber in seiner guten Zeit? So viel taktisches und technisches Verständnis wie Lucien Favre? Dessen Bundesliga-Rückkehr gegen Schalke wird sich der Kollege Stolpe übrigens morgen vor Ort in Mönchengladbach anschauen. Gut gefallen hat mir die Beschreibung eine TV-Reporters gestern zur Partie vom VfL Bochum: „Friedhelm Funkel ist der Mourinho der Zweite Liga.“ Ich hätte gern diverse Mourinho-Anteile in Berlin. Aber nach den acht bleiernen Monaten von Funkel bei Hertha wüsste ich nix, was man Hertha von diesem Trainer wünschen soll. Von Babbel vielleicht die Mannschaftsführung, die er ordentlich unter Zug hält? Und sein bayrisches Selbstbewusstsein „Platz da: Wo wir sind, ist der Erfolg.“ Von Ottmar Hitzfeld die Fähigkeit trotz haufenweise Egos im Team als Mensch integer zu bleiben und deshalb den allseits akzeptierten Vormann abzugeben? Die Coolness von Barca-Trainer Pep Guardiola? Von Arsene Wenger dessen Vorstellungsgabe vom schönen Fußball? . . .

Wer und wessen Fähigkeiten fallen Euch noch dazu ein?

Der Trainer als Projektionsfläche

Oder sind wir alle etwas überkandidelt? Vielleicht hat Hertha mit Markus Babbel genau den Trainer, den es in dieser Aufstiegssaison braucht. Einen mit vielen Stärken. Einen, der Aufbruchstimmung verbreitet hat, als Hertha die am meisten benötigt hat (im vergangenen Mai). Einen, der diesen Sack Flöhe, gern auch die Mannschaft genannt, zusammenhält, Hertha ist Spitzenreiter. Und, klar, Babbel hat auch Schwächen. Weil er ein Mensch ist. Wie die Wenger, Hitzfeld, Röber . . .

Vielleicht gibt es gar keinen idealen Hauptstadt-Trainer? Nur eine Sehnsucht der Fans, die niemand je stillen wird?