Patrick Ebert, oder: Mit leisen Tönen zu großen Taten?

(sto) – Ein bisschen Dehnen und Sprinten, dann ein für so manchen Beobachter durchaus verwirrender Kick aufs halbe Feld von drei Teams auf ebenso viele Tore – nach einer guten Stunde hatten die Profis von Hertha BSC den Beginn der Trainingswoche auch schon wieder hinter sich.

Es war eine durchaus intensive Einheit. Eine mit viel Gelächter, aber auch so manchem Verbalduell (Lasogga gegen das gesamte Team Rot mit Torwart Maikel Aerts) und mancher Grätsche. Fünf Tage sind es vom heutigen Mittwoch an zwar noch bis Montagabend kommender Woche. Doch die Vorfreude und auch eine gewisse Anspannung bei Spielern und Trainer auf das Kräftemessen mit Energie Cottbus ist schon jetzt zu spüren. „Es treffen die Mannschaften mit den meisten Toren aufeinander“, weiß Markus Babbel.

Zweiundvierzig zu zweiundvierzig Tore

Je 42-mal haben Hertha und Cottbus im bisherigen Saisonverlauf eingenetzt, also im Schnitt fast zwei Mal pro Partie. Genau wie in der eigenen Mannschaft, erkennt Babbel auch im nächsten Gegner „kein Team, das sich hinten reinstellt“. Im Heimspiel, so hofft er, müsste das Hertha entgegenkommen.

Für Patrick Ebert ist der Name des Gegners zweitrangig. Doch nur deshalb, weil er eh „in jedes Spiel mit 100 Prozent Leidenschaft“ gehe. Erstaunlich aufgeräumt präsentierte er sich heute mir und dem Kollegen Stefan Herrmanns vom Tagesspiegel gegenüber, als wir nach Ende der Einheit mit ihm sprachen. Ich: „Na, Patrick, lebt der schöne Einstand in Karlsruhe noch nach?“ Er: „Ne, das ist abgehakt.“ Wieder ich: „Wieso das denn?“ Er: „Weil es nur ein Spiel war, nur ein Kurzeinsatz. Aber ich will diese Leistung über mehrere Spiele bestätigen.“ Bei allem, was man von Ebert mitunter liest – wenn ich mich dann und wann mit ihm unterhalte und er gar nicht mal so dumme Dinge von sich gibt, bin ich doch voller Hoffnung, dass aus dem Jungen noch was wird. . .

Für den Moment übt Ebert Druck aus auf Nikita Rukavytsya. Das ist jener Mann, der vor dem Hinspiel beim Blick auf den in der Kabine aushängenden Termin- und Aufgabenplan in der Spalte „Wochentag“ verrutscht und dann mit 45 Minuten später in eine für alle Kollegen klar erkennbar terminierte Mannschaftssitzung geplatzt war. Mit dem Ergebnis, dass Babbel ihn damals völlig berechtigt für das anstehende Spiel suspendierte. Wenn ihm ein ähnliches Malheur nicht ein zweites Mal unterläuft, wird Rukavytsya nun mit Verspätung den Gegner Cottbus kennen lernen dürfen. Er verspricht im Vorfeld, er wolle wie immer „so gut spielen wie es geht – aber diesmal besonders gut“.

Babbel: „…dann reiße ich Maikel den Kopf ab!“

Der Kampf um die Position rechts im Mittelfeld ist jedenfalls offiziell eröffnet. Nicht der Fall ist das im Tor, wo Maikel Aerts weiter gesetzt bleibt. Doch „da brauchen wir nicht zu diskutieren“, sagte Babbel heute auch: Der Freistoß zum 2:4 aus Karlsruher Sicht „war ein Torwartfehler“. Er, der Trainer, gehe aber davon aus, dass dies ein Einzelfall bleibe. Sonst? „Sonst reiße ich ihm den Kopf ab!“ Sprach’s, lachte und wünschte noch einen schönen Nachmittag.