Die Sonne soll scheinen über Ramos und Co.!

(sto) – Ich gestehe, es fällt mir schwer, heute über Hertha BSC zu schreiben. Lucien Favre ist neuer Trainer von Borussia Mönchengladbach. Ich, der kein glühender Sympathisant der „Fohlen“ bin, aber doch eher Zuneigung zu dem Traditionsklub verspüre, freue mich sehr, dass Favre dort eine neue Anstellung gefunden hat. Ihr hattet uns, Kollege Bremer und mich, in den vergangenen Wochen viel nach den Perspektiven jenes Mannes gefragt, der Berlin im Frühjahr 2009 den Traum von der Meisterschaft beschert hatte. Und ich konnte nicht antworten, weil ich nichts von dem gefährden wollte, was sich im Hintergrund anbahnte. Mönchengladbach und, ja, auch Wolfsburg – nach eineinhalb Jahren der Arbeitslosigkeit eröffneten sich Favre plötzlich gleich zwei kurzfristige Job-Alternativen.

Der Fußballkonzern Wolfsburg hätte es werden können, der Traditionsklub Mönchengladbach ist es geworden. Was so auch Sinn macht. Ich habe hier ausführlich beschrieben, auf welche Weise die Verbindung von Favre zur Borussia schon sehr lange besteht. Mich interessiert im Gegenzug, was ihr mittel- bis langfristig von Favre in Gladbach erwartet – das im vorangegangenen Blog schon andiskutierte Thema würde ich damit sehr gerne hierher verlagern und inhaltlich nach vorn drehen: Schafft Favre das Wunder? Trifft er kommende Saison auf seinen Ex-Klub? Oder kreuzen sich beider Klubs Wege? Vom schlimmsten Fall gar nicht zu sprechen. . .

Raffael als Lokomotive

Denn ihr wisst: An ein weiteres Jahr Zweite Liga glaube ich nicht, weil ich den grässlichen Gedanken daran schlichtweg ablehne. Und nicht erst das Schützenfest von Karlsruhe bereitet mir Hoffnung, dass die Dinge sich zu einem guten Ende fügen werden. Raffael lernt in einem unglaublichen Tempo, dass er der Manndeckung eines „Zehners“ nur entkommen kann, indem er die Bereitschaft zur Zweikampfführung eines modernen „Sechsers“ erlangt. Drei Tore hat er aus dieser Position heraus gegen den KSC erzielt und damit wohl vollends bewiesen, auf welche Weise er für den Zweitligisten Hertha BSC am wertvollsten ist. Ich betone: Zweitligist! Wie es sich nach einem Aufstieg verhält, finden wir dann heraus.

Doch im Augenblick ist Raffael nicht nur Torschütze vom Dienst, sondern noch auf weitere Weise die Lokomotive seiner Elf. „Er muss sich bewusst sein, dass seine Mitspieler auf ihn hoffen und zu ihm aufschauen“, sagt Markus Babbel, der Trainer, der in Karlsruhe erst zu seinem Glück einer Systemumstellung gezwungen werden musste. Dort hatte er – wir haben das ausführlich besprochen – Raffael zunächst im offensiven Mittelfeld aufgestellt. Doch nach Sebastian Neumanns Ausscheiden, das in drückende Überlegenheit des KSC hineinfiel, „da wusste ich, dass ich nicht in der Innenverteidigung, sondern im Mittelfeld was machen musste“, sagte Babbel nach dem Auslaufen der Mannschaft am Montagmorgen. Und so zog er Niemeyer und Raffael je eine Position nach hinten und belebte das Offensivspiel mit Ronny, der genau wie Ramos an Bruder Raffaels Seite rasch Fahrt aufnahm.

Zieh‘ dich warm an, Zoltan Stieber!

Raffael, Ramos, Ronny – drei technisch so unverschämt hoch begnadete Fußballer, dass es eine Schande ist, dass sie ihre Kunst in Liga zwei zur Schau stellen müssen. Immerhin aber verleihen sie ihrem Talent nun endlich auch den Zahlen nach Ausdruck. In einer Liga, deren Scorerwertung der Sportkamerad Zoltan Stieber mit fünf Toren und 14 Vorlagen anführen darf, belegt Ramos (acht plus neun) nun schon gemeinsam mit dem Cottbusser Petersen Rang zwei. Und Raffael (acht plus fünf) liegt auf Rang sieben in Lauerstellung.

Ihr ahnt nun meine Frage an euch: Wie weiter? Werden Herthas Südamerikaner nun, da die Temperaturen zu steigen beginnen, ihren Vormarsch im Ranking der Zweitliga-Ballermänner fortsetzen und gar noch steigern können? Vielleicht mit dem „weißen Brasilianer“ Ebert an ihrer Seite? Okay, ich sehe schon: Es ist spät, ich sollte dringend nach Hause gehen!

P.S.: Denkt dran: Es ist Valentinstag!