Der nächste Rückschlag für Lustenberger: Ein Infekt legt den Schweizer lahm

(sto) – So langsam muss man sich wohl Sorgen machen um das Gemüt von Fabian Lustenberger. Kollege Bremer hatte schon so wunderbar bildhaft beschrieben, wie der Schweizer beim Test gegen Babelsberg im Schatten eines Baumes traurig am Spielfeldrand stand, als er mitansehen musste, wie die Kollegen sich da für den Rückrundenstart einspielten. Entsprechend verpasste der fußballerisch so wertvolle, aber körperlich so wenig belastbare Mittelfeldspieler den Auftakt in Oberhausen – aber schien nun, nach Peter Niemeyers Ausfall, mehr denn je unverzichtbar. Doch wenn Hertha BSC am Sonntag zur Mittagszeit Fortuna Düsseldorf im Olympiastadion zum ersten Heimspiel im Kalenderjahr 2011 zu Gast hat, wird dieser Lustenberger erneut nur zusehen können. Nicht die Muskulatur streikt diesmal, sondern ganz profan: die Gesundheit. Ein Infekt, so ist zu hören, hat Lustenberger befallen. Weder konnte er am Samstag das Abschlusstraining bestreiten, noch wird er gegen Düsseldorf dem Kader angehören.

Wie weit ist Fanol Perdedaj?

Und jetzt?

Niemeyer verletzt, Lustenberger krank – die Personallage im defensiven Mittelfeld bereitet Bauchschmerzen, und ich bin einigermaßen froh, dass ich nicht Markus Babbel bin, der Trainer, der nun zu entscheiden hat, wie er diese so sensible Position im modernen Fußball taktisch und dann auch personell zu besetzen gedenkt.

Fakt ist: Fanol Perdedaj werden sie bei Hertha spätestens jetzt in Watte packen. Doch was meint ihr: Ist der 19-Jährige mit der Erfahrung aus 468 Profiminuten (alle in der Zweiten Liga) schon soweit, dass Babbel ihm die alleinige Verantwortung im defensiven Mittelfeld anvertrauen sollte? Alternativ: Wer sollte neben Perdedaj abräumen – ein klassischer Sechser wie Knoll oder Morales? Oder ist Raffael die ideale Besetzung, jetzt eben mit einem noch stärker auf die Defensive gerichteten Blick als bei seinen bisherigen Einsätzen in diesem zentralen Bereich des Spielfeldes? Ich gestehe ja, dass ich mehr und mehr ein Fan eines zurückgezogenen Raffael werde; einfach, weil mir gefällt, wie er sich zum Teil tief in der eigenen Hälfte die Bälle erobert und sie dann mit bemerkenswertem Eifer nach vorne schleppt. Ist Raffael dann eben nicht mehr so oft in den Abschluss involviert – na und, dafür hat Hertha andere. Und mal unter uns: So ganz beeindruckend war Raffaels Ausbeute – gemessen an seinen immensen Möglichkeiten – bis jetzt auch in Liga zwei nicht.

Pal Dardai – hat Babbel hier richtig gehandelt?

Eine zweite Frage, die sich zwangsläufig stellt: Hat Babbel zu früh reagiert, indem er Pal Dardai kurz vor dem Jahreswechsel zu den Amateuren versetzt hat? Immerhin ist ja immer mit dem Ausfall von zwei Leistungsträgern gleichzeitig zu rechnen. Oder war und bleibt die Entscheidung richtig, den Generationswechsel auf Pals Position jetzt, in Liga zwei, einzuleiten. Erst recht, da mit Knoll und Morales zwei nachweislich qualifizierte Nachwuchskräfte zur Verfügung stehen?

P.S.: Sehr viel mehr als Lustenbergers Ausfall war vom 18er-Kader für das Spiel gegen Düsseldorf vorerst nicht in Erfahrung zu bringen. Offen bleibt damit zunächst, ob Patrick Ebert und/oder Daniel Beichler diesmal den Sprung in den Kader geschafft haben. Doch wer Babbel kennt, der weiß, dass ihm zuallerletzt gefallen hat, wie Ebert sich in den vergangenen Tagen verbal geriert hat. So etwas hat der Trainer – getreu seinem Motto „erst Leistung, dann Ansprüche“ – in der Vergangenheit nicht eben inflationär mit einem Platz im Kader belohnt. Frag‘ nach bei – so ein Zufall! – Beichler.