Friend und Lasogga Schulter an Schulter

(ub) – 16 Jahre im Lande haben Spuren hinterlassen. „Deutschland ist meine zweite Heimat“, erzählt Stanislav Levy (52). Der ehemalige Tennis-Borusse und Blau-Weiße schlendert über das Trainingsgelände von Hertha BSC und beobachtet die Profis. „Ganz schön intensiver Konkurrenzkampf“, urteilt er nach wenigen Minuten, in denen die Spieler Zehn-gegen-Zehn auf vier kleine Tore spielen.

Er schaut, wie Fabian Lustenberger ein Aufbautraining absolviert. Die Zeit bis zum nächsten Spiel am Sonntag gegen Düsseldorf wird eng für den Schweizer. (Fotos: ub) Was Levy noch auffällt: „Den langen Kanadier, den muntern alle auf. Der wird für jede Aktion gelobt.“ Levy ist nicht entgangen, dass Rob Friend viel Unterstützung erfährt. Der 1,95-m-Stürmer muss sich bis auf weiteres gedulden. „Ich trainiere und biete mich an. Als Stürmer hast du immer Höhen und Tiefen“, erzählt Friend nach Trainingsende. Er hat trotz der Kälte, am Ende gab es Schneegrieseln, eine knappe halben Stunde an die Einheit drangehängt. Zusammen mit Lasogga wurden Torschüsse geübt. Von links flankte Fanol Perdedaj, von rechts Patrick Ebert. Sascha Burchert im Tor bekam einiges zu tun.

Bei aller Rivalität: Das Verhältnis der Konkurrenten Friend und Lasogga ist viel besser, als man erwarten darf. Ganz am Ende, als die anderen alle weg waren, spielt sich das Duo weite Bälle über 40, 50 Meter zu und übt die Annahme. Und gibt beim Verlassen des Platzes Schulter an Schulter Autogramme für die wartenden Fans. „Für mich ist die Situation nicht schön“, sagt Friend, „aber Pierre macht das einfach gut. Er macht Tore. Das hilft der Mannschaft. Und das ist es, was zählt.“

Levy bleibt bis zum Ende da. Er hat aus seiner Heimat zwei 17-Jährige von Slavia Prag mitgebracht, die einige Tage bei Rene Tretschok in der A-Jugend trainiert haben. Schüchtern stehen sie am Rand: „Hertha ist ein großer Verein. Die Bedingungen hier, das Trainingsgelände und die Leute: alles top.“

In Tschechien ist Levy permanent präsent. Wochenende für Wochenende ist er als Experte auf dem Bildschirm. Eurosport 2 überträgt regelmäßig die Bundesliga sowie Topspiele der Zweiten Liga. Am Montag hat er Oberhausen-Hertha kommentiert. Levy schaut ein wenig wehmütig.

Der einstige Verteidiger war nach der aktiven Karriere Trainer bei TeBe, bei Hannover 96 und dem 1. FC Saarbrücken. In seiner Heimat dann bei Victoria Pilsen und den FC Zlin. Aktuell ist er ohne Job. Levy schüttelt den Kopf. Nach 16 Jahren im hiesigen Profifußball war er 2005 in seine Heimat zurückgekehrt. „Es war ein Fehler damals aus Deutschland wegzugehen. Fußball ist hier viel größer und professioneller als in Tschechien.“

Levy kennt nicht nur die Zweite Liga aus eigener Anschauung. Er hat dort zwischen 1988 und 1995 insgesamt 145 Spiele absolviert. Auch den Schenckendorff-Platz ist ihm noch aus Vor-Wende-Zeiten vertraut. Damals stand das Gelände unter Hoheit der britischen Armee: „Wir haben mit Blau-Weiß hier trainiert. Da sind während des Trainings auf dem Nachbarplatz englische Hubschrauber gelandet.“

Und wie schätzt er die aktuelle Saison ein? Levy antwortet sofort: „Hertha wird aufsteigen.“

Zur Clickshow: Ihr seht die Mannschaft bei den Spielen. Ihr lest, was in den Medien geschrieben wird, diskutiert im Internet. Manche von Euch, wie heute @catro69, schauen beim Training vorbei. Wie beurteilt Ihr den Teamgeist beim aktuellen Kader ein?