Ein teurer Sieg: Peter Niemeyer fehlt Hertha zehn bis 14 Tage

(sto) – Sein schlechtes Gefühl hat Peter Niemeyer nicht getrogen – und doch kam alles letztlich nicht ganz so schlimm wie anfangs befürchtet. Bei dem für Hertha BSC beinahe unverzichtbaren Mittelfeldspieler diagnostizierte Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher am Dienstagmittag einen Muskelfaserriss im rechten, hinteren Oberschenkel. Damit fällt Niemeyer zehn bis 14 Tage aus, verpasst also sicher das Heimspiel am Sonntag gegen Düsseldorf und muss zumindest bangen um seine Verfügbarkeit für das folgende Auswärtsspiel bei Schlusslicht Arminia Bielefeld.

Noch in Oberhausen hatte Niemeyer nur weg gewollt. Weg aus dem Stadion, weg von all den Leuten, die wissen wollten, welche Art von Verletzung er sich denn zugezogen habe. Zu Vertrauten hatte er gesagt, er fürchte einen Muskelriss. „Wie der berühmte Stich mit dem Messer“ habe es sich in dem Moment angefühlt, als das Gewebe Schaden nahm.

Wer füllt die Lücke?

Was meint ihr: Auf welche Weise ist Niemeyers Ausfall zu kompensieren? Immerhin konnte zuletzt auch Fabian Lustenberger kaum trainieren. Schon rufen die ersten nach einer Rückkehr von Pal Dardai zu den Profis – ich halte das für äußerst unwahrscheinlich! Haltet ihr den 19 Jahre alten Fanol Perdedaj schon für so weit, dass er das defensive Mittelfeld allein verwalten kann? Wer käme andernfalls neben ihm für die Doppelsechs in Frage: Knoll, Morales? Muss jetzt erst recht ein erfahrener Spieler wie Raffael nach hinten rücken?

Wo Niemeyer vorerst sicher fehlt, muss Markus Babbel auch um Christian Lell bangen. Er laboriert an einer Oberschenkelverhärtung, „wir hoffen auf seinen Einsatz am Sonntag“, sagt Schleicher.

So war das 3:1 von Oberhausen ein recht teuer erkämpfter Sieg. Nichtsdestotrotz war die Atmosphäre äußerst locker, als die Mannschaft heute Vormittag von Düsseldorf zurück nach Tegel geflogen ist. Sascha Burchert erklärte Pierre-Michel Lasogga im Wartebereich vor Abfluggate B77 die neuesten Kniffe im Umgang mit den Produkten aus dem Hause mit dem Apfel-Logo. Maikel Aerts freute sich, dass sein Knie die Belastung von 90 Minuten unter Wettkampfbedingungen abermals gut verkraftet hatte. Doch wo er nichts anderes als das erwartet hatte, freute er sich noch mehr über „drei Punkte in der Tasche“. Auch Lell sagte: „Noch 16 Spiele… – ich rechne, dass wir noch neun davon gewinnen müssen, dazu ein paar Unentschieden, dann sollte das sicher für den Aufstieg reichen.“ Ich finde, es spricht enorm für Lells Fußballsachverstand, dass er mit 66 Punkten kalkuliert…

Die Südamerika-Fraktion um Kaka, Raffael, seinen Bruder Ronny und Dolmetscher Alcir Pareira vertrieb sich die Zeit mit Kartenspielen, während Adrian Ramos daneben saß und über die für Fußballer inzwischen scheinbar unverzichtbaren XXL-Kopfhörer Musik hörte. Raffael behauptete, er hätte das Kartenspiel gewonnen: „Natürlich, was sonst?!“ Derweil bat Co-Trainer Rainer Widmeyer am Gate die Fraktion der Jungen – Nico Schulz, Marco Djuricin und später auch Alfredo Morales – zu einem kleinen Fachgespräch.

Papa Preetz macht Mittagessen

Und Michael Preetz? Der Manager kam seinen Pflichten als junger Vater nach. Stolz nahm er von seiner Lebensgefährtin den Babykorb mit dem kleinen Emil. „Besser als drei Punkte“, rief ich ihm im Vorbeigehen zu. „Zusammen ergibt beides das perfekte Paket“, antwortete Preetz lachend. Mein Bild des Tages war anschließend, wie Preetz an Bord des Airbis A-320 mit Fläschchen und Co. bewaffnet in die kleine Küche im vorderen Teil der Maschine stapfte und seinem drei Monate alten Stammhalter das Mittagessen zubereitete.

Und wem das alles nun nicht ausreichend sportlich angehaucht war: In Tegel angekommen, fuhr die Mannschaft direkt zum Auslaufen auf dem Schenckendorff-Platz. Mittwoch ist trainingsfrei, Donnerstag freuen die Spieler und wir Beobachter uns ab 10 Uhr (und noch einmal um 14.30 Uhr) auf regen Publikumsbesuch.