Christoph Janker, oder: Ein Halbjahr voller Horror

(sto) – Sage niemand, eure Blogväter
würden nicht auch die hinterletzten Winkel des blau-weißen
Universums ausleuchten. Und so habe ich am Flughafen von Faro
getan, was ich an sich schon die ganze Woche über in Portugal hatte
tun wollen – und mit Christoph Janker gesprochen. Da saß er nun mit
seinem iPad, Kopfhörer in den Ohren und einen Film auf dem Schirm.
Ich setzte mich zu meinem bayerischen Landsmann, und erst sagte er,
dass er der BZ doch schon alles zu seiner Person
Relevante gesagt habe
. Nein, entgegnete ich, seine
letztlich dramatisch verlaufene Oberschenkelverletzung sei nicht
alles, was ich rund um den Mann mit der Rückennummer „6“ für
relevant halte. Denn eine Janker-Geschichte hatte ich mir schon vor
der Abreise ins Trainingslager auf meine To-do-Liste gesetzt;
tatsächlich wollte ich eine solche schon vor Weihnachten einmal
schreiben, aber aus irgendwelchen aktuellen Gründen war es dazu nie
gekommen. Meine Fragen drehten sich darum, wie es einem denn so
geht, wenn er immer nur irgendwie dabei ist, aber nie einmal auch
wirklich mittendrin. Sieben Minuten hat Janker in dieser Saison nur
gespielt, am dritten Spieltag in der Schlussphase gegen Bielefeld.
Danach überdehnte er sich das Syndesmoseband, und kaum war er davon
genesen und wieder im Aufbautraining, da geschah jener Tritt, der
im schlimmsten Falle durchaus zur Amputation seines rechten Beines
hätte führen können. „Diesen Gedanken hatte ich“, sagte Janker nun,
und es sagt einiges aus über unsere (Medien-)Welt, dass diese
Gedanken für eine breite Öffentlichkeit verborgen blieben. Was,
habe ich mich gefragt, hätten wir alle wohl veranstaltet, wenn
dasselbe einem promeinenteren Spieler widerfahren wäre?

Mittwoch Rückkehr ins Mannschaftstraining

Nun
liegt diese, wie Janker selbst sagt, „schwerste Zeit“ seiner
Karriere hinter ihm. Noch keine vier Wochen ist es her, da konnte
er kaum Treppen steigen, aber heute, Dienstag, hat er am für die
Kollegen freien Tag zum letzten Mal individuell trainieren müssen.
Ab Mittwoch darf er wieder im Kreise der Mitspieler üben und sich
wie jeder andere auch auf den Rückrundenstart in Oberhausen
vorbereiten. Dass dieses Spiel für Janker noch zu früh kommt,
versteht sich von selbst; das weiß er auch. Aber er sagt genauso:
„Wenn ich fit bin, will ich wie jeder andere auch spielen.“ Nun
steht dieser Janker, den sie mannschaftsintern nur „Django“ rufen,
weil er als lustiger Kerl gilt, gemeinhin aber auch für jene
finstere Phase der jüngeren Hertha-Vergangenheit, an die hier mit
nur einem Wort erinnert sei: FuFu. Jener Friedhelm Funkel war
irgendwann im Rahmen seines irrlichternden Wirkens auf die
einzigartige Idee gekommen, den gelernten Abwehrspieler Janker im
defensiven Mittelfeld einzusetzen. Was der als Betroffener davon
hält, lest ihr in der Mittwochs-Ausgabe der Berliner Morgenpost.

Eure Meinung ist gefragt

Doch was denkt ihr,
welchen Wert hat ein gesunder Janker, dessen Vertrag noch bis 2012
läuft, für Hertha? Wäre er bei völliger Fitness ein Kandidat für
die gerade in den kommenden Wochen gegebene Vakanz in der
Innenverteidigung gewesen? Oder ist sein Name aus der Vergangenheit
derart verbrannt, dass er bei Hertha kein Bein mehr auf die Erde
kriegen wird? Oder, im Gegenteil, soll man die Vergangenheit ruhen
lassen und Janker unter dem neuen Trainer Markus Babbel neu
beurteilen? P.S.: Sportkamerad
@rasiberlin hat sich wie versprochen an den Rechner gesetzt und
entworfen, was ein echter Verkaufsschlager im noch zu erstellenden
Fanartikelkatalog von „Immer Hertha“ werden könnte. Doch seht
selbst. . .