Hertha und die Schiedsrichter - zwei Welten begegnen sich

(sto) – Na, hat die Überschrift euch neugierig gemacht? Ich wusste es! Dabei ist so viel gar nicht passiert – nur saß ich heute, Montag, trotzdem ab 11 Uhr schon wieder im Medienraum von Hertha BSC. Dabei hat die Mannschaft nach dem Trainingslager an der Algarve doch zwei Tage frei bekommen. Und auch sonst hatte der Klub nichts Neues zu vermelden. Der Anlass war stattdessen ein vom Verband der Sportjournalisten (VDS) organsiertes Seminar, bei dem Journalisten Einblick erhielten in die Gedanken- und Arbeitswelt der Schiedsrichter. Und umgekehrt. Zu Gast waren der Berliner Fifa-Schiedsrichter Manuel Gräfe und Ex-Referee Lutz Fröhlich (Foto: sto), der heute von der Frankfurter DFB-Zentrale aus das Schiedsrichterwesen mit koordiniert. Der Termin fand deswegen in Herthas Medienraum statt, „weil Sie nicht wissen möchten, was wir, wie es ursprünglich geplant war, im Olympiastadion an Miete hätten bezahlen müssen“, erklärte VDS-Präsident Erich Laaser, dessen Name euch von TV-Übertragungen bei SAT1 geläufig sein könnte. Wie zu hören war, wollte das Olympiastadion 4000 Euro haben.

Anhand von 32 strittigen Szenen aus der Hinrunde der laufenden Saison in den beiden höchsten Ligen wurden Fallbeispiele aufgezeigt und erklärt, weshalb der Schiedsrichter so oder so entschieden und ob er damit richtig gelegen hatte. Um es vorwegzunehmen: In Insgesamt 36 Fällen lasten sich die Schiedsrichter nach der ersten Saisonhälfte klare Fehlurteile ihrer Zunft an. Ob das nun viel oder wenig ist, möge jeder für sich selbst beurteilen. . .

Hertha kam bei den 32 Szenen genau einmal vor: In Form des gegen Aue gewährten Elfmeters, der – ach was – eindeutig berechtigt war.

Erfreulich offen geführte Diskussion

Interessanter noch als die Videosequenzen an sich war die offene Diskussion mit Gräfe und Fröhlich. Erst nach gut vier Stunden waren alle Szene gezeigt und alls Fragen gestellt und beantwortet – zwei Stunden mehr als ursprünglich vorgesehen. Aus Sportreportersicht sage ich: Solche Termine sollten idealerweise noch häufiger als nur einmal pro Jahr stattfinden. Eine Quintessenz unserer Befindlichkeiten, die wir den Schiedsrichtern mitteilten, war: Teilt euch mit! Verschanzt euch nicht hinter verschlossenen Türen! Natürlich ist es für den Schiedsrichter meist eher negativer Natur, wenn TV- oder Printjournalisten nach einem Spiel um ein Statement bitten. Aber macht es die Lage nicht noch viel schlimmer, wenn der Referee beharrlich schweigt? Die Botschaft war: Die wie auch immer geartete Stellungnahme wird Medien und auch immerhin helfen, die Sicht des Spielleiters besser nachvollziehen zu können. Alles andere wirkt feige.

Mal sehen, welche Früchte dieser Dialog noch trägt.

Von unserem blau-weißen Lieblingsverein gibt es derweil wenig Neues zu berichten. Markus Babbel flog noch am Sonntagabend direkt vom Zwischenstopp in Palma de Mallorca weiter nach München – was ich nach einer Woche wie dieser und mit Blick auf das erste Rückrundenspiel am kommenden Montag auch absolut in Ordnung finde. Mannschaft und Trainer haben in Portugal viel und hart gearbeitet, da sollen alle jetzt auch noch mal zwei Tage den Kopf frei bekommen dürfen, ehe es ab Mittwoch an den Feinschliff geht.

Alfredo Morales, oder: Wo ist mein Ticket?

Die Rückreise an sich verlief weitgehend ereignislos. Wir waren mit 20 Minuten Verspätung in Faro gestartet, was das Zeitfenster in Palma recht klein machte. Nichts wurde es mit dem Plan von Maikel Aerts, auf Mallorca einen kleinen Happen zu sich zu nehmen. Stattdessen ging es vom einen Flieger rein in den Bus, zum Terminal – und direkt weiter zum nächsten Gate. In diesen 25 Minuten bis zum Start der Anschlussmaschine nach Tegel musste aber noch das Gepäck von insgesamt aus Faro ankommenden 66 Passagieren verladen werden, darunter allein 1,3 Tonnen(!) an Material von Hertha BSC. Was einer logistischen Meisterleistung gleichkommt, gelang dem Bodenpersonal in Palma.

Für den mannschaftsintern größten Aufreger hatte Alfredo Morales gesorgt, der seine Einsteigekarte für den Flug nach Palma nicht mehr finden konnte. Während er die Spitzbuben Knoll und Neumann im Verdacht hatte, wähnte ich schon einen Jungprofi auf dem Absprung – hätte ja sein können, dass er schon einen Vorvertrag bei Portimonense SC unterschrieben hatte… Letztlich war es Peter Niemeyer, der Morales‘ Bordkarte gefunden hatte und sie dem aufgebrachten Jungen mit einem Lächeln in die Hand drückte.