Tag drei: Friend schweigt, Lasogga spricht

(sto) – Er brauche noch etwas Bedenkzeit, sagt Rob Friend. Ob er wirklich sprechen, ein Interview geben möchte in der Zeit des Trainingslagers in Portugal – er wisse es noch nicht, sagt der Kanadier. Wie zu hören ist, habe er sich mächtig geärgert über die Geschichte in der heutigen BZ, in der ihm und Pierre-Michel Lasogga Eiszeit im Kampf um den Platz im Angriff nachgesagt wird – doch lest am besten selbst.

Ich habe heute (Dienstag) nach dem Mittagessen der Mannschaft mit Lasogga gesprochen. Ich könnte mir vorstellen, dass der Junge ziemlich polarisiert: 19, tätowiert, einigermaßen große Klappe – das kann man, so wie Markus Babbel, nun mögen. Man kann aber auch sagen: Gemach, junger Mann, erst dauerhaft Leistung zeigen, dann lachend auf vielen Fotos posieren.

Der Eindruck von Lasogga kann leicht täuschen. Denn tatsächlich ist der 19-Jährige schon bemerkenswert abgeklärt und auch bodenständig. Sie könnten jedenfalls auch intern nicht erkennen, dass Lasogga ob seiner Leistungen (elf Einsätze, davon vier über 90 Minuten) und Tore (drei) in der ersten Hälfte seiner ersten Saison als Profi durchdrehe, sagen Babbel und Manager Michael Preetz unisono. Diesen Eindruck würde ich nach meinem heutigen Gespräch bestätigen – nachzulesen in der morgigen Ausgabe der Morgenpost.

Alles Wesentliche und auch, was ich dort (trotz nicht gerade wenig Platz) nicht mehr untergebracht habe, lest ihr hier. Lasogga über…

seinen steilen Aufstieg: „Damit hätte ich nicht zu 100 Prozent gerechnet. Mein Ziel war es, von Anfang an zu spielen. Der Weg dorthin war weit. Aber harte Arbeit wird belohnt. Und ich habe hart gearbeitet.“

die Umstellung auf den Profibereich: „Ich hatte zwar auch in Leverkusen ab und zu mit den Profis trainiert, aber bei den Amateuren oder hauptsächlich sogar in der A-Jugend gespielt. Bundesliga, auch die zweite, ist eine ganz andere Kategorie. Dafür fehlte mir anfangs die Fitness. Ich habe mich in der A-Jugend immer fit gefühlt, aber Zweite Liga ist ein ganz anderes Tempo, erst recht über 90 Minuten.“

seine Ziele: „Nahziel ist es, so viel wie möglich zu spielen. Mittelfristig möchte ich am Ende der Saison mit Hertha in die Bundesliga aufsteigen. Natürlich hat man immer auch noch weiter entfernte Ziele, aber davor liegen die Momentaufnahmen. Der Rest kommt danach. Anders zu denken wäre Quatsch.“

seine Vorliebe für den englischen Fußball: „In der Premier League wird körperbetont, aber immer angriffslustig gespielt. Das kommt meinem Spielstil sehr nahe.“

seine Rolle bei Hertha: „Mein A-Jugend-Trainer in Leverkusen sagte: ‚Die vergangene Saison wird für einige Zeit die letzte gewesen sein, in der du Führungsspieler warst.‘ Aber wir sind bei Hertha eine enorm junge Mannschaft, da muss jeder anpacken, ob 19 oder 34. Deshalb ist es gut, wenn auch die Jungen mal was sagen – wenn sie sich das vorher auf dem Platz erarbeitet haben.“

den Hype um seine Person: „Es ist ein schönes Gefühl, wenn es so gut läuft. Aber es ist auch nur eine Momentaufnahme, die ich im Stillen genieße. Ich habe jetzt ein Zwischenziel erreicht, aber da geht noch mehr. Hoffentlich.“

den Konkurrenzkampf mit Friend: „Ja, wir sind Konkurrenten. Klar, jeder von uns möchte spielen. Aber wir gehen echt professionell miteinander um, verstehen uns auch auf dem Platz sehr gut. Vor Spielen wünscht der, der nicht spielt, dem anderen viel Erfolg. Da gibt es keine Zickigkeiten. Wir haben eine gute Basis. Da brauchen wir auch kein Gespräch oder so. Wir haben uns nie nicht verstanden.“

Was meint ihr?

Wie wirkt Lasogga auf euch? Verändern diese Aussagen euer bestehendes Bild von ihm womöglich?

Der Tag an sich

Am Nachmittag, als ich schreibbedingt wieder nicht beim Training zuschauen konnte, hatte Babbel „einen Mix auf Kraft und Fußball“ auf den Plan gesetzt. Die Vormittagseinheit dauerte vergleichsweise kurze 80 Minuten – und endete mit dem Spruch des Tages: „Wir sind schon so gut, wir brauchen nicht länger zu trainieren“, rief der Trainer mir da auf meine entsprechende Nachfrage hin zu. Tatsächlich verhielt es sich so, dass Babbel die Spieler schon morgens um 7.30 Uhr zu einem kleinen Lauf gebeten hatte – nicht etwa, weil einige im Weihnachtsurlaub wieder zu großen Appetit gehabt haben. „Einfach zum Munterwerden.“

Während Levan Kobiashvili nach einem Tag Pause immerhin schon wieder lief, liegt nun Adrian Ramos mit einem Infekt flach. Maikel Aerts steigerte die Intensität seines Torwarttrainings gegenüber dem Vortag wieder ein Stück und liegt, was die Belastung seines geschädigten Knies angeht, nach Aussage von Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher „voll im Plan“. Heute konnte er es nach den speziellen Übungsinhalten der Torhüter gar nicht abwarten, beim Trainingsspielchen fünf gegen fünf zwischen den Pfosten zu stehen. Bezwungen wurde er dabei unter anderem durch einen wuchtig ins obere linke Eck getretenen Elfmeter von Patrick Ebert.

Für den lautesten Jubel sorgte derweil Kaka, der den Ball mit der von ihm nun wirklich selten erlebten Artistik eines Brasilianers hinter dem Standbein ins Tor beförderte. Ob es nur an den – Achtung, ihr müsst jetzt ganz tapfer sein! – 19 Grad und Sonnenschein lag, dass Kaka so gut drauf war?