Tag zwei: Maikel Aerts fliegt wieder - beschwerdefrei!

(sto) – Vom Hotelgebäude an sich müssen die Spieler von Hertha BSC durch eine kleine Unterführung laufen, dann liegt linker Hand schon der Trainingsplatz. Markus Babbel gefällt es. „So verlieren wir keine Zeit“, sagt der Trainer. „Außerdem sind wir allein hier in Portugal, können uns ganz in Ruhe auf die zweite Saisonhälfte vorbereiten.“

Heute, Montag, fanden nun die beiden ersten echten Trainingseinheiten der Mannschaft an der Algarveküste im Süden Portugals statt. Aus Zeitgründen konnte ich nur vormittags zuschauen (irgendwann müssen die Texte ja auch geschrieben werden“, doch was ich gesehen habe, hat mir gut gefallen.

Die wohl wichtigste Botschaft des Tages: Maikel Aerts fliegt wieder. Zum ersten Mal seit 30. Oktober stand Herthas Torhüter Nummer eins wieder mit den Kollegen auf dem Trainingsplatz. Und es ging ihm gut dabei, sagte er nach gut einer Stunde Arbeit mit Sascha Burchert, Marco Sejna und Torwarttrainer Christian Fiedler: „Ich konnte alles mitmachen, hatte keine Angst, und das Knie hat auch nicht weh getan.“

Fiedler befand es sogar für vorteilhaft, dass der Platz sich nach dem Regen der Nacht zuvor noch recht tief und somit schwer bespielbar präsentierte: „Auch das wird dazu beitragen zu sehen, ob das Knie eine Reaktion zeigt oder nicht.“ Schließlich soll, nein, muss spätestens nach Ende des Trainingslagers Klarheit darüber herrschen, ob Hertha noch einmal einen Torhüter verpflichten muss – dies in dem Fall, dass die etatmäßige Nummer eins sich doch einer ihre Saison beendenden Kreuzband-Operation unterziehen muss.

Friend trifft im elf gegen elf

Im Trainingsspielchen elf gegen elf formierte Babbel die Teams so: Team ohne Leibchen: Burchert – Lell, Lustenberger, Neumann, Schulz – Niemeyer – Rukavytsya, Raffael, Ronny – Ramos, Friend. Wobei Ramos sich bei Ballbesitz des Gegners genau wie Raffael um je eine Position zurückfallen ließ. Dieser Gegner in gelben Leibchen spielte so: Sejna – Kaka, Hubnik, Mijatovic, Knoll – Perdedaj – Ebert, Beichler, Domovchiyski, Djuricin – Lasogga.

Als einziger der 26 mitgereisten Profis war Levan Kobiashvili wegen einer Erkältung im Hotel geblieben. Als überzählige Profis absolvierten Alfredo Morales (mit Fitnesstrainer Henrik Kuchno) und Maikel Aerts (mit Fiedler) individuelles Training. Und Christoph Janker, der nach einer Oberschenkel-OP überhaupt nicht für Mannschaftstraining vorgesehen ist, übte (mit Physio Rainer Mörz) immerhin auch auf dem Platz.

Das Spiel endete mit einem 1:0-Sieg des A-Teams. Für den Treffer sorgte Rob Friend, der den Ball nach einem Steilpass von Raffael über den herausgeeilten Sejna hinweg ins Netz hob. Proteste der Gelben, „Abseits!“, riefen sie, Mijatovic legte sich den Ball sogar schon zum Freistoß zurecht. Aber: „Kein Abseits“, entschied Co-Trainer und „Linienrichter“ Rainer Widmeyer.

Profiverträge für Morales und Knoll

Eine weitere wichtige Botschaft hielt nach dem Mittagessen der Mannschaft Manager Michael Preetz bereit: Die laufende Verträge mit Alfredo Morales und Marvin Knoll sind in bis Juni 2013 gültige Lizenzspielervereinbarungen umgewandelt worden – zu entsprechend verbesserten finanziellen Konditionen. „Die Frage bei jungen Spielern ist immer: Wie ist der Weg nach oben? Bei den beiden hat sich gezeigt, dass der Weg über die U23 richtig war“, sagte Preetz.

Dagegen haben zwei andere der inzwischen vielen Talente aus dem eigenen Nachwuchs keine bis kaum eine Perspektive bei Hertha. „Bei Lennart Hartmann sieht es danach aus, dass die Wege sich im Sommer trennen werden“, sagte Preetz, der das auf das Überangebot auf Hartmanns Position im defensiven Mittelfeld zurückführt, wo neben Niemeyer und Lustenberger längst auch Spieler wie Perdedaj und nun auch Morales und Knoll die Nase vorn haben.

Bei Sascha Bigalke ist die Tür immerhin noch nicht ganz zu. „Bei ihm sollte der gleiche Fahrplan gelten wie bei Shervin Radjabali-Fardi“, sagte Preetz; also: Vertrag verlängern bei gleichzeitiger Ausleihe an einen anderen Klub. Der Fußbruch durchkreuzte diesen Plan; frühestens Mitte des Monats wird Bigalke wieder mit der Mannschaft trainieren können, frühestens Ende Januar ist an Einsätze zu denken. Dann aber schließt das Transferfenster bis Saisonende, wenn Bigalkes Vertrag ohnehin ausläuft. Ohne Interessent für eine Ausleihe aber wird Bigalke bei Hertha keinen neuen Vertrag erhalten. Oh, grausames Profigeschäft!

Eure Meinung ist gefragt

Was ist für euch die Nachricht des Tages: Dass Aerts (vorerst) beschwerdefrei ist? Dass Friend hoffen darf, seinen Torriecher wieder gefunden zu haben? Oder dass Preetz mit Morales und Knoll zwei weitere Stücken Zukunft an Hertha gebunden hat?

Und ehe ich euch damit in die Klickshow plus natürlich die tägliche Diskussion entlasse, möchte ich euch nicht vorenthalten, wie es aussieht, wenn Hertha-Reporter ihrer Arbeit nachgehen: Das Bild zeigt Tagesspiegel-Kollege Sven Goldmann mit Rukavytsya (hinten) und Michael Jahn von der Berliner Zeitung im Gespräch mit Kapitän Andre Mijatovic, das alles auf der Anlage des Teamhotels nahe Portimao. Eure Morgenpost erfreut euch derweil morgen mit einem großen Text über Ronny