Zugang Dilrosun: Zwischen Straßenfußball und E-Sport

Die gute Nachricht ist ja die: Selbst, wenn sich Zugang Javairo Dilrosun nicht bei Herthas Profis durchsetzen sollte, kann er für die Berliner noch immer zum Gewinn werden. „Ich spiele gern Playstation“, sagte der 19 Jahre alte Niederländer: „Ich glaube, niemand kann mich bei Fifa schlagen. Niemand (lacht). Ich glaube auch nicht, dass mich die E-Sportler von Hertha besiegen können.“

Torunarighas Berater sorgt für Wirbel

Also, klasse Verstärkung für die neue Abteilung. Spaß beiseite. Natürlich soll der Flügelspieler die echten Fußballer verstärken. Trainer Pal Dardai kam auf der Pressekonferenz am heutigen Donnerstag regelrechts ins Schwärmen, als er über Dilrosuns Dribbelkünste sprach (s. Video unten). Jene kommen nicht von ungefähr. In Amsterdam habe er viel Straßenfußball gespielt, sagt der Flügelspieler, „dort habe ich quasi meine Technik gelernt“.

PK Hannover

Weniger gut als die Verpflichtung Dilrosuns kam bei Herthas Verantwortlichen die Beschwerde von Jordan Torunarighas Berater an. Der hatte den Weg über den Boulevard gewählt, um für seinen Schützling mehr Spielzeit zu fordern. Wie der Manager darauf reagiert, seht ihr im Video ab Minute 4:00. Das zentrale Zitat will ich euch aber nicht vorenthalten:

Preetz: „Ich habe noch keinen Spieler gesehen, der sich über die Medien in die Startelf gequatscht hat.“

Dorthin gelangt man auf anderen Wegen. Durch Qualität. Durch die richtige Einstellung. Durch Beharrlichkeit. Und durch individuelle Stärken. Die von Fabian Lustenberger scheinen gegen Hannover gefragt. Er brauche einen „kopfballstarken Sechser“, sagte Dardai, die Tendenz gehe zum Schweizer.

Unruhe in Hannover

Und Gegner Hannover so? Gibt sich alle Mühe, endlich wieder Ruhe einkehren zu lassen. Ihr habt es mitbekommen: Die ganze Saison schon verweigern die 96-Fans den Support, weil sie gegen die (Anti-)50+1-Politik von Präsident Martin Kind demonstrieren. So ist es übrigens auch für Sonnabend angekündigt.

Und als herrsche dadurch nicht schon genug Unfrieden, bandelt Manager Horst Heldt ständig mit neuen Arbeitgebern an. Nachdem es ihn zunächst Richtung Heimat nach Köln zog, flirtete der Ex-Profi nun ausgerechnet mit den ungeliebten Wolfsburgern. Vorerst habe man sich nicht einigen können, also bleibt Heldt.

Ob man auch in Zukunft zusammenarbeiten wird, wage ich zu bezweifeln. Wie soll ein ständig abwanderungswilliger Manager seinen Spielern Identifikation vorleben? Wie sollen andere Verantwortliche noch Vertrauen in ihn haben? Schwierig.

Davie Selke hat noch etwas vor

Hertha soll’s recht sein. „Unruhe ist nie gut für einen Mannschaft“, sagte mir Davie Selke, „aber ob und inwieweit sie das beeinflusst, wird sich zeigen.“ Er selbst wirkt hingegen wie die Zielstrebigkeit in Person, wohl auch, weil er noch eine Saison-Bestmarke jagt. „Ich habe die neun Tore aus meiner Bremer Zeit geknackt. Jetzt will ich die letzten beiden Spiele nutzen, um die Marke weiter hochzuschrauben.“

Ob ihm das gelingt? Das werden wir erleben. Vorerst interessiert mich eure Meinung aber in einer anderen Frage: