Hertha BSC

Für Hertha BSC ist der Relegationsrang jetzt Realität

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Inga Böddeling
Suat Serdar kann es nicht fassen: Hertha BSC kassiert die dritte Niederlage in Folge.

Suat Serdar kann es nicht fassen: Hertha BSC kassiert die dritte Niederlage in Folge.

Foto: Tom Weller / dpa

Hertha BSC kassiert wieder ein spätes Gegentor und rutscht nach dem 1:2 gegen Stuttgart auf den Relegationsplatz.

Berlin.  Es war die achte Minute der Nachspielzeit, als Hertha BSC auf den Relegationsrang rutschte. Lange hatte es am Dienstagabend gegen den Tabellennachbarn VfB Stuttgart nach einem Punkt für den Berliner Fußball-Bundesligisten ausgesehen. Dann schockte Konstantinos Mavropanos den Hauptstadtklub mit einem späten Kopfballtreffer. Das 1:2 (1:1) war besiegelt – und damit auch der Sturz auf Tabellenplatz 16.

„Das Spiel dauert bis zum Schlusspfiff“, sagte ein sichtlich bedienter Jean-Paul Boetius. „Wir waren hierher gekommen für den Dreier. Wirklich bitter.“ Stattdessen stand die dritte Niederlage in Folge.

Frühe kalte Dusche für Hertha BSC

Gegen den Bundesliga-16., gegen die Mannschaft, die Hertha in der vergangenen Saison am letzten Spieltag noch den Relegationsrang überließ und sich direkt rettete, setzte Schwarz auf die Elf, die sich beim 2:3 gegen Bayern München am vergangenen Sonnabend ordentlich geschlagen hatte. Für Dodi Lukebakio ging es im 4-4-2 erneut als zweite Sturmspitze neben Davie Selke los.

Und wer angesichts der späten Anstoßzeit noch ein wenig müde über den Rasen trabte, der war spätestens in der dritten Minute wach. Tiago Tomas spielte einen perfekt abgepassten Ball in den Lauf von Serhou Guirassy, der von Herthas Marc Kempf nur Geleitschutz bekam und unbedrängt abziehen konnte – 0:1 (3.), eine frühe kalte Dusche.

Lukebakio gleicht mit seinem siebten Saisontor aus

Weil Gegentore in dieser Saison aber keinen blau-weißen Zusammenbruch bedeuten, kämpften sich die Berliner zurück. Eine Flanke von Jonjoe Kenny fand Lukebakio, der den Ball – ähnlich wie bei seinem Treffer gegen die Bayern – aus halblinker Position zu seinem siebten Saisontor versenkte (19.). Der Kampf gegen den Relegationsplatz war wieder offen.

Dass der drohende Rang 16 trotzdem eine Menge Druck mit sich brachte, war den Gästen aus der Hauptstadt anzumerken. Wenig Ballbesitz, viele verlorene Zweikämpfe und kaum Torchancen. Lucas Tousart versuchte es nach einer Ecke von Marvin Plattenhardt per Kopf, fand aber in Hiroki Ito seinen Meister, der den Ball von der Linie kratzte (36.).

Die Gastgeber aus Schwaben nutzten hingegen die Räume, die durch Berliner Ballverluste entstanden. Tomas versuchte es nach artistischer Annahme von der Strafraumgrenze, scheiterte aber an Oliver Christensen (25.). Kurz vor der Pause war Herthas Keeper wieder zur Stelle, um sich den Ball nach einer Flanke von Borna Sosa aus dem Getümmel zu schnappen (44.).

Hertha BSC fehlte der Wille

Der Däne zwischen Herthas Pfosten war erst am Montag in den WM-Kader seines Heimatlandes berufen worden. Als er aber in der Nachspielzeit der ersten Hälfte einen Eckball abfing, landete er so hart auf der rechten Schulter, dass manch einer Christensens Traum von seiner ersten Weltmeisterschaft schon platzen sah. Doch für den 23-Jährigen ging es weiter. Und Christensen war nach Wiederanpfiff auch gleich gefragt, als er vor Silas (50.) und gegen Sosa rettete (55.).

Hertha fehlte der Wille, der die Mannschaft in den vergangenen Wochen ausgezeichnet hatte, um Stuttgart wirklich in Bedrängnis zu bringen. Trainer Schwarz gefiel das überhaupt nicht, immer wieder verließ der 44-Jährige wild gestikulierend seine Coaching Zone, bis er schließlich gleich dreifach sein Personal tauschte.

Wilfried Kanga, Chidera Ejuke und Ivan Sunjic sollten es richten, für Selke, Marco Richter und Suat Serdar war der Arbeitstag beendet (61.). Es waren dann auch die frischen Kräfte, die Herthas erste Torchance in Halbzeit zwei herausspielten.

Minutenlange Unterbrechung und Bangen um Stuttgarts Endo

Erst versuchte es Sunjic aus der Distanz und forderte Stuttgarts Keeper Florian Müller zur ersten richtigen Parade des Abends. Dann dribbelte sich Ejuke durch und legte ab auf Tousart. Dessen Schuss klärte aber Mavropanos, der den Ball in höchster Not auf der Linie wegköpfte. Lukebakios Nachschuss lenkte Müller ab (67.).

Wenig später musste das Spiel dann minutenlang unterbrochen werden. Sunjic und Wataru Endo waren im VfB-Strafraum mit den Köpfen zusammengerasselt. Der Japaner in Diensten der Stuttgarter blieb regungslos liegen, schien kurzzeitig das Bewusstsein verloren zu haben. Spieler und medizinisches Personal eilten herbei, nach langer Behandlung wurde Endo unter Applaus vom Platz getragen.

Mavropanos schockt Hertha BSC in der letzten Minute der Nachspielzeit

Der VfB musste sich nach diesem Schock erst einmal schütteln. Keeper Müller patzte bei einem Abschlag und spielte den Ball in die Füße von Ejuke. Der quirlige Nigerianer aber vergab die Großchance zur Führung und zimmerte den Ball über die Latte (84.).

Durch die Verletzungsunterbrechung fiel die Nachspielzeit entsprechend lang aus. Sechs Minuten waren schon abgelaufen, als Christensen in allergrößter Gefahr gegen Enzo Millot klärte. Als Mavropanos wenig später nach einer Ecke zum Kopfball ansetzte, war der dänische Keeper machtlos. Der Ball klatschte an den Pfosten und von dort aus in die Maschen.

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