Hertha BSC

Nach Spionage-Affäre: Windhorst will Hertha BSC loswerden

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Inga Böddeling
Lars Windhorst, Investor von Fußball-Bundesligist Hertha BSC, steht in einem Büroraum.

Lars Windhorst, Investor von Fußball-Bundesligist Hertha BSC, steht in einem Büroraum.

Foto: Christophe Gateau/dpa/Archivbild

Für über einen dreistelligen Millionenbetrag will der Investor den Bundesligisten verkaufen. Woher das Geld kommen soll, ist unklar.

Berlin.  Facebook ist das Medium der Hiobsbotschaften für Hertha BSC. Dort erklärte Jürgen Klinsmann vor zweieinhalb Jahren überraschend seinen Rücktritt. Und genau dort ließ auch Lars Windhorst am Mittwoch die Bombe platzen. Der Investor des Berliner Fußball-Bundesligisten will seine Anteile loswerden, bietet dem Verein den Rückkauf seiner erworbenen 64,7 Prozent an.

„Nach reiflicher Überlegung und Auswertung der letzten drei Monate stellen wir leider fest, dass es keine Basis und keine Perspektive für eine erfolgreiche wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen der Tennor Group und Hertha BSC geben wird“, so der 45-Jährige in einem Post.

Hertha BSC will bei Käufersuche unterstützen

Das ohnehin schon zerrüttete Verhältnis zwischen Geldgeber und Hauptstadtklub war Ende vergangener Woche noch einmal schwer belastet worden. Die „Financial Times“ hatte berichtet, dass die israelische Wirtschaftsdetektei Shibumi Windhorst und Tennor wegen ausgebliebener Honorarzahlungen verklagt.

Shibumi soll mit einer Schmutzkampagne gegen Herthas Ex-Präsidenten Werner Gegenbauer beauftragt worden sein, Spionagevorwürfe stehen im Raum. Windhorst bezeichnete all das direkt als „Unsinn“, auch Shibumi zog die Klage zurück. Der israelischen Justiz aber liegen die entsprechenden Unterhaltungen vor.

Hertha forderte eine Stellungnahme von Windhorst, schaltete eine Rechtsanwaltskanzlei ein, um die Vorwürfe zu durchleuchten. Ein Vereinsausschluss des Investors stand für die Präsidiumssitzung am Mittwochabend auf der Agenda. Allerdings sollte es dort nur um ein Ende der Mitgliedschaft des Unternehmers gehen.

Windhorsts Anteile sind nur noch die Hälfte wert

Jetzt will Windhorst aber auch sein Investment beenden. „Zum damaligen Kaufpreis“, wie der für halbseidene Investments bekannte Finanzier bei Facebook schreibt, könnte Hertha die verkauften Anteile zurückbekommen. So viel wie im Juni 2019 sind die aber gar nicht mehr wert. Der „Kicker“ beziffert den aktuellen Wert auf 160 bis 180 Millionen Euro.

Hören Sie zu diesem Thema auch die neue Folge „Immer Hertha“.

Das ist nur noch gut die Hälfte der ursprünglichen 374 Millionen, die Windhorst seit Juni 2019 in mehreren Etappen in den Verein investierte. Dass sich Hertha überhaupt – trotz Windhorsts nicht gerade sauberer Reputation – auf den Geldgeber einließ, war den klammen Kassen des Klubs geschuldet.

Nun ist Windhorsts Plan, Hertha wieder abzuschütteln, aber gar nicht so einfach umzusetzen. Zum einen muss der Verein das Geld erst mal aufbringen, was finanziell kaum zu leisten sein wird. Zum anderen müssen die Berliner laut Satzung einem Verkauf auch noch zustimmen.

Bruch mit Präsident Kay Bernstein

Am Mittwochabend reagierte Hertha mit einer Stellungnahme und sicherte „die Unterstützung bei der Käufersuche in einem geordneten Investorenprozess“ zu. Bedeutet: Der Verein selbst wird die Anteile nicht zurückkaufen.

Wie auch immer dieses mittlerweile unrühmliche Kapitel Vereinsgeschichte ausgeht, Windhorst hat mit seinem Vorstoß alle Register gezogen. Als cleverer Geschäftsmann weiß er, wie man die Fäden in der Hand behält und die Rolle des Geschädigten einnimmt.

Der Investor fühlt sich weiterhin nicht genug miteinbezogen – obwohl es seit Juni zwei Termine „zur Abstimmung von Strategie und Themen“ gegeben habe, wie Hertha erklärte. Windhorst gab außerdem an, dass das Angebot, den Verein mit einer weiteren Finanzspitze zu unterstützen, abgelehnt wurde. „Präsident Kay Bernstein ist erkennbar an einer vertrauensvollen und seriösen Zusammenarbeit nicht interessiert“, wirft Windhorst dem Nachfolger von Gegenbauer vor. „Vielmehr hat der Präsident in einem Gespräch mit uns als Ziel seiner Aktivitäten den „Break“ mit Tennor und Lars Windhorst benannt.“

Dass Bernstein als ehemaliger Ultra kein Fan des Investoren-Konstrukts ist, war noch nie ein Geheimnis. Ob der 43-Jährige die Zusammenarbeit mit Windhorst und seiner Tennor Holding aber tatsächlich beenden wollte, bleibt zunächst eine nicht nachweisbare Unterstellung.

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Treffen zwischen Windhorst und Bernstein am Mittwochmorgen

Hertha dementierte die Aussagen. Die erhobenen Vorwürfe seien unzutreffend. Am Mittwochmorgen hatte es ein Treffen zwischen Windhorst, Bernstein und Herthas Aufsichtsratsvorsitzendem Klaus Brüggemann gegeben – laut Hertha sei das der Wunsch von Windhorst gewesen.

„Der Facebook-Post von Lars Windhorst vom heutigen Nachmittag entspricht nicht dem Besprochenen und Verabredeten“, hieß es in der Stellungnahme des Klubs. Dass der Investor in dieser Causa direkt austeilt und dem Verein vorwarf, indiskret vorgegangen zu sein und interne Dokumente an die Medien durchgesteckt zu haben, lässt tief blicken. Angriff ist bekanntlich die beste Verteidigung.

Die Tage der Zusammenarbeit sind also gezählt. Auch wenn noch gänzlich offen ist, wie die unglückliche Beziehung zwischen Windhorst und Hertha ein halbwegs glimpfliches Ende nehmen soll. Friedlich wird der Streit wohl nicht beigelegt werden.

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