Hertha BSC

Hertha sammelt mit Remis in Stuttgart ein Pünktchen Hoffnung

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Inga Böddeling

VfB Stuttgart gegen Hertha BSC - die Highlights

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Hertha BSC erkämpft sich beim Debüt von Trainer Tayfun Korkut ein Remis in Stuttgart und zeigt dabei gute Ansätze.

Berlin. Die weiße Weste sitzt. Aber nicht nur deshalb schaute Tayfun Korkut nach dem Abpfiff äußerst erleichtert drein. Der neue Trainer von Hertha BSC hat als Debütant bei seinen bisherigen Vereinen nie verloren. Und durfte die Serie auch am Sonntag weiterführen. In seinem ersten Spiel mit dem Berliner Fußball-Bundesligisten erkämpfte sich der Hauptstadtklub ein 2:2 (1:2) beim VfB Stuttgart und sammelte nach einer turbulenten Woche immerhin ein Pünktchen Hoffnung.

„Wir haben sehr gut angefangen, bekommen dann zwei einfache Tore und haben trotzdem nicht nachgelassen“, erklärte Trainer Korkut, der erst am Montag seinen neuen Job angetreten hatte. „Wir sind nicht nur über Kampf und Mentalität gekommen, sondern auch über das Fußballerische.“ Der Punkt sei „hochverdient“ gewesen.

Korkut baut Hertha BSC auf vier Positionen um

Der Coach krempelte die Mannschaft gleich auf vier Positionen um, setzte auf ein klassisches 4-4-2, was in der neuen Besetzung wie ein offensives Versprechen wirkte. Maximilian Mittelstädt und Jurgen Ekkelenkamp mussten auf die Bank. Dafür durfte der unter Pal Dardai wenig beachtete Myziane Maolida von Beginn an auf der linken Außenbahn ran. Ebenso wie Stevan Jovetic, der Ishak Belfodil im Sturm unterstützte.

Der zuletzt rotgesperrte Dedryck Boyata ersetzte Niklas Stark in der Innenverteidigung. Für den erkälteten Suat Serdar rotierte Vladimir Darida in die Startelf. Lucas Tousart stand gar nicht erst im Kader. Beim Franzosen war bei der routinemäßigen PCR-Testung ein positiver Corona-Befund festgestellt worden. Der Mittelfeldspieler wurde umgehend von der Mannschaft isoliert, ist aber doppelt geimpft und symptomfrei, wie Hertha via Twitter mitteilte.

In Spiel eins nach dem nächsten Trainerwechsel war die Hoffnung groß, dass auch die Mannschaft ein verändertes Gesicht zeigen würde. Und tatsächlich startete Hertha stark, setzte mit der ersten Chance eine erste kleine Duftmarke. Maolida setzte zum Solo-Lauf an, legte ab auf Belfodil, der aber in VfB-Keeper Florian Müller seinen Meister fand (4. Minute). Die Berliner waren so mutig wie lang nicht mehr.

Hertha BSC wird zweimal ausgekontert

Die überraschend offensive Grundordnung hatte allerdings eine Nebenwirkung. Im Zentrum klaffte immer wieder ein Loch, das Stuttgart recht schnell identifizierte – und innerhalb von vier Minuten gleich zweimal gnadenlos ausnutzte.

Erst vertändelte Jovetic am gegnerischen Sechzehner den Ball, Stuttgarts Waldemar Anton schnappte sich das Spielgerät, legte ab auf Omar Marmoush, der Kapitän Boyata entwischte. Herthas Kapitän konnte nur zuschauen, wie der Abschluss von Marmoush hinter Berlins Torhüter Alexander Schwolow einschlug (15.) – 0:1, ausgekontert.

Vier Minuten später das gleiche Spielchen: Hamadi Al Ghaddioui steckte auf Philipp Förster durch, der spazierte unbehelligt durch Herthas Mittelfeld und zog aus 18 Metern ab – 0:2, wieder ausgekontert (19.). Die Zuversicht war erst mal dahin.

Belfodils Treffer für Hertha BSC zählt nicht

Nicht aber der Wille, am Ergebnis zu schrauben. Belfodils Treffer in der 33. Minute pfiff Schiedsrichter Benjamin Brand noch zurück, weil Darida im Abseits gestanden und VfB-Keeper Müller behindert hatte. Dann aber dribbelte sich Jovetic durch Stuttgarts Hintermannschaft und hob den Ball an Müller vorbei ins VfB-Tor (40.). Das 1:2 zählte, die zarte Hoffnung war wieder da.

Es schien beinahe so, als hätten beide Mannschaften in der ersten Hälfte den Großteil ihres Pulvers verschossen. Halbzeit zwei war erst einmal wenig ereignisreich. Maolida versuchte sein Glück (56.), war dabei ebenso wenig erfolgreich wie Boyata per Kopf nach einem Freistoß von Marvin Plattenhardt (64.). Hertha hatte Glück, dass Marmoush im Abseits stand, bevor er den Ball ins Berliner Netz befördert hatte (66.).

Trainer Korkut sah Handlungsbedarf, schickte Jurgen Ekkelenkamp (63.), wenig später auch Kevin-Prince Boateng und Niklas Stark aufs Feld. Der Impuls saß, Hertha wurde aktiver, ließ den Stuttgarter Strafraum wieder zur Gefahrenzone werden – und belohnte sich.

Die nächste Aufgabe für Hertha BSC heißt Bielefeld

Belfodil ließ eine Plattenhardt-Flanke abtropfen, Jovetic nahm den Ball mit seinem starken rechten Fuß an und schob den Ball aus kürzester Distanz ins Netz (76.). 2:2 – diesen Ausgleich hatten sich die Berliner erarbeitet und wurden dabei von fehleranfälligen Stuttgartern im fast leeren Stadion tatkräftig unterstützt.

„Ich bin sehr zufrieden“, erklärte Jovetic nach seinem ersten Doppelpack im blau-weißen Trikot, „wir lagen 0:2 zurück, das ist nie einfach. Aber wir haben Charakter gezeigt.“ Teamkollege Marco Richter freute sich ebenfalls: „Zwei Tore von Jove tun ihm gut, tun uns gut.“

Selbst als Stuttgart in der Nachspielzeit noch einmal ordentlich Richtung Siegtreffer drückte, behielten die Berliner die Nerven. Eine Entwicklung, die nach etlichen Last-Minute-Gegentoren durchaus erfrischend wirkte. „Wir Berliner stehen auf, wir sind positiver Dinge“, sagt Richter, „wir nehmen den Kopf nach oben und gehen so in die neue Woche.“ In eine Woche, an deren Ende mit dem Heimspiel gegen Arminia Bielefeld die nächste Bewährungsprobe wartet.

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