Hertha BSC

Pal Dardai ist nicht länger Cheftrainer von Hertha BSC

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Inga Böddeling und Jörn Lange
Pal Dardai coachte Hertha BSC seit Mai in 29 Bundesligaspielen. Seine Bilanz: acht Siege, acht Remis, dreizehn Niederlagen.

Pal Dardai coachte Hertha BSC seit Mai in 29 Bundesligaspielen. Seine Bilanz: acht Siege, acht Remis, dreizehn Niederlagen.

Foto: Robert Michael / dpa

Nach der Enttäuschung gegen Augsburg zieht Hertha BSC die Reißleine. Pal Dardai muss seinen Posten als Cheftrainer räumen.

Berlin. Vom gefeierten Retter zum Buhmann in nur 199 Tagen: Pal Dardai (45) ist nicht länger Cheftrainer von Hertha BSC. Nachdem der Ungar den Fußball-Bundesligisten in der Vorsaison unter hochkomplizierten Bedingungen vor dem Abstieg bewahrt hatte, zog Manager Fredi Bobic nach dem jüngsten 1:1 gegen Augsburg die Reißleine. Nach 14 Punkten aus 13 Spielen, 27 Gegentoren und Tabellenplatz 14 hatte Dardai kaum noch Argumente auf seiner Seite.

Noch alarmierender als die nackten Zahlen war dabei die Art und Weise, mit der Herthas Profis zuletzt auftraten. Nicht nur beim 0:5 in München Ende August und beim 0:6 in Leipzig Ende September hatte das Team jegliche Widerstandsfähigkeit vermissen lassen. Auch beim leblosen Auftritt im Derby gegen den 1. FC Union (0:2) und beim Last-Minute-Ausgleich am Sonnabend gegen Augsburg fehlte dem Hauptstadtklub die Cleverness.

Tayfun Korkut übernimmt bei Hertha BSC

Dardai, der die undankbare Aufgabe hatte, einen erneuten personellen Umbruch zu meistern, ist es offenkundig nicht gelungen, der neu formierten Mannschaft die erhoffte kämpferische Mentalität einzuhauchen. Auch wenn die Auftritte zwischendurch – wie etwa das 1:0 gegen Borussia Mönchengladbach oder das 2:1 gegen Eintracht Frankfurt – Grund zum Optimismus gaben, eine endgültige Trendwende trauen ihm die Verantwortlichen nicht mehr zu. Auch die beiden Co-Trainer Andreas „Zecke“ Neuendorf und Admir Hamzagic wurden von ihren Aufgaben entbunden.

Stattdessen übernimmt nun Tayfun Korkut. Wie Hertha am Montagmorgen mitteilte, erhält der 47-Jährige zusammen mit seinem Assistenten Ilja Aracic einen Vertrag bis zum Ende der laufenden Saison. „Mit Tayfun Korkut möchten wir der Mannschaft nun neue Impulse und neuen Input geben“, erklärte Manager Bobic, „Tayfun hat in der Vergangenheit schon unter Beweis gestellt, dass er ein Team nicht nur stabilisieren, sondern auch mit seiner akribischen und leidenschaftlichen Arbeit und seiner Idee vom Fußball weiterentwickeln kann.“

Der gebürtige Stuttgarter trainierte bereits Hannover 96, den 1.FC Kaiserslautern, Bayer Leverkusen und den VfB Stuttgart. „Ich danke Fredi Bobic und allen anderen Verantwortlichen von Hertha BSC für das Vertrauen. Ich stecke voller Energie und freue mich sehr auf diese spannende Aufgabe“, erklärte Korkut. Am Nachmittag soll der neue Coach in Westend vorgestellt werden.

Dardai will bei Hertha BSC wieder im Nachwuchs arbeiten

Dass es für Dardai immer enger wurde, war schon vor dem Augsburg-Spiel klar. Nach mitunter harscher Kritik von Sport-Geschäftsführer Bobic und Hertha-Investor Lars Windhorst stand die Klub-Ikone seit Wochen unter verschärfter Beobachtung, wenngleich die jüngsten Töne von Einigkeit geprägt waren.

Wie schwer die Enttäuschung bei Dardai wiegt, weiß wohl nur er selbst. Dass er mit Bobics Strategie und dessen Kaderzusammenstellung haderte, war allerdings offenkundig.

Für Hertha bedeutet das Ende von Dardais zweiter Chefcoach-Episode den sechsten Trainerwechsel binnen 28 Monaten. Nach der ersten Trennung im Sommer 2019 hatte zunächst Ante Covic übernommen. Die weiteren Trainer seither: Jürgen Klinsmann, Alexander Nouri, Bruno Labbadia, zuletzt erneut Dardai. Hertha BSC kommt nicht zur Ruhe.

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