Hertha BSC

In letzter Sekunde: Hertha verspielt Sieg gegen Augsburg

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Inga Böddeling

Hertha gegen Augsburg - die Highlights

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Hertha BSC schafft es gegen Augsburg wieder nicht, eine Führung über die Zeit zu bringen und kassiert den späten Ausgleich.

Berlin. Der Schlusspfiff ging im Tumult unter. Santiago Ascacibar und Rafal Gikiewicz standen sich Stirn an Stirn gegenüber, Andreas „Zecke“ Neuendorf sah die Rote Karte, und Davie Selke schimpfte wie ein Rohrspatz. All das änderte nichts an der bitteren Wahrheit: Hertha BSC kassiert gegen den FC Augsburg den späten Ausgleich und muss mit einem 1:1 (1:0) leben.

„Wir müssen langsam lernen, konsequenter mit unserer Führung umzugehen“, erklärte Trainer Pal Dardai angefressen. „Das ist uns die letzte Zeit nicht gelungen. Die letzte Konzentration fehlt. Wenn wir das 2:0 machen, würden wir heute nicht über zwei verlorene Punkte reden.“ Selke bezeichnete seinen Gemütszustand schlicht als „beschissen“.

Hertha BSC mit drei Neuen in der Startelf

Nach der enttäuschenden Derby-Pleite in der Vorwoche gegen den 1. FC Union (0:2) musste sich etwas ändern. Das hatten Trainer Pal Dardai und Manager Fredi Bobic mehr als deutlich gemacht. Den Anfang machte die Aufstellung.

Für Lucas Tousart wurde Jurgen Ekkelenkamp in die Startelf befördert, Ishak Belfodil ersetzte in der Sturmspitze Krzysztof Piatek, und Jordan Torunarigha rotierte für Marton Dardai ins Team. Der Innenverteidiger hatte sich nach dem Aufwärmen mit muskulären Problemen abgemeldet.

Und Dardais Umstrukturierung wirkte. Vor allem im Sturm war der frische Wind durch Belfoldil spürbar. „Er hat im Training einen guten Eindruck gemacht“, erklärte Dardai die Berufung des 29-Jährigen. Damit machte Belfodil auch auf dem neu verlegten Rasen im Olympiastadion weiter.

Nach einem durchgesteckten Pass von Suat Serdar scheiterte der Stürmer erst an FCA-Torhüter Gikiewicz (7.). Ein Déjà-vu gab es in der 21. Minute, als Belfodil nach passgenauem Zuspiel von Ekkelenkamp wieder nur zweiter Gewinner gegen Gikiewicz war.

Richter trifft für Hertha BSC gegen seinen Ex-Verein

Von der leblosen Vorstellung in der Alten Försterei war nicht mehr viel zu sehen. Hertha war tonangebend, offensiv aktiv und spielte über weite Strecken recht ansehnlichen Kombinationsfußball. Nur der letzte Pass wollte meist keinen Abnehmer finden.

Die Gäste aus Augsburg, die kurzfristig auf Jeffrey Gouweleeuw (Corona-Verdacht) verzichten mussten, ließen sich allerdings nicht wirklich beeindrucken. Wenn der FCA vor das Tor von Herthas Alexander Schwolow kam, dann wurde es auch gefährlich. Einen Distanzschuss von Hahn (19.) konnte der Keeper aber ebenso entschärfen wie Iagos Versuch aus gut 30 Metern (28.).

Nach dem Sieg des VfB Stuttgart am Freitagabend (2:1 gegen Mainz) hatte das Duell durchaus Brisanz. Der Tabellen-15. gegen den 16. Wer verliert, rutscht näher an die Abstiegsränge. „Das ist ein ganz, ganz wichtiges Spiel für uns“, hatte Sportdirektor Arne Friedrich deshalb erklärt. „Wir müssen mutig spielen.“

Marco Richter nahm sich das gegen seinen Ex-Verein direkt mal zu Herzen. Der 24-Jährige rannte, flankte und ärgerte sich auf seiner rechten Außenbahn – so unermüdlich wie der Berliner Nieselregen, der sich nicht recht entscheiden konnte, ob er vielleicht doch Schnee sein will.

Hertha BSC spielt vor 14.523 Zuschauern

Unentschlossen waren Richters Aktionen aber nicht. Als sich Augsburgs Verteidiger Robert Gumny in der 40. Minute nicht ganz sicher war, wie er den Ball im eigenen Strafraum klären will, wurschtelte Richter sich durch die Hintermannschaft der Schwaben, luchste Gumny den Ball ab und schob ein – 1:0!

Ein Zufallsprodukt? Ein überpünktliches Weihnachtsgeschenk? Auf jeden Fall der Lohn für eine erste Halbzeit, in der Hertha mit Spritzigkeit und Leidenschaft den Anspruch auf die drei Punkte anmeldete.

Die 14.523 Zuschauer, die den ungemütlichen November-Temperaturen getrotzt hatten, bedankten sich zur Pause mit Applaus, dass auf dem Platz immerhin halbwegs Herzerwärmendes gezeigt wurde. Die dauerhafte Maskenpflicht, die durch die Einführung von 2G+ verpflichtend war, war dank nasskalter zwei Grad fast schon ein Segen. Und wurde von einem Großteil der Fans auch befolgt.

Eine 1:0-Führung war bei den Berlinern in dieser Saison allerdings nicht immer ein Sieggarant. Sechs Mal erzielten die Blau-Weißen den ersten Treffer, dreimal gab es einen Erfolg, einmal ein Remis und zweimal doch noch die Niederlage.

Herthas Co-Trainer Neuendorf sieht die Rote Karte

Hertha hatte eine klare Vorstellung davon, wie es dieses Mal laufen sollte. Und legte innerhalb von fünf Minuten nach. Erst nach einer Ecke durch Torunarigha (75.), dann nach einem Konter durch den mittlerweile eingewechselten Stevan Jovetic (79.). Bei beiden Treffern währte der Jubel nicht lang – zweimal Abseits, zweimal kein Tor.

Und dann kam die siebte Minute der Nachspielzeit: Der eingewechselte Davie Selke geht an der Eckfahne nach einem Zweikampf mit Iago zu Boden, drumherum wird gerangelt inklusive Rudelbildung. Nachdem Schiedsrichter Frank Willenborg Gelbe Karten an Iago und Jovetic verteilt hat, schlägt FCA-Keeper Gikiewicz den Ball lang nach vorn. Nach diversen Diagonalbällen landet der Ball auf dem Kopf von Michael Gregoritsch, der zum 1:1 einköpft. Herthas Hintermannschaft war da mit den Gedanken noch an der Eckfahne.

„Wir haben das erste Tor ein bisschen geschenkt bekommen, dann haben wir zurückgeschenkt“, befand Dardai, dessen Co-Trainer Neuendorf so sehr über den Ausgleich schimpfte, dass er Rot sah. Dardai: „Es ist nicht okay, dass da an der Eckfahne alle ausgerastet sind, das war unser Fehler. Wir müssen das bis zum letzten Pfiff verteidigen.“

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( sid )