Hertha BSC

Hertha BSC verliert sich in Köln selbst

| Lesedauer: 5 Minuten
Inga Böddeling
Herthas Abwehr um Marton Dardai (Boden) und Niklas Stark (r.) kann nur zusehen, wie Anthony Modeste den Ausgleich köpft.

Herthas Abwehr um Marton Dardai (Boden) und Niklas Stark (r.) kann nur zusehen, wie Anthony Modeste den Ausgleich köpft.

Foto: Lars Baron / Getty Images

Hertha BSC kann zum Saisonstart nur eine halbe Stunde lang überzeugen und unterliegt beim 1. FC Köln mit 1:3.

Berlin/Köln. Pal Dardai fackelte nicht lang und marschierte auf den Platz. Der Trainer von Hertha BSC klatschte mit seinen Spielern ab und begann schon Sekunden nach dem Abpfiff mit der Wiederaufbauarbeit. Ihm blickte die Mimik der Verzweifelten entgegen. 1:3 (1:1) gegen den 1. FC Köln zum Start in die neue Saison der Fußball-Bundesliga – alles andere als ein Auftakt nach Maß.

„Wir sind gut ins Spiel gekommen, waren der Herr auf dem Platz, haben dann aber verpasst, das 2:0 zu machen“, analysierte Dardai. „Dann haben wir angefangen zu schwimmen, haben voll unsere Richtung verloren.“

Der Trainer hatte seine Mannschaft mit zwei Veränderungen zum Erstrunden-Erfolg im DFB-Pokal gegen Meppen (1:0) auf den Rasen geschickt. Für Dodi Lukebakio durfte Olympia-Fahrer Lucas Tousart im defensiven Mittelfeld ran, für Davie Selke stürmte Olympiasieger Matheus Cunha. Selke war am Donnerstag im Training mit Jordan Torunarigha zusammengerasselt und erlitt eine leichte Gehirnerschütterung. „Er wird jetzt erst mal fünf Tage pausieren und dann schauen wir weiter“, erklärte Dardai.

Jovetic feiert bei Hertha BSC seine Tor-Premiere

Seine Elf sortierte sich in ein 4-3-3, in dem Cunha die Sturmspitze gab, flankiert von Bundesliga-Debütant Stevan Jovetic auf links und Suat Serdar auf rechts. Sommer-Zugang Jovetic feierte nicht nur seine Premiere in der fünften großen Liga Europas, der 31 Jahre alte Montenegriner traf auch gleich.

Nach einem Freistoß von Marvin Plattenhardt landete der Kopfball von Cunha bei Köln-Keeper Timo Horn, der den Ball nur klatschen lassen konnte, Jovetic staubte ab und brachte Hertha in Führung (5. Minute) – ein perfekter Einstand für den Offensiv-Allrounder.

Herthas früher Motivationsschub stachelte die Kölner an, beide Teams wirkten wie aufgedreht, das ständige Hin und Her zwischen den Strafräumen war nett anzusehen. Das Torchancenplus verbuchten dabei erst mal die Gäste aus der Hauptstadt. Serdar wurschtelte sich im Strafraum durch, zog aus gut 13 Metern ab, fand seinen Meister aber in FC-Torhüter Horn (10.).

Cunha wirkt bei Hertha BSC müde

Fünf Minuten später landete der Ball überraschend vor den Füßen von Cunha, der ebenso überraschend in der Startelf gelandet war. Der Brasilianer war erst am vergangenen Montag von seinem Olympia-Abenteuer aus Tokio zurückgekehrt, hatte daher nur wenige Trainingseinheiten mit der Mannschaft absolviert. Wenig überraschend wirkte der Brasilianer nicht ganz frisch, setzte offensiv nur wenige Akzente und chippte den Ball in der 15. Minute zu ungenau Richtung Tor.

Hertha stand defensiv stabil, agierte offensiv konzentriert. Die positiven Ansätze aus der Vorbereitung, sie machten Mut. Erhielten aber einen jähen Dämpfer, als Köln seine Offensiv-Abteilung befeuerte. Kurz vor der Halbzeit war es Anthony Modeste, der Herthas Führung egalisierte. Gejubelt werden musste aber mit Verzögerung. Weil der Stürmer seinen Gegenspieler Marton Dardai weggeschoben hatte, um ungehindert einköpfen zu können, überprüfte der VAR die Szene. Entscheidung: Tor - 1:1 (41.).

Hertha BSC kassiert zwei Gegentore in 209 Sekunden

Für die Berliner kam der Pausenpfiff zum richtigen Moment, Trainer Dardai musste mitansehen, wie seine Truppe erst zum Ausgleich taumelte und wenig später fast noch den Rückstand kassiert hätte. Torhüter Alexander Schwolow lenkte einen Schuss von Florian Kainz gerade noch um den Pfosten (45.+2).

„Wir waren klar die bessere Mannschaft, haben Köln gut beherrscht“, befand Rückkehrer Kevin-Prince Boatang. „Dann kriegen wir das 1:1 und brechen ein. Und dann kommen wir nicht mehr zurück ins Spiel.“ Stattdessen erhöhte Köln. Nach einer Flanke von Modeste konnte Schwolow den Ball nur mit den Fingerspitzen ablenken. Nutznießer: Florian Kainz, der zum 1:2 einköpfte (52.).

Aber auch das sollte kein Weckruf für den Hauptstadtklub sein. 209 Sekunden später lag der Ball schon wieder im Hertha-Tor. Wieder war es Kainz, der nach einem Angriff aus dem Fußball-Lehrbuch und Flanke von Benno Schmitz noch im Fallen zum 1:3 einschob (55.). Die Defensive um Kapitän Niklas Stark war in seine Einzelteile zerfallen. „Wir haben uns ein bisschen verloren, haben mit zu wenig Mut dagegengehalten“, monierte Boateng.

Der nächste Gegner von Hertha BSC ist Wolfsburg

Trainer Dardai reagiert, brachte Lukas Klünter und Deyovaisio Zeefuik für Boateng und Peter Pekarik (59.). Offensive Hoffnungen weckten aber erst die Wechsel sechs Minuten später. Für den immer müder wirkenden Cunha kam Dodi Lukebakio in die Sturmspitze, Torschütze Jovetic machte für den zweiten Debütanten Marco Richter Platz. Der Rechtsaußen war erst vergangenen Montag zu Hertha gewechselt.

Die Berliner wurden aktiver. Nach einer Hereingabe von Klünter leitete Richter den Ball weiter in den Fünf-Meter-Raum, wo Lukebakio gegen zwei Gegenspieler verstolperte (78.). Sekunden später wieder Lukebakio, der eine Flanke von rechts nur über das Tor köpfen konnte (79.).

Die Aufholjagd wollte nicht gelingen. Auch nicht, als Santiago Ascacibar den Ball dann tatsächlich im Tor unterbrachte. Doch der Linienrichter gab den Spielverderber: Abseits, der Treffer zählte nicht (80.). Mit der Spielzeit schwand dann auch irgendwann die Hoffnung auf den ganz großen Turnaround. Der soll gegen den VfL Wolfsburg am kommenden Sonnabend gelingen (15.30 Uhr, Olympiastadion).

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