Hertha BSC

Bobic ante portas: Der Wandel bei Hertha nimmt Form an

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Fredi Bobic (r.) ist ab Dienstag Sport-Geschäftsführer von Hertha BSC. Eine würdige Verabschiedung von Vorgänger Michael Preetz, hier bei einem gemeinsamen Medientermin 2019, wird im Klub intern diskutiert.

Fredi Bobic (r.) ist ab Dienstag Sport-Geschäftsführer von Hertha BSC. Eine würdige Verabschiedung von Vorgänger Michael Preetz, hier bei einem gemeinsamen Medientermin 2019, wird im Klub intern diskutiert.

Foto: Roland Weihrauch / picture alliance/dpa

Mit dem Amtsantritt des neuen Managers Fredi Bobic will Hertha BSC ab Dienstag eine Erfolgsgeschichte starten.

Berlin. Nun also geht’s los: Dass Fredi Bobic (49) Sport-Geschäftsführer von Hertha BSC wird, steht schon seit Mitte April fest, doch am Dienstag tritt der bisherige Manager von Eintracht Frankfurt endlich seinen Dienst an. Mit dem Stichtag 1. Juni lenkt er die sportlichen Geschicke in Westend, begleitet von hohen Erwartungen. Die große Frage: Kann Bobic den seit Jahren schlingernden Hauptstadtklub endlich in die Erfolgsspur bringen?

Schon vor seiner offiziellen Vorstellung meldete sich der Rückkehrer zu Wort. „Die Entscheidung, mich zu verändern, ist über einen längeren Zeitraum gereift“, erklärte der frühere Hertha-Profi (2003 bis 2005) in der „Welt am Sonntag“, „ich bin so gestrickt, dass ich nicht gehe, wenn es am schönsten ist, sondern wenn ich das Gefühl habe, etwas Neues machen zu wollen.“

Lockt Bobic Filip Kostic zu Hertha BSC?

In Frankfurt, wo er einen Coup nach dem nächsten feierte, hinterlasse er einen Klub, der inzwischen „eine große Anerkennung über die Grenzen hinaus genießt – das war vor fünf Jahren, als ich kam, nicht der Fall“. Ähnliches soll er nun in Berlin bewirken, vor allem mit seinem hervorragenden Händchen bei Personalentscheidungen.

Längst schweben erste Namen durch die Gerüchteküche, so wird Frankfurts Außenbahnspieler Filip Kostic (28) gehandelt, der in der vergangenen Spielzeit 17 Tore (!) vorbereitete und vier Treffer selbst erzielte. Angesichts des großen Verbesserungsbedarfs, der bei Hertha auf den Flügelpositionen herrscht, wäre der Serbe eine passende Verstärkung, allerdings läuft sein Vertrag bei der Eintracht noch bis 2023.

Hertha BSC zieht Kaufoption bei Radonjic nicht

Kostics Marktwert wird derzeit auf stolze 32 Millionen Euro taxiert, abgesehen davon soll er eher auf einen Wechsel zu einem Topklub hoffen. Dennoch: Der Name Bobic weckt in Berlin Fantasien. Er und Kostic sind bestens miteinander vertraut, der Manager kennt sämtliche Vertragsinhalte und Interessen des Spielers. Wenn jemand Kostic an die Spree locken könnte, dann wohl Bobic.

In Bezug auf den von Hertha zuletzt ausgeliehenen Nemanja Radonjic (25) haben die Berliner darauf verzichtet, die vorhandene Kaufoption zu ziehen. Er kehrt vorerst zu Olympique Marseille zurück, womit die Personalie allerdings nicht vom Tisch ist. Auch Bobic, der in der vergangenen Woche schon auf Herthas Vereinsgelände herumgeführt wurde, wird sich ein Bild vom schnellen und beidfüßigen Profi machen – womöglich auch bei der EM.

Während der neue Manager also schon so gut wie da ist, ist sein Vorgänger noch nicht ganz weg. Auf Herthas virtueller Mitgliederversammlung am vergangenen Sonntag wurde auf Nachfrage darüber diskutiert, ob und wie man Bobics Vorgänger Michael Preetz (53) offiziell zu verabschieden gedenkt.

Hertha BSC sucht Abschieds-Lösung für Ex-Manager Preetz

Noch befinde man sich zu diesem Thema im Dialog, erklärte Vizepräsident Thorsten Manske. Qua Vertrag ist Preetz noch Mitarbeiter bis 2022. Nach seiner Freistellung Ende Januar sieht man klubintern keinen Grund zur Eile, um die Vereinslegende noch mal öffentlich zu würdigen.

Insgesamt hinterließ die Mitgliederversammlung in Bezug auf Preetz einen äußerst gemischten Eindruck. Während Hauptgeschäftsführer Carsten Schmidt und Präsident Werner Gegenbauer den Namen Preetz nur beiläufig erwähnten, ging einzig Finanz-Boss Ingo Schiller ausführlich auf seinen langjährigen Geschäftsführer-Kollegen ein.

„Michael Preetz war fast 25 Jahre für unsern Klub tätig“, sagte Schiller: „Er hat als Spieler Großes erreicht, er ist Rekordtorschütze des Vereins, ist bei Hertha Torschützenkönig und Nationalspieler geworden. Er hat uns in die Champions League geschossen.“

CEO von Hertha BSC fordert schonungslose Aufarbeitung

Im Management habe Preetz ab 2009 die „Themen geduldig angenommen, sich erarbeitet und sich eingebracht“. Für die Zusammenarbeit und das große Engagement sprach Schiller seinem früheren Weggefährten großen Dank aus: „Die Tätigkeit von Michael Preetz in unserem Verein hat Spuren hinterlassen.“ Wie die Mitglieder auf diese emotionalen Worte bei einer Präsenzveranstaltung reagiert hätten, wäre spannend zu beobachten gewesen.

Die Zukunft aber heißt Bobic, dessen Kontrakt bis 2024 läuft. An Arbeit mangelt es nicht. „Die sportliche Leistung der letzten Saison muss schonungslos hinterfragt werden“, forderte CEO Schmidt, „da nehmen wir auch Spieler mit einem hohen Leistungsvermögen nicht heraus.“ Ob herausragende Einzelkönner wie Matheus Cunha oder Dodi Lukebakio, denen es an taktischer Disziplin fehlt, auch in der Saison 2021/22 das blau-weiße Trikot tragen? Das zählt zu den Fragen, die der neue Manager beantworten muss.

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