Kommentar

Hertha braucht eine ordnende Hand

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Jörn Lange

Foto: Soeren Stache / AFP/FFS/Montage BM

Das wilde 2:2 gegen Gladbach zeigt, wie sehr es Hertha BSC an Struktur fehlt. Ein fitter Khedira kann das ändern, meint Jörn Lange

Zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung klaffte eine gewaltige Lücke. Santiago Ascacibar wirkte nach dem 2:2 (1:2) gegen Borussia Mönchengladbach stolz, immerhin war dem Sechser sein erstes Tor für Hertha gelungen. Pal Dardai hingegen konnte sich dafür nur bedingt begeistern.

Unmittelbar nach Schlusspfiff richtete der Chefcoach ein paar mahnende Worte an Ascacibar, gestikulierte mit erhobenem Zeigefinger. Der Argentinier machte große Augen. Ein Moment, in dem er die Fußball-Welt nicht ganz zu verstehen schien.

Ähnlich war es zuvor auch Dardai gegangen. An der Seitenlinie musste er mit ansehen, wie sich sein Team trotz Überzahl und 1:0-Führung überrumpeln ließ. Ascacibar war dabei ein Schlüsselfaktor. Einerseits zeigte er ungewohnte Offensivqualitäten, doch zugleich zählte er zu den unfreiwilligen Unruheherden im Berliner Spiel. Nach knapp einer Stunde nahm Dardai ihn vom Platz.

Einzelaktionen reichen Hertha BSC nicht

„Santi hat ein schönes Tor gemacht“, sagte der Coach, „aber er ist kein großer Ballbesitz-Spieler.“ Zu oft verschleppte der Mittelfeldspieler das Tempo, zu selten fand er die Anspielstationen auf den Außenbahnen. Ein Manko, das erst mit der Einwechslung von Routinier Sami Khedira (34) behoben wurde. Der Rio-Weltmeister, der nach seiner Wadenverletzung noch einen Fitness-Rückstand hat, sorgte für spürbar mehr Ordnung auf dem Platz – auch in puncto Positionstreue.

Warum diese Erkenntnis wichtig ist? Weil sie stellvertretend für das steht, worum es bei Hertha geht. Im Abstiegskampf besteht man nun mal nicht durch sporadische Highlights, sondern vor allem durch taktische Disziplin, Team-Verständnis, Cleverness und maximalen Einsatz.

Letzterer war Ascacibar zwar nicht abzusprechen – seinen Ruf als Kämpfernatur trägt er nicht ohne Grund. Mindestens genauso dringend wie leidenschaftliche Einzelaktionen braucht Hertha jedoch einen umsichtigen Taktgeber, der das Spiel nach vorn organisiert.

Klar ist: In den verbleibenden Partien gegen die direkte Konkurrenz werden die Berliner oft die Initiative ergreifen müssen. Ohne Khedira – das hat das Gladbach-Spiel gezeigt – wird das schwierig.

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