Hertha BSC

Hertha gegen Gladbach: Ein letztes Mal in der Lieblingsrolle

| Lesedauer: 5 Minuten
Jörn Lange
Im Hinspiel erkämpfte sich Hertha BSC gegen Mönchengladbach ein 1:1 - dank eines Treffers von Mattéo Geundouzi (l.).

Im Hinspiel erkämpfte sich Hertha BSC gegen Mönchengladbach ein 1:1 - dank eines Treffers von Mattéo Geundouzi (l.).

Foto: Marius Becker / picture alliance/dpa

Zum letzten Mal in dieser Saison geht Hertha BSC als klarer Außenseiter in ein Spiel. Neben Gefahren bietet das auch große Chancen

Berlin. Wenn man so möchte, ist es die letzte Chance. Im Heimspiel gegen Borussia Mönchengladbach betreten Herthas Profis den Rasen am Sonnabend (15.30 Uhr, Sky) zum letzten Mal in dieser Saison als klarer Außenseiter. Auf dem Papier stehen die Berliner vor der größten Herausforderung der noch ausstehenden sieben Spiele, doch in Westend schürt diese Konstellation neben gesundem Respekt vor allem eins: große Hoffnung.

Trotz der vorübergehenden Durststrecke der „Fohlen“ ist die Diskrepanz zwischen beiden Mannschaften immens. Hier Hertha, mit 25 Punkten auf Tabellenplatz 14 und vom Abstieg bedroht; dort das Europapokal-Team vom Niederrhein, mit 39 Zählern auf Platz acht. Verglichen damit sind die weiteren Berliner Gegner aus Mainz (15.), Freiburg (10.), Schalke (18.), Bielefeld (17.), Köln (16.) und Hoffenheim (12.) lösbare Aufgaben. Zumindest in der Theorie.

Coach Dardai hat bei Hertha BSC harte Töne angeschlagen

In der Praxis gestalten sich die Dinge erfahrungsgemäß anders: Gegen vermeintlich schlagbare Gegner tut sich Hertha traditionell schwer – gegen spielstarke Teams, die sich weit in die gegnerische Hälfte wagen und Raum zum Kontern bieten, sehen die Berliner oft gut aus. Bestes Beispiel war das überzeugende 3:0 gegen Leverkusen vor der Länderspielpause.

Ob es Hertha nun gelingt, einen weiteren hochveranlagten Klub zu ärgern? Pal Dardai gibt sich nach dem spielerisch enttäuschenden 1:1 beim 1. FC Union zurückhaltend. Sowohl mit der Defensiv- als auch mit der Offensivabteilung seines Teams habe er intensive Gespräche geführt, sagt der Chefoach, garniert mit zahlreichen Videosequenzen. Die Diskussionen seien dabei „mal im harten und mal im netten Ton“ abgelaufen, „aber am Ende sind alle mit lachenden, strahlenden Augen rausgegangen“.

Dass Hertha in dieser Saison die besten Spiele gegen die „Großen“ gemacht hat, ist auch Dardai nicht entgangen, nur verpassten es die Berliner meist, sich zu belohnen. Auch im Hinspiel gegen Gladbach reichte es Mitte Dezember nicht zu einem Coup, wenngleich die Gäste immerhin einen Punkt entführten. Mittelfeldspieler Mattéo Guendouzi hatte zur Führung getroffen, ehe die Borussia durch Breel Embolo ausglich.

Keine Strafe: Hertha BSC kann mit Ascacibar planen

So wie damals zählte Herthas Mann mit der markanten Mähne auch zuletzt gegen Union zu den auffälligsten Akteuren. Sein Ellenbogenschlag mit anschließender Rangelei erwies sich im Stadtduell als Weckruf, ehe er später mit reichlich Cleverness einen Elfmeter herausholte. Der Franzose ist im Mittelfeld derzeit unverzichtbar.

Fraglich ist indes, wer am Sonnabend an seiner Seite auflaufen wird. Neben Vladimir Darida ist auch Lucas Tousart gesperrt, sodass Santiago Ascacibar in die Startelf rücken dürfte. Der gallige Argentinier wurde nach seiner Beleidigung gegen Unions Nico Schlotterbeck nicht vom Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) bestraft. Für Dardai ein Segen. „Ich bin sehr erleichtert“, gibt er zu, denn ansonsten hätte er wohl Abwehrchef Niklas Stark nach vorn ziehen müssen. Eine Notfall-Maßnahme, die die Statik der gesamten Defensive beeinflusst hätte.

Als Alternative zu Ascacibar käme noch Sami Khedira infrage, der seit seiner Verpflichtung erst 173 Minuten (von möglichen 720) auf den Platz stand. Nach seiner Wadenverletzung fehlt dem Weltmeister von 2014 noch die nötige Fitness. Dass es bereits für die Startelf reicht, ist unwahrscheinlich, zumal eine weitere Verletzung des Star-Zugangs tunlichst vermieden werden soll.

Mit Keeper Schwolow hat Hertha BSC einen Gladbach-Experten

Besser stehen die Karten bei Abwehrspieler Marton Dardai, der nach seiner Innenbandblessur im Knie ins Team zurückkehren dürfte. „Er hat uns gegen Union gefehlt“, sagt Vater Pal – eine Beobachtung, die vor allem die Klarheit im Spielaufbau betrifft.

Weil Gladbach nach frustrierenden Wochen zuletzt zweimal in Folge gewann und unbedingt ins internationale Geschäft will, wird die Primäraufgabe des Verteidigers im Tore-Verhindern liegen – genauso wie für Keeper Alexander Schwolow, der erneut den mit Covid-19 infizierten Rune Jarstein vertritt. „Alex hat gut gespielt und im Training einen guten Eindruck hinterlassen“, sagt Herthas Coach, „wir sind zufrieden mit ihm.“

Besonders aufpassen müssen der Keeper und seine Vorderleute bei Standards, denn mit 18 Treffern nach ruhenden Bällen ist die Borussia in die Bundesliga das Maß der Dinge. An Schwolows gesundem Selbstvertrauen wird das nichts ändern. Als Profi hat er bisher fünf Heimspiele gegen Gladbach bestritten und jedes davon gewonnen. Mit seinen Teams war er dabei stets: Außenseiter.

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