Hertha BSC

Khedira überzeugt bei Hertha als Spiel-Versteher

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Sami Khedira verlieh dem Spiel von Hertha BSC nach seiner Einwechslung Struktur.

Sami Khedira verlieh dem Spiel von Hertha BSC nach seiner Einwechslung Struktur.

Foto: Matthias Hangst / Getty Images

Sami Khedira wirkt nach seiner Einwechslung entscheidend auf das Spiel von Hertha BSC ein – und erlebt einen emotionalen Tag.

Stuttgart. Vom kurzen Abstecher in sein altes Stadion verabschiedete sich Sami Khedira nach seinem 100. Bundesliga-Spiel nicht ohne eine kleine Liebeserklärung. „Es ist Heimat, daran ändert auch der Verein nichts, bei dem ich spiele. Ich habe Stuttgart und dem VfB sehr viel zu verdanken, wenn nicht sogar alles“, sagte der 33-Jährige nach seinem emotionalen Comeback an dem Ort, an dem er 2007 den VfB zur Meisterschaft geköpft hatte.

Khedira prägt Spiel von Hertha BSC entscheidend

Diesmal traf Khedira nicht, er gewann nicht, und er tat seinem VfB sogar weh. Er spielte nur eine gute halbe Stunde für Hertha BSC und dennoch prägte er das Berliner Spiel entscheidend. Als Vorbereiter des 1:1 (0:1)-Endstands bewies der Ex-Weltmeister, dass er Hoffnungsträger des Hauptstadt-Klubs in prekärer Lage sein kann.

Anders als mit dem Titel- kennt sich Khedira mit dem Abstiegskampf zwar nicht aus. Aber er wusste auch nicht, wie es wird, als Gegner seines Herzensvereins in der Fußball-Bundesliga aufzulaufen. „Es war das erste Mal, von daher war es ein ungewohntes Gefühl“, sagte er: Im Großen und Ganzen sei es „eine schöne Rückkehr“ gewesen.

Nach dem Abpfiff plauderte der 33-Jährige mit Pellegrino Matarazzo. Der VfB-Coach war längst noch nicht bei den Schwaben, als seine Zeit dort zu Ende ging. 2010 war Khedira in die große Fußball-Welt aufgebrochen. Nun spielte er nach 3941 Tagen erstmals in Stuttgart, nur wenige Kilometer vom Stadion entfernt war er aufgewachsen.

Erster Assist für Hertha BSC

In der 58. Minute wurde der Ex-Nationalspieler eingewechselt, um das 0:1 nach dem Gegentor von Sasa Kalajdzic (45.+1) wettzumachen und nach schwachem Beginn für Besserung zu sorgen. Es war sein zweiter Einsatz für die Hertha. Das erste seiner 100. Bundesliga-Spiele hatte er im Oktober 2006 für den VfB gegen die Hertha bestritten. Vor zwei Wochen war der Rio-Champion ohne jegliche Spielpraxis in die Bundesliga zurückgekehrt.

Nach der verschlafenen ersten Halbzeit brachte Khedira seine Übersicht ins Spiel. Und er leitete die für die Berliner so wichtige Szene in der 82. Minute ein, als er den Ball in den Strafraum schlug und der 17-jährige Luca Netz zum jüngsten Bundesliga-Torschützen der Hertha-Geschichte aufstieg.

„Ich denke, allgemein haben wir in der zweiten Halbzeit einen viel besseren Zugriff gehabt, die Mannschaft hat das viel besser umgesetzt“, sagte Khedira. Auch dank ihm, was er alles anders als bescheiden so erklärte: „Es gibt gewisse Spieler, die verstehen das Spiel – und das ist auch eine meiner Stärken.“

Als seine „Patrone“ beschrieb Trainer Pal Dardai seine neue Prominenz, für die er anders als beim 0:1 gegen den FC Bayern früh in der zweiten Hälfte den richtigen Moment gesehen habe. „Die Mannschaft hat ihn gebraucht“, sagte Dardai: „Er hat der Mannschaft Stabilität gegeben.“

Die Herausforderungen für Hertha BSC blieben groß

Die Erwartungen, die Hertha nun mit Khedira, Trainer-Rückkehrer Dardai und Talent Netz erfüllen muss, sind aber mehr als nur ein Unentschieden. Der VfB war der vermeintlich leichteste Gegner nach den Duellen mit dem FC Bayern und Eintracht Frankfurt – und vor den Aufgaben gegen Leipzig und in Wolfsburg. Auch mit Dardai und Khedira verlängerte sich die Sieglos-Serie auf mittlerweile sieben Partien.

Nur einen Punkt liegt Hertha vor dem Abstiegskonkurrenten Arminia Bielefeld, der den Relegationsplatz belegt und zum Abschluss des Spieltags am Montag vor einer eigentlich aussichtslosen Aufgabe in München steht. Dieser eine Punkt beim VfB sei wichtig für die Moral, sagte Khedira. Und er demonstrierte gleich mal das Selbstverständnis eines Ex-Profis von Real Madrid und Juventus Turin, als er davon sprach, nun eben gegen RB Leipzig gewinnen zu wollen.

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( dpa )