Bundesliga

0:1 - Hertha BSC unterliegt FC Bayern bei Khedira-Einstand

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Kingsley Coman markiert das 1:0 für den FC Bayern. Der Schuss wurde noch abgefälscht.

Kingsley Coman markiert das 1:0 für den FC Bayern. Der Schuss wurde noch abgefälscht.

Foto: dpa/Michael Sohn

Ein abgefälschter Schuss von Kingsley Coman reichte den Bayern gegen zu harmlose Herthaner. Sami Khedira wurde spät eingewechselt.

Mehr Drama-Faktor ging nicht: Im Schneegestöber des Olympiastadions lief die letzte Minute der regulären Spielzeit, und bei Hertha BSC standen alle Regler auf Anschlag. Die Berliner hatten gegen Triple-Sieger Bayern München eine furiose Schlussoffensive hingelegt, nur das Tor zum Ausgleich wollte nicht gelingen. Dann die große Chance: Nach tollem Direktspiel von Mattéo Guendouzi rannte Matheus Cunha allein auf Manuel Neuer zu, chippte seinen gefühlvollen Abschluss jedoch knapp am rechten Pfosten vorbei. Die Reaktion: ungläubiges Staunen, Fassungslosigkeit, Enttäuschung. So blieb es trotz Herthas phasenweise mitreißender Leistung bei einem knappen 0:1 (0:1).

„Ich bin ihm nicht böse“, sagte Hertha-Coach Pal Dardai mit Blick auf Cunha, „er muss das so machen.“ Der Ungar war sich sicher: „Wenn wir weiter so spielen, kommt auch das Spielglück, dann holen wir auch die Punkte.“ Am Freitagabend gingen die Berliner indes leer aus. Der einzige Treffer des Tages – ein äußerst glücklich erzielter obendrein – gelang Kingsley Coman (21. Minute).

Riesenchance für Hertha nach zwei Minuten

Dardai hatte auf den Faktor Erfahrung gesetzt und sein Team auf drei Positionen umgebaut. Lukas Klünter (24), Luca Netz (17) und Mattéo Guendouzi (21) blieben zunächst auf der Bank, stattdessen starteten Peter Pekarik (34), Maximilian Mittelstädt (23) und Vladimir Darida (30). Den prominentesten Routinier mochte der Coach indes noch nicht von Beginn aufbieten. Star-Zugang Sami Khedira (33), der das Team künftig führen soll, sammelte seine ersten Ernstfall-Eindrücke als Zuschauer.

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Wie Khedira den Kaltstart im Berliner Schneegestöber gemeistert hätte, wäre spannend zu beobachten gewesen. Zeit zur Eingewöhnung hätte er jedenfalls nicht bekommen, denn der Auftakt geriet turbulent. Nach gerade mal zwei Minuten die erste Chance: Dodi Lukebakio stürmte nach perfektem Gassenball von Darida allein aufs Münchner Tor zu, scheiterte aber an Manuel Neuer.

Ähnlich rasant ging’s weiter, ein Steilpass jagte den nächsten. Für die Bayern gab Leroy Sané den ersten Torschuss ab (5.), für Hertha antwortete Krzysztof Piatek (8.). Zwei Minuten später Sané zum Zweiten: Nach Steckpass von Lewandowski drang der Nationalspieler in den Sechzehner ein, wo ihn der herausgeeilte Jarstein zu Fall brachte. Die Folge: Elfmeter. Tormaschine Lewandowski probierte es unten links, nur hatte Jarstein die Ecke geahnt (11.). Das Lewandowski vom Punkt scheiterte, gab es zuletzt vor gut zwei Jahren. Er blieb in Berlin sogar ganz ohne Tor, erstmals nach neun Spielen.

Beeindruckt zeigten sich die Berliner nicht, sie verteidigten bissig und kompakt, waren erstaunlich forsch im Spiel nach vorn. Heraus sprangen dabei zwei Piatek-Schüsse (14., 21.), doch das glückliche Führungstor gelang den Bayern. Ein Coman-Schuss vom linken Strafraumeck fälschte der grätschende Niklas Stark derart unglücklich ab, dass das Spielgerät in hohem Bogen Richtung Tor flog. 1,92-Meter-Mann Jarstein streckte sich vergeblich – 0:1 (21.).

Matheus Cunha vergibt die Riesenchance zum Ausgleich

Trotz des zunehmend schneeweißen Rasens blieb die Partie im Schlagabtausch-Modus, intensiv, umkämpft, ohne falsche Zurückhaltung. Ohne Kollateralschäden blieb das nicht. Bayern-Verteidiger Niklas Süle erlitt eine Platzwunde am Kopf, konnte aber weiterspielen. Für Herthas Jordan Torunarigha war die Partie indes kurz vor der Pause beendet. Er verletzte sich im Hüftbereich. Am Unterhaltungswert änderte das nichts. Angesichts weiterer Möglichkeiten von Coman (24., 45.+4) und Lukebakio (45.) hätte in einem vollbesetzten Olympiastadion Festtagsstimmung geherrscht. So aber blieb es bei ein paar vereinzelten Rufen aus der Peripherie. Hertha war voll drin in der Partie, doch nach der Pause drückten die Bayern, die in der Nacht zur Klub-WM nach Doha weiterreisten, aufs Tempo. Balleroberung Thomas Müller, ein schneller Pass, Abschluss Serge Gnarby – dass die Berliner im Spiel blieben, verdankten sie einzig Keeper Jarstein (47.).

Dennoch: Der Dauerdruck der Gäste nahm zu, Hertha kam kaum noch zu Entlastung. Dardai reagierte, brachte mit Guendouzi (56. für Darida) und Radonjic (63. für Piatek) zwei frische Kräfte, um das Konterspiel zu befeuern. Das gelang, Radonjic schob den Ball nach einem Konter sogar über die Linie (63.), allerdings war die Szene aus einer klaren Abseitssituation entsprungen. Für Hertha schien der „Treffer“ allerdings wie eine Direkt-Infusion Selbstvertrauen zu wirken, denn plötzlich übernahmen die Berliner, angeführt von Guendouzi und Radonjic, das Kommando. Einzig der letzte Punch fehlte, daran änderte auch der in der Schlussphase eingewechselte Khedira nichts. Erst scheiterte Unruhestifter Radonjic aus spitzem Winkel an Neuer (87.). Und dann kam Cunha. „Das Engagement hat man den Berlinern angemerkt“, lobte Bayerns Müller.