Hertha BSC

Warum Dardai bei Hertha BSC direkt unter Druck steht

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Inga Böddeling
Trainer Pal Dardai muss bis Saisonende 25 Punkte holen, um auch in der kommenden Saison Chefcoach bei Hertha BSC zu bleiben. 

Trainer Pal Dardai muss bis Saisonende 25 Punkte holen, um auch in der kommenden Saison Chefcoach bei Hertha BSC zu bleiben. 

Foto: Andreas Gora / dpa

Drei Tage nach Pal Dardais Amtsantritt bei Hertha BSC sind pikante Details über den Vertrag des Trainers bekannt geworden.

Berlin. Bei Hertha BSC geht es tierisch zur Sache. Erst war Anfang der Woche von Krokodilen in Westend die Rede, dann wurde in den vergangenen Tagen auch noch ein Känguru auf dem Schenckendorffplatz gesichtet. „Dodi Lukebakio hat top trainiert, er läuft so schnell wie ein Känguru und arbeitet richtig gut“, erzählte Trainer Pal Dardai, der bei seinem Amtsantritt am Dienstag doch etwas Respekt vor der Mannschaft hatte („Ich habe gedacht, da sind 20 Alligatoren, die mich wahrscheinlich auffressen.“).

Diese Befürchtung hatte sich nicht bewahrheitet, ein tierisches Problem aber hat der Berliner Fußball-Bundesligist trotzdem noch: einen Maulwurf. Am Donnerstag berichtete der „Kicker“, dass Dardais Vertrag, datiert bis Sommer 2022, eine Punkteklausel enthalte. Der neue Coach müsse in den verbleibenden 16 Spielen bis Saisonende mindestens 25 Punkte holen, um auch in der kommenden Saison an Herthas Seitenlinie stehen zu dürfen.

Trainer Dardai muss bei Hertha BSC direkt liefern

Eine Vorgabe, die äußerst ambitioniert erscheint. In den bisherigen 18 Spielen kommt Hertha lediglich auf 0,94 Punkte pro Partie. Um der internen Zielsetzung gerecht zu werden, bräuchte es im Schnitt ab sofort 1,5 Punkte pro Spiel. Eine Ausbeute, mit der man nach der Hinrunde auf Platz neun liegen würde. Und damit in einer Tabellenregion, die den Vorstellungen der Berliner eher entspricht als der Status quo mit Platz 14.

Abgesehen von der Tatsache, dass die Klausel intern hätte bleiben müssen, um Neu-Trainer Dardai nicht nur als Übergangslösung hinzustellen, bleibt die Frage, wie solch brisante Details überhaupt an die Öffentlichkeit gelangen konnten. Sportdirektor Arne Friedrich versuchte das Thema am Donnerstag auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Frankfurt (Sonnabend, 15.30 Uhr, Sky) schleunigst zu beenden. „Wir haben einen Vertrag mit Pal bis 2022 und sind sehr froh, ihn hier zu haben. Über Vertragsdetails werden wir uns nicht äußern“, erklärte der 41-Jährige.

Fredi Bobic weiß von Hertha-Interesse nichts

Dennoch bleibt ein fader Beigeschmack. Bereits am vergangenen Wochenende war kurz nach der Niederlage gegen Werder Bremen (1:4) die Trennung von Bruno Labbadia durchgesickert. Schon da hatte Carsten Schmidt, Herthas Vorsitzender der Geschäftsführung, von einer „Schlechtleistung“ gesprochen. Das sei nicht der Stil, den der Topmanager für den Verein prägen wolle und eine Baustelle, „die ich gern schnellstmöglich beheben möchte.“

Die wenigen Tage seit Labbadias Entlassung reichten offenbar nicht aus, um das vereinsinterne Leck ausfindig zu machen, geschweige denn es zu schließen. Der Maulwurf, er ist ein Unruheherd, auf den der krisengebeutelte Klub nach den vergangenen turbulenten Wochen gut und gern verzichten könnte. Schließlich wird nebenbei auch noch über die Nachfolge des beurlaubten Michael Preetz spekuliert.

Die „Bild“ hatte berichtet, dass Frankfurts Fredi Bobic auf der Kandidatenliste für die Nachfolge des Managers weit oben stehen würde. Und das kurz vor dem Duell mit der Eintracht. Bobic, von 2003 bis 2005 Hertha-Profi, hat in Frankfurt allerdings noch einen Vertrag bis 2023 und „weiß von nichts“. Nichtsdestotrotz lenkt auch diese Diskussion vom Sportlichen ab, auf das sie sich bei Hertha dringend konzentrieren müssen, wenn der Klub nicht weiter in den Abstiegssumpf geraten will.

Hertha BSC verfällt auf dem Transfermarkt nicht in Panik

Dafür braucht es Erfolgserlebnisse auf dem Platz. Und vielleicht auch noch die eine oder andere Verstärkung. „Wir checken alles, was geht. Aber es ist keine Panik angesagt“, erklärte Sportdirektor Friedrich, der bis Saisonende die Verantwortung im sportlichen Bereich übernimmt. „Wenn uns jemand weiterhilft, werden wir natürlich noch mal auf dem Transfermarkt aktiv werden.“

Bis es so weit ist, hat Trainer Dardai eine Mannschaft zur Verfügung, die in dieser Woche „hart trainiert“ hat. „Alles, was ich gehört und gelesen habe, kann ich nicht bestätigen“, sagte der Ungar. Für ihn gehe es jetzt erst einmal darum, ein solides Fundament zu schaffen, auf dem sich in den kommenden Wochen aufbauen lässt. „Wenn du ein Haus baust, kannst du nicht beim Dach anfangen“, sagt Dardai. Allerdings würde so ein Haus auch definitiv sicherer stehen, wenn kein Maulwurf drunter wohnt.

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