Hertha BSC

1:4 gegen Werder - Hertha BSC erreicht nächsten Tiefpunkt

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Der Anfang vom Ende: Werders Davie Selke trifft gegen Hertha BSC per Elfmeter zum 1:0. 

Der Anfang vom Ende: Werders Davie Selke trifft gegen Hertha BSC per Elfmeter zum 1:0. 

Hertha BSC rutscht durch das klare 1:4 gegen Werder Bremen immer tiefer in den Tabellenkeller. Labbadia steht offenbar vor dem Aus.

Berlin. Es war ein unwürdiges Schauspiel. Herthas 1:4 (1:2)-Pleite gegen Werder Bremen war am Sonnabend kaum besiegelt, da wurde Bruno Labbadia im Live-Interview bei Sky eine Meldung der „Bild“ vorgehalten, die besagte, dass ihn der Berliner Fußball-Bundesligist vor die Tür setzen wird. Der 54 Jahre alte Fußballlehrer trug es mit Fassung. „Wir haben eine brutale Enttäuschung, das muss man uns auch mal zugestehen“, sagte er: „Das ist ein Scheiß-Gefühl, und alles andere werden wir jetzt sehen. Das Entscheidende ist, dass der Verein Erfolg hat.“ Für ihn stand fest: „Man wird immer zum Wohle eines Vereins entscheiden. Wir können nur weiterarbeiten.“

Offiziell bestätigt wurde die Trennung am Abend nicht. Eineinhalb Stunden nach Schlusspfiff absolvierte der Coach die Pressekonferenz – auffällig spät zwar, aber ansonsten wie immer. „Ich habe die Menschen hier in Berlin bislang so kennen und schätzten gelernt, dass man erst zu mir kommen würde, ehe man an die Öffentlichkeit geht“, sagte er. Nach Morgenpost-Informationen ist die Trainer-Entscheidung in den Führungsgremien des Klubs noch nicht endgültig gefallen. Fakt ist aber auch: Nach dem nächsten Ergebnis-Tiefpunkt gehen dem Trainer die Argumente aus.

Matheus Cunha scheitert vom Elfmeterpunkt

Gegen Bremen zeigte Hertha zwar Elan und Kampfgeist, machte sich das Leben aber erneut selbst schwer. Das 0:1 durch Davie Selke fiel per Foulelfmeter (10. Minute), auf der anderen Seite ließ Matheus Cunha die große Chance zum Ausgleich liegen, als er vom Punkt scheiterte (21.). „Wir wollten, das kann man nicht abstreiten, aber wir machen es dem Gegner zu einfach und haben vorn nicht die Effektivität“, sagte Hertha-Kapitän Niklas Stark. Auf die Frage, ob die Mannschaft denn noch zum Trainer hält, antwortete er: „Da will ich mich nicht zu äußern, das ist nicht meine Sache.“

Vor dem Anpfiff hatte Labbadia Zeichen gesetzt. Rekord-Einkauf Krzysztof Piatek blieb auf der Bank, stattdessen kam Linksverteidiger Luca Netz (17) zu seinem Startelf-Debüt. Dodi Lukebakio hatte der Coach derweil nicht mal in den Spieltagskader berufen. Seine Begründung: „Manchmal braucht es so etwas, um jemanden aufzurütteln.“

An Aggressivität mangelte es Hertha nicht, die Berliner gingen von Beginn an rustikal zur Sache. Nach neun Minuten hatte das fatale Folgen. Maxi Mittelstädt grätschte derart gedankenlos in den eigenen Sechzehner, dass er den ungefährlich positionierten Romano Schmid umsenste – ein klarer Elfmeter. Zur Vollstreckung trat ausgerechnet Selke an, der eigentlich noch Herthaner ist, aber auf Leihbasis für Bremen spielt. Kompromisslos drosch er den Ball ins rechte obere Eck – 0:1 (10.).

Hertha zeigt Courage nach dem Rückstand

Immerhin: Hertha zeigte Courage, setzte alles daran, sich diesmal nicht von einem Rückstand aus der Bahn werfen zu lassen. Die Belohnung ließ nicht lange auf sich warten. Nach schnellem Direktspiel von Vladimir Darida kam Cunha kurz vor dem Bremer Fünfmeterraum zu Fall. Werders Jean-Manuel Mbom hatte den Brasilianer zuvor berührt, doch Cunhas theatralischer Fall überbot den Selkes um Längen. Sei’s drum: Strafstoß Hertha. Am Dienstag war Piatek vom Punkt gescheitert. Diesmal schritt Cunha zur Tat, doch das Ergebnis war dasselbe. Sein Versuch geriet viel zu unplatziert, Keeper Jiri Pavlenka parierte (21.).

An der Seitenlinie machte Labbadia mit seinen Armen ankurbelnde Bewegungen. Weiter, Brust raus, Kopf hoch, signalisierte der Coach, und sein Team folgte. Hertha war die aktivere, die präsentere Elf, aber in einer durch Härte und Nickeligkeiten geprägten Partie war an Spielfluss kaum zu denken. So blieb es vorerst bei einem Cordoba-Kopfball, mit dem Pavlenka wenig Mühe hatte (23.). Stattdessen schlug es kurz darauf auf der anderen Seite ein. Nach einer Bittencourt-Ecke durfte Werder-Verteidiger Ömer Toprak unbewacht einlaufen und köpfte den Ball wuchtig in den rechten Winkel – 0:2 (29.).

Hertha lässt sich zu leicht ausspielen

Elfmeter verschossen und zwei Tore zurück, würden sich die Berliner noch mal berappeln können? Ja, sie würden. Kurz vor der Pause der Anschluss: Flanke Peter Pekarik, Kopfball Cordoba, nur noch 1:2 (45.+2). Mit frischer Hoffnung ging es in die Kabine. Danach startete Hertha mit viel Schwung. Cunha (46.) und Cordoba (55.) feuerten zweimal aus der Distanz, konnten Pavlenka aber nicht überwinden. Besser machten es die effizienten Bremer. Maximilian Eggestein hob den Ball butterweich über Herthas Hintermannschaft, in deren Rücken sich Leon Bittencourt davongestohlen hatte – 1:3 (57.).

Labbadia reagierte, brachte die Offensivkräfte Piatek und Daishawn Redan. Wenig später die große Chance zum Anschluss: Nach Kopfballverlängerung von Cordoba lief Cunha mutterseelenallein auf Pavlenka zu, zirkelte seinen Schuss aus der linken Strafraumhälfte aber knapp am langen Pfosten vorbei (67.). Neben ihm war Piatek völlig frei mitgelaufen. Lässt man solche Möglichkeiten aus, wird es gegen jeden Gegner schwer – erst recht am nächsten Sonnabend bei der formstarken Eintracht in Frankfurt.

Dass Cordoba mit einem weiteren Kopfball an Pavlenka scheiterte (74.), fiel genauso wenig ins Gewicht wie das Traumtor von Werder-Joker Joshua Sargent zum 1:4 (74.). Hertha bleibt im Krisenmodus. Und die Perspektive wird immer finsterer.

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