Hertha BSC

Hertha BSC vor dem Duell mit Schalke: Tief- oder Wendepunkt?

Hertha BSC hat im ersten Spiel des Jahres gegen Schlusslicht Schalke eine große Chance – allerdings auch die auf eine Blamage.

Matheus Cunha (M.), hier im Spiel gegen Mainz 05, ist mit sechs Saisontoren und drei Vorlagen Herthas bester Scorer – und dennoch derzeit ein Sorgenkind.  

Matheus Cunha (M.), hier im Spiel gegen Mainz 05, ist mit sechs Saisontoren und drei Vorlagen Herthas bester Scorer – und dennoch derzeit ein Sorgenkind.  

Foto: Uwe Koch/ Eibner-Pressefoto / picture alliance / Eibner-Pressefoto

Berlin. Die Gerüchteküche steht schon wieder unter Dampf. Der frühere Frankfurter Stürmer Luka Jovic, das nigerianische Offensivtalent Emmanuel Dennis oder Manchester Uniteds Rechtsverteidiger Timothy Fosu-Mensah – wer nicht bei drei auf den Bäumen ist, wird dieser Tage als heißer Kandidat für Hertha BSC gehandelt, denn am Sonnabend öffnet das Transferfenster.

Tatsächlich beginnt für die Berliner am 2. Januar ja die Phase der neuen Chancen, und das gleich in doppelter Hinsicht. Erstens, weil die strauchelnde Mannschaft verstärkt werden könnte, vor allem aber wegen des ersten Heimspiels des Jahres gegen Krisenklub Schalke 04 (18.30 Uhr, Sky).

„Wir wollen einen guten Einstieg ins neue Jahr haben“, sagt Manager Michael Preetz: „Es steht viel auf dem Spiel, denn für uns ist das auch die Möglichkeit, im Januar durchzustarten.“ Bis Monatsende heißen die weiteren Gegner Bielefeld, Köln, Hoffenheim, Bremen und Frankfurt.

Hertha BSC braucht dringend ein Erfolgserlebnis

Vorerst aber gilt alle Konzentration dem Schlusslicht aus Gelsenkirchen, das bekanntlich vor einem Scherbenhaufen steht. Unfassbare 29 Spiele ohne Sieg haben den Vizemeister von 2018 in höchste Abstiegsgefahr gebracht, der Revierklub wirkt kopf- und führungslos, pfeift finanziell aus dem letzten Loch. Nur zwei weitere Pleiten und Schalke knackt den legendären Negativrekord von Tasmania 1900 aus der Saison 1965/66, doch Bruno Labbadia will von all dem wenig hören.

„Serien und Rekorde sind nicht unser Thema“, sagt Herthas Chefcoach: „Wichtig ist, dass wir optimistisch in das Spiel gehen und Lust auf Erfolge entwickeln – und keine Angst vor Niederlagen haben.“

In Fan-Kreisen ist von dieser positiven Einstellung wenig zu spüren. Schon seit Wochen unken Herthas Anhänger in den sozialen Medien, dass die Berliner eine Schalker Rekordserie verhindern würden. Sie sind leidgeplagt. Schon oft ging Hertha gegen am Boden liegende Teams als Favorit ins Spiel und erwies sich dann als dankbarer Aufbaugegner.

Cunha muss bei Hertha BSC eine Reaktion zeigen

Damit es diesmal anders kommt, muss sich Labbadias Elf deutlich steigern. Beim 0:0 gegen Mainz und der 1:4-Klatsche in Freiburg hinterließ das Team vor dem Jahreswechsel einen desolaten Eindruck und hatte plötzlich mit neuen Problemen zu kämpfen, allen voran mit Matheus Cunha, der plötzlich nicht mehr Herthas Unterschiedspieler war, sondern die Mannschaft mit seiner Motzki-Attitüde herunterzog. Die Folge: Der Brasilianer wurde von Labbadia öffentlich abgekanzelt.

Manager Preetz ist bemüht, einen drohenden Konflikt zwischen dem Trainer und seinem besten Spieler schnell zu ersticken. „Das sind ganz normale Vorgänge im Profi-Fußball“, sagt er, „es gehört zu den Aufgaben eines Trainers, zu kritisieren. Es ist ihm unbenommen, das punktuell auch öffentlich zu machen – das ist völlig in Ordnung.“

Alles andere als in Ordnung waren zuletzt Cunhas Leistungen und sein Auftreten. Umso zufriedener registrierte Labbadia zum Wochenstart, dass der 21-Jährige „ein gutes Training“ hinlegte. „Er ist für uns sehr, sehr wichtig“, sagt der Coach, „das verändert sich nicht. Wir hoffen, dass er wieder zu alter Stärke findet und das hoffentlich gegen Schalke umsetzen kann.“

Niklas Stark rückt bei Hertha BSC ins Abwehrzentrum

Auf einen anderen Leistungsträger müssen die Berliner derweil verzichten. Kapitän Dedryck Boyata (30) muss wegen einer Fußverletzung passen, droht sogar länger auszufallen. Für ihn wird Niklas Stark (25) ins Abwehrzentrum rücken, der zuletzt im defensiven Mittelfeld auflief.

„Niklas hat in den letzten Wochen eine sehr gute Entwicklung gemacht“, sagt Labbadia, „er bringt viel Energie mit rein und stopft viele Löcher.“ Körperlich sei der Nationalspieler inzwischen in einem „ganz anderen Bereich“, nur wird es in der neuen, alten Rolle darauf ankommen, dass sich Stark keine Patzer erlaubt. Anders als auf der Sechser-Position haben Fehler in der Innenverteidigung meist bittere Folgen.

Was für Stark in letzter Reihe gilt, gilt auch für Hertha als Team: Das Blamage-Potenzial ist am Sonnabend drastisch erhöht. Halb Fußball-Deutschland wird Samstagabend auf das sogenannte „Topspiel“ schauen, um zu verfolgen, ob die Schalker Negativserie Bestand hat oder nicht. Sollte sie reißen, wäre Hertha das Gespött der Liga. Womit sich die Frage stellt: Wird die Partie zum Tief- oder eher zum möglichen Wendepunkt?

Gefährlich werden könnte den Berlinern, dass auf Schalke durch den neuen Coach Christian Gross ein Hauch von Aufbruchstimmung herrscht. Bei Hertha soll sich Ähnliches auch ohne Trainerwechsel einstellen. Auf die Frage, ob das Schalke-Spiel eine Chance zu einem Neuanfang sei, antwortet Manager Preetz: „Klar, das wünschen wir uns alle.“