Hertha BSC

Haaland schockt Hertha – 2:5 gegen Dortmund

Hertha muss nach dem 2:5 gegen Dortmund weiter auf den ersten Saison-Heimsieg warten. Hattrick des Norwegers Haaland dreht die Partie.

Der Dortmunder Erling Haaland freut sich über seine Tore, die Herthaner Krzysztof Piatek (l.) und Mattéo Guendouzi sind wenig begeistert.

Der Dortmunder Erling Haaland freut sich über seine Tore, die Herthaner Krzysztof Piatek (l.) und Mattéo Guendouzi sind wenig begeistert.

Foto: Pool / Clemens Bilan - Pool/Getty Images

Berlin. Mattéo Guendouzi raufte sich die Lockenmähne, Kapitän Dedryck Boyata schrie seinen Frust heraus. Das Spiel gegen Borussia Dortmund? Das war nix. Mit 2:5 (1:0) ließ sich Hertha BSC am späten Sonnabend vom neuen Tabellenzweiten zerlegen. Und das obwohl der Fußball-Bundesligist aus der Hauptstadt eine viel versprechende erste Halbzeit gezeigt hatte. So aber bleibt’s dabei. Hertha wartet weiter auf den ersten Heimsieg der Saison.

„Wir haben eigentlich gut ins Spielgefunden, haben auch gut umgeschaltet. Doch wir sind schwer aus der Pause gekommen, dann sieht man Dortmunds Qualität, sie haben eine enorme Schnelligkeit“, war Maximilian Mittelstädt sichtlich enttäuscht.

Bruno Labbadia vertraute der Mannschaft, die vor der Länderspielpause das 3:0 gegen den FC Augsburg eingefahren hatte. Nur für den am Sprunggelenk verletzten Jhon Cordoba musste Ersatz her. Krzysztof Piatek durfte in der Sturmspitze sein Glück versuchen. Damit setzte der Coach trotz der hohen Belastung in der vergangenen Woche auf neun Nationalspieler in der Startelf.

Cunha bringt Hertha in Führung

Und der 54-Jährige wurde nicht enttäuscht . Zumindest in der ersten Hälfte. Hertha spielte konzentriert, bahnte sich immer wieder Wege durch das Dortmunder Mittelfeld bis zur Strafraumkante. Dodi Lukebakio war der Erste, der eine Kostprobe seiner Schusskünste zeigen durfte. Sein Versuch aus gut 20 Metern ging allerdings weit über das Tor von BVB-Keeper Roman Bürki (8.).

Beeindrucken ließ sich das Dortmunder Starensemble um Stürmer Erling Haaland, der sich seit Sonnabend „Golden Boy“ des Jahres nennen darf und nach der Abstimmung der italienischen Zeitung „Tuttosport“ der beste U21-Spieler Europas ist, zwar nicht. Die Spielkontrolle bekamen die Schwarz-Gelben aber auch nicht.

Herthas Defensive stand kompakt, im Mittelfeld trieben Vladimir Darida und Guendouzi ihre Teamkollegen immer wieder nach vorn. An gefährlichen Torchancen aber haperte es jedoch – bis zur 33. Minute. Nach einem weiten Abschlag von Hertha-Keeper Alexander Schwolow legte Lukebakio auf Matheus Cunha. Und der Brasilianer? Zirkelte den Ball aus gut 22 Metern sehenswert ins Tor – 1:0. „Cunha ist ein wichtiger Spieler, der immer wieder für Torgefahr sorgt“, erkannte auch Herthas Sportdirektor Arne Friedrich.

Haaland mit Hattrick nach der Pause

Torgefahr hat aber eben auch im BVB-Kosmos einen Namen: Erling Haaland. Als fühlte sich der Norweger durch den Rückstand persönlich beleidigt, zimmerte er direkt nach Wiederanpfiff gleich zwei Bälle in die Maschen. Erst nach einer Flanke von Emre Can aus kurzer Distanz (47.), zwei Minuten später nach einem punktgenauen Vertikalpass von Julian Brandt ins lange Ecke. Das Spiel war gekippt, Hertha lag zurück.

Dabei hatte Labbadia doch endlich Zählbares gefordert. Den Makel, gegen Spitzenteams zwar gut zu spielen, aber keine Punkte zu holen, abzulegen. Schulterklopfer helfen im Kampf um eine bessere Tabellenposition eben herzlich wenig.

Haalands Doppelpack aber war für Hertha ein ordentlicher Wirkungstreffer – und für Dortmund der berühmte Dosenöffner. Das Spiel kannte fast nur noch eine Richtung. Von der klaren Spielidee, den mittelfeldgesteuerten Offensivbemühungen und dem Selbstvertrauen aus Halbzeit eins glimmte nur noch selten ein Funken auf.

Cunha kann für Hertha nur noch verkürzen

Und auch die stabile Abwehr zerfiel in ihre Einzelteile, als Haaland zu seinem dritten Streich ansetzte. Hatte Boyata bei den ersten beiden Gegentreffern schlecht ausgesehen, war es jetzt Marvin Plattenhardt, der dem 20 Jahre alten Torjäger mit einem fahrigen Pass den Hattrick auf dem Silbertablett servierte (62.) – 1:3, viel zu sorglos. Raphael Guerreiro behielt sogar im Sitzen die Oberhand gegen Rechtsverteidiger Peter Pekarik und schob zum 1:4 ein (70.).

Sollte das 2:4 durch Cunhas Treffer via Elfmeter (Guendouzi hatte geschickt bei Manuel Akanji eingefädelt) noch bei irgendwem Hoffnung geschürt haben, gab Haaland ein letztes Mal den Spielverderber und traf nur 44 Sekunden danach zum 2:5 (80.).

Wenig später machte der vierfache Torschütze dann Platz – für Youssoufa Moukoko und einen geschichtsträchtigen Moment . Der Stürmer, erst am Freitag 16 Jahre alt geworden, ist mit nun 16 Jahren und einem Tag der jüngste Spieler der Bundesliga-Geschichte.

Zum Feiern wird Trainer Labbadia nicht zumute sein, er wird nach diesem herben Dämpfer nun Aufbauarbeit leisten müssen. Am nächsten Sonntag wartet schon das nächste Topteam. Für den Tabellen-13. aus der Hauptstadt geht es zum Dritten nach Leverkusen (15.30 Uhr).

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